Betablocker schützen nicht vor Herzinfarkt oder Schlaganfall

28. Oktober 2012 | Von | Kategorie: Medikamente

Betablocker sind lange Zeit mit dem Argument empfohlen worden, dass klinische Studien ergeben hätten, dass diese nicht nur den Bluthochdruck senken, sondern auch vor Infarkten und Schlaganfällen schützen könnten. Diese Botschaft ist inzwischen mehr als 40 Jahre alt. Jetzt sieht es allerdings so aus, dass man aber fast von einem Märchen sprechen kann. Denn: Wissenschaftler haben erst unlängst feststellen müssen, dass Betablocker praktisch gar keinen protektiven Effekt ausüben können.

Betablocker werden fast routinemäßig bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit eingesetzt, speziell wenn diese bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten. Tatsache scheint aber zu sein, dass Patienten, die einen Betablocker bekamen, ein gleich hohes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten, wie Patienten, die ohne Betablocker auskamen. Sogar Patienten mit einem durchlittenen Herzinfarkt seien durch die Betablocker nicht vor einem Zweitinfarkt geschützt, so die Wissenschaftler von der Universität New York School of Medicine. Die Forscher verfolgten 44.708 Patienten mit Herzproblemen für die Dauer von 3 Jahren.

Dies ist der 2. Niederschlag für die Betablocker in der jüngsten Vergangenheit. Im Jahr 2009 wurde mitgeteilt, dass Betablocker bei der Blutdrucksenkung weniger wirksam sind (wenn überhaupt), als lange Zeit angenommen. Und dass, obwohl sie seit Jahrzehnten in Deutschland als Mittel der ersten Wahl bei der Behandlung von Bluthochdruck (Hypertonie) gelten. Verteidiger der Substanzklasse dagegen argumentieren, dass die Substanz möglicherweise nicht so effektiv sei, dafür aber vollkommen harmlos. Sie habe nur wenige Nebenwirkungen, außer dass sie Schwindel bewirke.

Welchen Sinn macht es aber, eine schwindelerregende und wirkungslose Substanz einzunehmen, wo es gilt, eine nicht unproblematische Erkrankung zu behandeln? Außerdem liegen auch hier die „Experten“ wieder einmal vollkommen daneben. Es gibt inzwischen Arbeiten, die zeigen konnten, dass Betablocker in der Langzeitgabe das Risiko für die Entstehung von Diabetes Typ-2 um 30 Prozent erhöhen. Und dann sind da noch die Potenzprobleme die mir Patienten berichten, Müdigkeit und noch ein paar unerfreuliche Dinge mehr…

(Quelle: Journal of the American Medical Association, 2012; 308: 1340-9)

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René Gräber - Heilpraktiker & Sportpädagoge mit eigener Praxis. Sie finden mich unter anderem auch auf Google+, facebook, Xing oder Twitter. Ich schreibe und berichte regelmäßig zu den Themen Medizin, Fitness und Gesundheit. Wenn Sie dies interessiert, dürfen Sie gerne (siehe Box hier unten), meinen persönlichen Gesundheits-Newsletter anfordern. In den ersten 5 Teilen berichte ich über meine "5 Lieblings-Wundermittel".

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4 Kommentare
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  1. Bitte geben Sie mir eine Antwort: Ich habe mehrmals nachts eine Hypertonie gehabt – mit Krankenhausaufenthalt und dort Betablocker bekommen. Blutdruck 230/170/ Puls weiß ich nicht mehr. Nun habe ich eher ganz niedrigen Blutdruck und möchte die Betablocker nicht mehr nehmen. Mein Arzt macht mir aber Angst vor Schlaganfall oder Herzinfarkt. Beim Kardiologen wurde nichts besonderes festgestellt. Was kann ich machen?-Vielen Dank für Ihre Antwort
    Barbara P.

  2. Liebe Frau Petermeier,
    aus der Ferne einen Rat zu geben ist wirklich schwierig. In zahlreichen Artikeln gebe ich Hinweise, was man in Betracht ziehen könnte. Aber für den konkreten Fall rate ich immer einen Therapeuten vor Ort zu suchen. Wie man jemand findet beschreibe ich unter anderem hier: http://renegraeber.de/Fragen.html

  3. […] darf weiterhin behaupten, dass ihre Produkte einen riesigen Nutzen haben, auch wenn man den 100. Betablocker aus dem Hut zaubert. Und man darf ihn dann so teuer wie nur möglich verscherbeln, da er ja diesen […]

  4. Das mag ja alles sein ….. aber gegen übermäßiges, zerstörerisches Lampenfieber sind sie unumgänglich!

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