Igitt, Schweinefleisch – oder wieso man nicht alles essen mag

8. Juni 2012 | Von | Kategorie: Ernährung

Wenn Kinder nicht essen wollen, da es ihnen angeblich nicht schmeckt, dann kommen häufig erzieherische Mahnungen wie „iss deinen Teller auf“ (gemeint ist eigentlich der Inhalt und nicht der Teller selbst) oder „stell dich nicht so an“. Die Eltern gehen mit gutem Beispiel voran und genießen ihren Mittagstisch, während sich der Nachwuchs schon halb-grün vor Ekel windet. Dass die Eltern ihren Kindern unter Umständen über die Nötigung zum Essen eine gehörige Portion Folter aufbürden, kommt jetzt so langsam ans Tageslicht. Denn es sind nicht selten genetische Konstellationen, die die Geschmacksempfindlichkeit des Einzelnen determinieren.

Dies wurde unlängst in einer Studie nachgewiesen, die der Frage nachging, warum es Menschen gibt, die den Geruch von Schweinefleisch kaum ertragen können und damit auch dessen Verzehr für sie nicht in Frage kommt. Der Forscher Hiroaki Matsunami und seine Kollegen von der Duke Universität in Durham, North Carolina, USA stellten dabei fest, dass 39 Prozent der Norweger empfindlich auf Androstenon reagieren. Androstenon ist ein Metabolit (Abbauprodukt) von Testosteron, dass z.B. beim Eber als Pheromon (Sexualduftstoff) dient.
Grund für die Duftempfindlichkeit sind genetisch kontrollierte Duftrezeptoren (ORs), deren menschliche Variante, der OR7D4, auf genau dieses Androstenon anspricht. Da die Empfindlichkeit für den Geruch von einem Allel, also zwei Genen – eins von der Mutter und eins vom Vater – gesteuert zu werden scheint, kann es zu unterschiedlichen Konstellationen in einer Familie kommen. So sind Individuen mit 2 aktiven Genen (OR7D4 RT) deutlich empfindlicher als jene, bei denen ein oder sogar zwei nicht aktive Varianten (OR7D4 WM) vorliegen. Die „RT-Typen“ werden also einen großen Bogen ums Schweinefleisch machen wollen, während die WM/RT und WM-Typen keine oder kaum Geschmacks- und Geruchsprobleme beklagen können.

Ob es sich hier um einen dominanten oder rezessiven Vererbungsgang handelt, ist noch nicht klar, da es auch Individuen zu gegeben scheint, die als WM-Typen dennoch eine gesteigerte Empfindlichkeit gegenüber dem Androstenon-Geruch besitzen. Dies erklärt, warum nicht ca. 25 Prozent der untersuchten Norweger empfindlich sind, sondern 39 Prozent.

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René Gräber - Heilpraktiker & Sportpädagoge mit eigener Praxis. Sie finden mich unter anderem auch auf Google+, facebook, Xing oder Twitter. Ich schreibe und berichte regelmäßig zu den Themen Medizin, Fitness und Gesundheit. Wenn Sie dies interessiert, dürfen Sie gerne (siehe Box hier unten), meinen persönlichen Gesundheits-Newsletter anfordern. In den ersten 5 Teilen berichte ich über meine "5 Lieblings-Wundermittel".

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2 Kommentare
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  1. Nun kommt man der Frage näher warum meine Tochter kein Schweinefleisch veträgt .Seit Jah
    ren bekommt sie dicke eiternde Furunkel.Diese vielfach nicht von alleine aufgehen und geschnitten werden müssen,
    Aber überall wird Schwein beigemischt(z.B. Geflügelwurst …..
    Keiner ist für diese Misstände zuständig,der Verbraucher wird immer mehr in die irre geführt.
    Was ist nicht verunreint,was darf man noch sich trauen zu essen?

  2. […] Igitt, Schweinefleisch – oder wieso man nicht alles essen mag […]

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