Medikamente für ältere Patienten: Mehr Schaden als Nutzen?

9. Dezember 2015 | Von | Kategorie: Medikamente

Ältere Patienten brauchen meistens geringere Dosen ihrer Medikamente als in früheren Jahren. Der schwächer werdende Körper reagiert sensibler und die Pharmaka wirken stärker. So können beabsichtigte Wirkungen in späten Jahren zum Risiko werden.

Bekannte Beispiele dafür sind Antihypertonika (blutdrucksenkende Mittel) und blutzuckersenkende Präparate. Menschen über 70, die Antihypertonika einnehmen, leiden oft unter einem viel zu niedrigen Blutdruck und wundern sich, dass sie den ganzen Tag müde sind! Ein zu geringer Glukose-Wert ist bei älteren Diabetikern oft die Folge einer entsprechenden Medikation. Eine Hypoglykämie ist akut lebensgefährlich, aber auch ein Blutdruckabfall kann bedenkliche Folgen haben.

In einer groß angelegten Studie untersuchten Mediziner in den USA die Blutdruckwerte und Blutzuckerwerte älterer Patienten, die irgendwann mit entsprechenden Medikamenten eingestellt worden waren. Die Hauptfragestellung war dabei, ob die Hausärzte die Medikamenten-Dosis herabsetzten, wenn die physiologischen Werte es erforderten?

Die Ergebnisse sind relativ erschreckend: Bei zu niedrigem Blutdruck reduzierten die Hausärzte die Blutdrucksenker bei weniger als 20 % aller Patienten. Nur bei 0,5 % der Langzeit-Patienten kontrollierten sie den Blutdruck.

Ähnliche Ergebnisse zeigt die Studie bei Senioren mit Diabetes. Bei nur knapp 30 % der Patienten mit Hypoglykämie wurde die Medikation angepasst. Eine regelmäßige Überprüfung des Langzeit-Glukose-Wertes (HbA1c) veranlassten die Hausärzte in weniger als 1 % der Fälle. Und genau diesen Blutzuckerwert halte ich Diabetes-Patienten eigentlich für unverzichtbar!

Angesichts solcher Zahlen fallen mir „nur“ ein paar alte Beiträge von mir ein: Ärztestreik = weniger Tote. Sehr makaber, aber wen wundert´s? Oder auch: Vorsicht Arzt! Von falschen Diagnosen und merkwürdigen Behandlungen… Oder: 40 Prozent der Rezepte für ältere Patienten sind fehlerhaft. Ach… es ist kaum zum aushalten.

Übrigens: Federführender Wissenschaftler der oben angeführten Studie ist Dr. Jeremy B. Sussman vom Department of Veterans Affairs Center for Clinical Management Research in Ann Arbor, Michigan. Die Ergebnisse veröffentlichte Sussman und sein Team im Oktober 2015 im Journal of the American Medical Association (JAMA).

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René Gräber - Heilpraktiker & Sportpädagoge mit eigener Praxis. Sie finden mich unter anderem auch auf Google+, facebook, Xing oder Twitter. Ich schreibe und berichte regelmäßig zu den Themen Medizin, Fitness und Gesundheit. Wenn Sie dies interessiert, dürfen Sie gerne (siehe Box hier unten), meinen persönlichen Gesundheits-Newsletter anfordern. In den ersten 5 Teilen berichte ich über meine "5 Lieblings-Wundermittel".

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4 Kommentare
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  1. Vielen Dank für diesen Artikel! Ich kümmere mich seit über 20 Jahren um die Gesundheit meines 87-jährigen Vaters(Diabetes, Schlaganfälle, Übergewicht, Bluthochdruck…)
    Wir haben vor Jahren zusammen entschieden, dass seine Medikamente auf das absolut Notwendigste reduziert werden, nachdem ich festgestellt habe, dass der Urologe zwei Medikamente verschrieben hat, die sich gegenseitig in ihrer Wirkung aufheben. Seither und durch weitere ähnliche Erfahrungen betrachte ich die Schulmedizin äusserst kritisch und es wird so weit es geht erstmal mit Natur probiert. Das Umfeld und die Ärzte haben verständnislos reagiert, aber ich bin überzeugt, dass wir es auch diesem Umstand verdanken, dass es ihm altersgemäss verhältnismässig gutgeht.

  2. Die Tatsache kann ich bestätigen. Mein Mann ist überdosiert worden und in der Akutgeriatrie wurde noch mehr verabreicht, mit dem Fazit, dass er ein Pflegefall Stufe III in vollstationärer Pflege geworden ist. Auslöser war ein harmloser Infekt,behandelt mit viel zu viel Medikamenten.

  3. Sehr geehrter Herr Gräber
    mit großem Interesse lese ich schon lange Ihre Beiträge und freue mich jedes mal darüber, da sie meine Lebensweise bestätigen. Ich bin 65 Jahre alt, habe keinen Hausarzt, und nehme seit Jahren keine Medikamente. Deshalb bin ich relativ gesund – bis auf eine aktuell vorhandene Stechwarze am Fußballen. Ich schätze ihre Arbeit sehr.
    Herzliche Grüsse
    Rudolf Sailer

  4. Sehr geehrter Herr Gräber,
    bin eifriger Leser Ihrer interessanten und aufschlussreichen Artikel. Sicher bin ich auf dieser Kommentarseite nicht richtig, aber wie es auch sein soll. Meine Gattin Frau DDR.Efigenia Barrientos, gibt seit fast 40 Jahren Seminare über alternative Heilkunde in Österreich, früher in Deutschland und in der Schweiz, und ist durch ihre Abstammung (aus Paraguay) und einer hundertjährigen Schamanischen Familientradition, eine entschiedene Gegnerin der Impfpflicht, mit begründeten Argumenten. Leider ist sie im Augenblick mit einem unerkannten Herzinfarkt im hiesigen Canarischen Hospital. Sicher wird Sie mit Ihnen Kontakt aufnehmen, sobald sie dazu in der Lage ist.
    Ich grüsse Sie herzlichst, und machen Sie weiter.
    Ihr L.W.Pollmann

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