Schlaftabletten wirken nur wenn man fest daran glaubt

10. April 2017 | Von | Kategorie: Medikamente

Millionen Menschen greifen zur Schlaftablette, wenn es mit dem Ein- und Durchschlafen
nicht so richtig klappen will. Aber schlafen sie wirklich deshalb besser, weil die Tablette so
wirksam ist? Oder handelt es sich hier nur um einen mehr oder weniger ausgeprägten
Scheineffekt, weil man nur glaubt, dass die Tablette wirkt? Mit anderen Worten: Die
Wirksamkeit der Schlaftablette beruht nur auf einer Art Einbildung. Die Nebenwirkungen des
Medikaments dagegen haben dann mit der Einbildung nichts mehr zu tun.
Die sogenannten „Z-Substanzen“ sind eine Klasse von modernen Schlafmitteln, die auch als
„Nicht-Benzodiazepin-Antagonisten“ bezeichnet werden. Sie gelten als Mittel der ersten
Wahl bei Schlafstörungen. Zolpidem, Zopiclon und Zaleplon zählen zu diesen Substanzen.
Z-Substanzen wirken, laut Herstellerangaben, schlafanstoßend und bis zu einem gewissen
Grad auch anxiolytisch (angstlösend), antikonvulsiv (krampfhemmend) und
muskelrelaxierend (muskelentspannend). Das Abhängigkeitspotential entspricht dem von
Benzodiazepinen.

Jetzt kommt die Kunde aus der Wissenschaft, dass diese am meisten verschriebenen
Substanzen kaum besser als Plazebo wirken (ein Stück Zucker auf der Fensterbank ist
genauso wirksam). Obwohl der erwünschte Nutzen nur in der Einbildung zu liegen scheint,
tauchen bei rund 20 Prozent der Konsumenten Nebenwirkungen auf. Etwa 1 Prozent der
älteren Patienten zeigt eine erhöhte Tendenz zu Fällen, die dann in Knochenbrüchen
resultieren oder verursacht Verkehrsunfälle.
Grundlage dieser Erkenntnis war eine Meta-Analyse, bei der 13 klinische Studien neu
ausgewertet worden waren, die insgesamt 4378 Patienten umfassten. Die Forscher der
Harvard Medical School konstatierten, dass die Patienten zwar schneller zum Schlafen
kamen, wenn sie eine der genannten Z-Medikamente nahmen, aber die Patienten, die nur
Plazebo nahmen, schliefen genauso schnell ein.

Quelle:
Huedo-Medina et al.
Department of Allied Health Sciences, University of Connecticut, 358 Mansfield Road U-
2101, Storrs, CT 06269-2101, USA.
„Effectiveness of non-benzodiazepine hypnotics in treatment of adult insomnia: metaanalysis
of data submitted to the Food und Drug Administration.“
BMJ. 2012 Dec 17;345:e8343. Doi: 10.1136/bmj.e8343.
http://www.bmj.com/content/345/bmj.e8343

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S.K.

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