Chlorid Blutwert - Verständlich Erklärt

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Mineralstoffe sind essentiell für den menschlichen Organismus. Sie werden in Kationen (positiv geladene Ionen) und Anionen (negativ geladenen Ionen) unterteilt und spielen eine wesentliche Rolle bei vielen Stoffwechselprozessen und Regelkreisläufen im Körper. Chlorid zählt zu der Gruppe der Anionen. Sowohl in der Natur als auch in Lebewesen findet es sich ausschließlich in gebundener Form. Die bekannteste Verbindung ist dabei Natriumchlorid (Kochsalz), ein aus negativ und positiv geladenen Ionen zusammengesetztes Salz (Elektrolyt).

Chlorid ist sehr wertvoll für den menschlichen Organismus. Es liegt, gemeinsam mit seinem Bindungspartner Natrium, vor allem außerhalb der Körperzellen (in den Zellzwischenräumen) und dient dort unter anderem mittels spezieller biochemischer und physikalischer Prozesse der Erregungsleitung von Nervenimpulsen. Zusätzlich unterstützt Chlorid die Wasserverteilung in den Zellen bzw. Körperräumen und ist mit an der Aufrechterhaltung des Säure-Basen-Haushaltes sowie der Gewebespannung beteiligt.

Bedingt durch seine hohe Affinität zu Natrium und auch bedingt durch die Tatsache, dass Chlorid isoliert keine Funktionalität besitzt, können Störungen in bestimmten Stoffwechselprozessen in der Regel auf eine Veränderung der Konzentrationen sowohl von Chlorid als auch Natrium zurückgeführt werden.

Der tägliche Bedarf an Chlorid ist vor allem abhängig vom Lebensalter. Die Zufuhr geschieht hauptsächlich über die Nahrung (durch Aufnahme von Kochsalz). Während sich in europäischen und westlichen Regionen zum Teil eine Überdosierung an Natriumchlorid in menschlichen Organismen vorfinden lässt, kommt es unterb anderem in Entwicklungsländern eher zu einem Mangel an bestimmten Mineralstoffen. Pauschalisieren lässt sich diese Erkenntnis nicht, sie ist hauptsächlich zurückzuführen auf die unterschiedlichen Esskulturen bzw. Mangelernährung.

In Europa raten Wissenschaftler zu einer eher gemäßigten Aufnahme von Natriumchlorid, da viele Lebensmittel bereits verschiedene Mineralstoffe beinhalten, die dem täglichen Bedarf hinzugerechnet werden müssen. Ein Gramm Kochsalz setzt sich aus 0,6 Gramm Chlorid und 0,4 Gramm Natrium zusammen. Dies ist wichtig für die Berechnung des täglichen Bedarfs. Säuglingen und Kleinstkindern wird eine tägliche Zufuhr von um die 270 mg empfohlen. Für Kinder bis zum zehnten Lebensjahr liegt der Tagesbedarf bei bis zu 690 mg, bis zum 15. Lebensjahr bei ca. 830 mg. Erwachsene sollten täglich mindestens 830 mg an Chloriden zu sich nehmen, um alle Stoffwechselprozesse optimal in Gang halten zu können. Als absolute Höchstdosis gilt hier eine Menge von 3,6 Gramm Chlorid pro Tag, was in der gebundenen Form mit Natrium einer maximalen Zufuhr von sechs Gramm Natriumchlorid entspricht.

Die Einhaltung der empfohlenen Mengen ist besonders für die Menschen von besonderem Interesse, die an speziellen Organstörungen leiden. Hierzu zählen vor allem Menschen mit Nieren- oder Herzerkrankungen, da eine Überdosierung an zum Beispiel Natriumchlorid die Funktionalität dieser Organe deutlich beeinflussen kann (zum Beispiel verminderte Nierenfunktion, Bluthochdruck). Jedoch gestaltet sich dies nicht immer ganz einfach, da viele Lebensmittel (versteckte) Salze beinhalten. Hierzu zählen vor allem industriell hergestellte Produkte. Der Hauptanteil an Salzen wird vor allem durch Backwaren Brot, Fleisch, Käse und Wurst aufgenommen. Daneben findet sich auch viel Natriumchlorid in eingelegten Lebensmitteln (zum Beispiel gepökeltes Fleisch, Fischkonserven), Konserven (vorgekochtes Gemüse, Fertiggerichte) sowie verschiedenen Süßigkeiten (Nüsse, Schokolade).

Der Anteil an den verschiedenen Mineralstoffen im Blutserum kann in bestimmten Fällen Aufschluss geben über Erkrankungen oder Störungen des Organismus. Daher werden diese in der Regel bei Blutuntersuchungen mit ausgewertet. Als Referenzwert für Erwachsene gelten 95 – 105 mmol/l (Mol = Basiseinheit einer Stoffmenge) Blutserum, für Kinder liegt dieser Wert zwischen 95 und 112 mmol/l.

Bestimmte Störungen und Erkrankungen können einhergehen mit einer Erniedrigung des Chlorid-Gehaltes im Blut. Hierzu zählen langanhaltendes Erbrechen (wobei auch andere Mineralstoffe verloren gehen) und spezielle Stoffwechselerkrankungen (zum Beispiel Hyperaldosteronismus, Morbus Cushing). Durch übermäßiges Schwitzen wird Chlorid vermehrt über die Schweißdrüsen ausgeschieden. Bestimmte Präparate, die der Entwässerung dienen, können als negativen Nebeneffekt die erhöhte Ausscheidung von Chlorid besitzen. Und auch verschiedene Hormonpräparate stimulieren unter anderem die Ausscheidung, wodurch der Chloridspiegel ebenfalls absinkt.

Generell ist ein zu niedriger Chloridgehalt nicht lebensbedrohlich. Jedoch kann der Mangel an diesem Mineralstoff dazu führen, dass bestimmte Funktionen des Körpers verlangsamt sind, Stoffwechselprozesse nicht in gewohntem Umfang ablaufen. Ein zu niedriger Chloridspiegel im Blut kann sich unter Umständen durch ein erhöhtes Durstgefühl, Schwindel, Kopfschmerzen, Benommenheit, Wasseransammlungen in Körperregionen, Muskelkrämpfe oder auch einem Kollaps bemerkbar machen.

Eine Erhöhung des Chlorids im Blutserum (Hyperchlorämie) über den Referenzbereich kann unter anderem auf ein Nierenleiden (Nierenversagen) deuten. Auch anhaltende Durchfälle (mit Verlust von Bikarbonat) können den Wert deutlich erhöhen. Dies ist auf eine Störung des Säure-Basen-Haushaltes zurückzuführen (Übersäuerung). Weitere Ursachen können die Einnahme von speziellen Medikamenten (zum Beispiel Carboanhydrasehemmer) oder auch die Hyperventilation (anormal gesteigerte Atmung, wodurch das Blut alkalisch wird) sein.

Die Symptomatik bei einem erhöhten Chloridgehalt ähnelt sehr der bei einem Mangel. Auch hier kann es zu einem gesteigerten Durstgefühl kommen. Daneben sind unter anderem die Muskelaktivität oder auch die Hautspannung unter Umständem vermindert.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 30.07.2015 aktualisiert