Kalzium Blutwert - Verständlich Erklärt

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Zusammen mit den Mineralstoffen Natrium und Kalium spielt auch Kalzium eine wesentliche Rolle im menschlichen Organismus. Der Hauptanteil von Kalzium (über 99 Prozent) findet sich in den Knochen und Zähnen, wo es der Stabilität dient, der übrige Anteil in den Körperflüssigkeiten. Das im Blut befindliche Kalzium liegt zu 50 Prozent in freier Form vor. Über 40 Prozent sind an Proteine (Eiweiße, hauptsächlich Albumin) gebunden, der Rest bildet Verbindungen mit organischen Säuren.

Neben der Hauptaufgabe in Knochen und Zähnen spielt Kalzium eine wesentliche Rolle bei der Blutgerinnung. Zudem reguliert es verschiedene Prozesse innerhalb und außerhalb der Zellen, so zum Beispiel die Kontraktion von Muskelfasern über die Erregung von Nervenzellen (elektromechanische Kopplung), die Sekretion von Hormonen sowie die Unterstützung von Lungen-, Herz- und Nierenfunktion. Kalzium besitzt antiallergische und antiinflammatorische Wirkungen und schützt die Zellwände vor dem Eindringen oder Austreten von Flüssigkeit.

Im menschlichen Körper finden sich viele Kontrollstellen, die unter anderem der Aufrechterhaltung des Kalziumspiegels dienen. Die Aufnahme erfolgt über die Nahrung. Im Dünndarm kommt es unter Einfluss von Vitamin D3 zur Resorption, in Knochen und Zähnen zu einer Speicherung (bei Bedarf kann Kalzium aus den Knochen ins Blut abgegeben werden). Nicht benötigtes Kalzium wird über die Nieren ausgeschieden. Mithilfe des Parathormons kann die Kalziumresorption bei Bedarf gesteigert werden (durch Freisetzung aus den Knochenspeichern), Gegenspieler dazu ist Calcitonin, welches den Spiegel wieder absenkt.

Der tägliche Kalziumbedarf wächst mit zunehmendem Alter. Vor allem in der Wachstumsphase, während einer Schwangerschaft sowie postmenopausal ist der Bedarf deutlich erhöht. Bereits Säuglinge benötigen rund 220 mg täglich. Bis zur Volljährigkeit steigt dieser Wert auf ca. 1.200 mg pro Tag an. Ab dem 18. Lebensjahr wird eine Tagesdosis von um die 1.000 mg empfohlen. Gut die Hälfte der Menschen in zivilisierten Regionen ist in der Lage, den täglichen Bedarf über eine ausgewogene Ernährung zu decken. Um den altersbedingten Abbau von Knochensubstanz (Demineralisierung, Entkalkung) in späteren Jahren vermindern zu können, ist es vor allem in den Jahren der Entwicklung von Vorteil, einen hohen Kalziumspiegel bzw. Kalziumspeicher in den Knochen aufzubauen. Im Durchschnitt besitzt ein ausgewachsener Mensch zwischen einem und anderthalb Kilo Kalzium in seinem Körper.

Viele Lebensmittel weisen einen hohen Kalziumspiegel auf. Hierzu zählen vor allem Käse, Milch sowie Milchprodukte. Weniger bekannt ist, dass auch pflanzliche Produkte (zum Beispiel Hülsenfrüchte, Grünkohl) der Kalziumzufuhr dienen können. Jedoch ist der Gehalt an Mineralstoffen deutlich geringer. Auch einige Mineralwasser sind mit einem erhöhten Kalziumgehalt versehen.

Die Ermittlung des Kalziumwertes erfolgt sowohl im Blutserum als im Urin. Der Referenzbereich für Neugeborene liegt zwischen 1,7 und 2,7 mmol/l (Mol = Basiseinheit für eine Stoffmenge). Bei Erwachsenen liegt dieser zwischen 2,1 und 2,6 mmol/l. Die Blutentnahme sollte immer im Sitzen erfolgen, da im Liegen die Werte absinken können.

Die vielfältigen Aufgaben machen Kalzium so bedeutungsvoll für den Organismus. Daher ist ein ausgewogener, konstanter Spiegel von besonderer Wichtigkeit. Bereits kleine Abweichungen nach oben oder nach unten können weitreichende Folgen haben.

Bei Werten unterhalb von 2,3 mmol/l spricht man von einer Hypokalzämie (Kalziummangel). Ursachen hierfür können u.a. eine zu geringe Zufuhr, Schwangerschaft, der Alkoholabusus (mit Leberzirrhose), eine Störung der Kalziumresorption und der Speicherung, ein Vitamin-D-Mangel, die Niereninsuffizienz, die Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion), die Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), entzündliche Darmerkrankungen oder der Hypoparathyreoidismus (Unterfunktion der Nebenschilddrüse) sein. Einige Medikamente (spezielle Diuretika, Antiepileptika) sowie der übermäßige Genuss von Kaffee können den Kalziumwert ebenfalls deutlich absenken.

Ein über einen längeren Zeitraum andauernder Mangel kann zu Schäden im Organismus führen. Es kommt zu einer Entkalkung von Zähnen und Knochen, die hierdurch ihre Stabilität verlieren. Folgen können Zahnverlust, ein erhöhtes Risiko für Frakturen sowie Knochenverformungen sein. Zusätzlich treten unter anderem Missempfindungen auf der Haut, Muskelkrämpfe und eine gesteigerte Erregbarkeit von Nervenfasern in Erscheinung. In diesen Fällen ist der ärztliche Rat unerlässlich. Zum Teil werden hierbei hochdosierte Kalziumpräparate verordnet, die einer regelmäßigen Kontrolle (durch Laborauswertungen) bedürfen.

Auch zu hohe Kalziumwerte (Hyperkalzämie, Werte oberhalb von 2,6 mmol/l) können sich deutlich auf den Organismus auswirken. Ursachen können eine Überdosierung von Vitamin A oder Vitamin D, ein starker Flüssigkeitsverlust (zum Beispiel durch Erbrechen), ein Hyperparathyreoidismus (Überfunktion der Nebenschilddrüse), Nierenerkrankungen, Tumoren (zum Beispiel von Lunge oder Brust), Morbus Addison (Unterfunktion der Nebennieren) sowie spezielle Medikamente (unter anderem Östrogene) sein. Ein zu hoher Kalziumspiegel begünstigt zudem die Entstehung von Magenulzera (Magengeschwüren), einer Pankreatitis, einer Osteopathie (Veränderung der Knochenstruktur) oder einer Nephrolithiasis (Nierensteinen).

Durch das übermäßige Angebot an Kalzium kommt es unter anderem zu Müdigkeitserscheinungen, einem Leistungsabfall, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfungen, Empfindungsstörungen (Parästhesien), Taubheitsgefühl, Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen.

Bei Werten oberhalb von 3,5 mmol/l ist das Leben der betroffenen Person akut gefährdet. Das Überangebot an Kalzium verursacht hohes Fieber, starken Harndrang, ein übermäßig gesteigertes Durstgefühl, Übelkeit sowie Erbrechen mit deutlichem Flüssigkeitsverlust. Im Verlauf trübt die Person ein, unter Umständen beginnt sie zu halluzinieren und kann auch das Bewusstsein verlieren (Koma).

Je nach Ursache erfolgt die Behandlung der Hyperkalzämie. Diese kann zum Beispiel die operative Entfernung von Tumoren beinhalten. Kommt es zu lebensbedrohlichen Blutwerten ist unter Umständen die Dialyse („Blutwäsche“) Mittel der Wahl, um so rasch wie möglich den Kalziumspiegel normalisieren zu können.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 30.07.2015 aktualisiert