LDH-Werte – Die Laktatdehydrogenase - Verständlich Erklärt

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Laktatdehydrogenase (LDH) ist ein Enzym, welches überall im menschlichen Organismus zu finden ist.

Die Bestimmung des LDH-Wertes im Blutserum dient in der Medizin als Anhaltspunkt bei Organstörungen bzw. als (unspezifischer) Nachweis verschiedener Erkrankungen.

LDH katalysiert die Oxidation von Laktat zu Pyruvat, dies ist der letzte Schritt der anaeroben Glykolyse (schrittweiser Abbau von Glukose zu ATP, welches der Energiezufuhr dient, und Laktat). Das Enzym ist im gesamten menschlichen Körper nachweisbar. Besonders hohe Konzentrationen finden sich in der Muskulatur von Herz und Skelett sowie in der Leber, den Nieren, der Milz, den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und den Blutplättchen (Thrombozyten).

Das Enzym liegt in fünf verschiedenen Formen vor (= Isoenzyme), die alle die gleiche Funktion besitzen, sich aber in ihren physikalischen (unter anderem Gewicht) und katalytischen Eigenschaften unterscheiden. LDH1 und LDH2 finden sich in den Herzmuskelzellen, den Erythrozyten und den Nieren. LDH3 liegt in Lunge, Milz und Thrombozyten vor. LDH4 und LDH5 sind typisch für Skelettmuskelzellen und die Leber.

Die Katalyse von Laktat zu Pyruvat geschieht immer dann, wenn das Sauerstoffangebot in der betreffenden Region gering ist. Dies ist zum Beispiel der Fall bei einer Kontraktion von Muskelzellen.

Eine erhöhte Serumkonzentration von LDH ist ein Indiz für einen Zelluntergang (Hämolyse). Als spezifischer Nachweis kann das Enzym jedoch nicht verwendet werden, LDH besitzt daher nur einen orientierenden Charakter.

Der Referenzbereich liegt, geschlechts- und altersunabhängig, zwischen 135 und 215 U/l (Units pro Liter Blut). Die Bestimmung des LDH-Wertes erfolgt immer dann, wenn der Verdacht einer bösartigen Erkrankung (zum Beispiel Tumoren) oder ein vor kurzer Zeit durchlaufener Herzinfarkt vorliegen. Der Wert dient daneben dem unspezifischen Nachweis einer Anämie, einer Lungenembolie oder einer Skelettmuskelerkrankung.

Ein zu niedriger LDH-Wert ist sehr selten und besitzt keine medizinische Relevanz. Jedoch wirkt sich ein zu geringer Spiegel auf die Umwandlung von Zuckermolekülen in Energie (ATP) aus. Ursache für den verminderten Wert sind in der Regel Genmutationen. Die betroffenen Personen leiden zum Teil, vor allem bedingt durch das geringere Energieangebot, vermehrt an Müdigkeit oder auch Muskelschmerzen. Eine weitere Möglichkeit ist der übermäßige Verzehr von Ascorbinsäure (Vitamin C), welcher sich negativ auf die Enzymaktivität auswirken kann.

Ein erhöhter LDH-Wert ist weitaus häufiger anzutreffen. Die Konzentration steigt unter anderem bei starken Kreislaufstörungen, niedrigem Blutdruck, Herzinfarkt, Myokarditis (Herzmuskelentzündung), Alkohol- oder Drogenmissbrauch, Lungenembolie, Lebererkrankungen (zum Beispiel Hepatitis), Gallenerkrankungen, Schlaganfall, Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), hämolytischer Anämie, bestimmten Tumoren, Muskelverletzungen, Autoimmunerkrankungen sowie bei Vitamin-B12-Mangel. Auch die andauernde Muskelbeanspruchung kann zu einer deutlichen Erhöhung des LDH-Spiegels führen, ebenso wie die Einnahme bestimmter Medikamente (zum Beispiel Aspirin, Mithramycin).

Der Enzym-Parameter kann, isoliert betrachtet, keinen genauen Aufschluss über die betroffene Körperregion liefern. Detailliertere Erkenntnisse lassen sich jedoch durch Unterscheidung in die fünf Isoenzyme gewinnen. Ist der Spiegel aller fünf Isoenzyme erhöht, kann dies zum Beispiel ein Anzeichen für ein mögliches Multiorganversagen sein.

Auch nach einem Herzinfarkt steigt der Gesamt-LDH-Spiegel deutlich an. Zusätzlich werden LDH1 und LDH2 betrachtet, wobei LDH1 im Verhältnis zu LDH2 wesentlich höhere Werte aufweist. Der Anstieg an LDH nach durchlaufenem Herzinfarkt ist bis zu 72 Stunden danach (zum Teil auch länger) noch sehr gut nachweisbar. Im weiteren Verlauf (ca. zwei Wochen) normalisiert sich dieser Wert wieder.

Eine Erhöhung von LDH4 oder LDH5 kann Hinweis geben auf eine Störung im Bereich der Leber.

Da das Enzym keine spezifischen Aussagen zulässt folgen bei Verdacht immer weiterführende Untersuchungen, die der genauen Lokalisation der Organstörung und der daraus resultierenden Therapie dienen.

Auch hier kommt LDH in bestimmten Fällen zum Einsatz. Das Enzym dient zum Beispiel der Verlaufskontrolle bestimmter (bösartiger) Erkrankungen, wie unter anderem dem Non-Hodgkin-Lymphom (bösartiger Tumor des lymphatischen Systems).

weitere Themen: Bilirubin - Blutdruckwerte - Nierenwerte - Urinuntersuchung

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 30.07.2015 aktualisiert