pTT - Die partielle Thromboplastinzeit

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Neben dem Quick-Wert und der INR (International normalized ratio) wird auch immer die pTT (partielle Thromboplastinzeit) im Blut bestimmt, um feststellen zu können, wie gut oder schlecht das körpereigene Gerinnungssystem funktioniert.

Während Quick und INR Aussagen über das extrinsische (exogene) Gerinnungssystem liefern, steht die pTT für das intrinsische (endogene) System. In den letzten Jahren ist der Begriff der apTT (aktivierte partielle Thromboplastinzeit) hinzugekommen, die streng genommen nicht gleichgesetzt werden darf mit der pTT und diesen Begriff auch langsam ablöst. Die pTT ist vor allem dann von Interesse, wenn die Blutungszeit nach Verletzung anormal verlängert ist.

Verschiedene Faktoren können die Gerinnung im menschlichen Organismus beeinflussen. Neben angeborenen Genmutationen sind es vor allem Erkrankungen der Leber, die dafür sorgen, dass die physiologische Gerinnung gestört ist. Nach Herzinfarkt, tiefen Beinvenenthrombosen oder nach Herzklappenersatz werden orale Antikoagulantien (Cumarine, Heparin) verabreicht, Medikamente die dafür sorgen, dass das Blut flüssig bleibt, gut zirkuliert. Jeder operative Eingriff aktiviert das Gerinnungssystem. Auch hier ist es deutlich von Vorteil zu wissen, wie rasch dieses reagiert, um unter anderem einen möglichen Blutverlust so gering wie möglich halten zu können. Daneben wird die pTT bestimmt bei Hämophilie-Patienten („Bluterkrankheit“) unter Substitutionstherapie oder bei Verdacht einer hämorrhagischen Diathese (Erkrankungszustände, die einhergehen mit einer erhöhten Blutungsneigung).

Die pTT beschreibt vor allem die Reaktionsfähigkeit der Gerinnungsfaktoren V, VIII, IX, X, XI und XII. In geringem Maße gibt sie auch Aufschluss über Fibrinogen und das HMW-Kininogen, weitere, an der Gerinnung beteiligte Faktoren.

Für die Auswertung wird frisches Blutplasma benötigt, welches mit Citrat angereichert ist. Je nach zugeführter Menge verzögert sich das Einsetzen der Gerinnung bis zum Zeitpunkt der Auswertung. Im Labor wird dem Plasma eine dem Citrat äquivalente Menge an Kalzium zugegeben, wodurch die Gerinnung aktiviert wird. Dieser Zeitpunkt wird festgehalten und bis zum Einsatz der Gerinnung gemessen. Der ermittelte Wert variiert von Labor zu Labor, ist somit nicht einheitlich gültig. Als Referenzbereich hat man sich auf eine Gerinnungszeit zwischen 28 und 40 Sekunden geeinigt. Bei Säuglingen bis zum sechsten Monat kann diese Zeit länger sein, was durchaus als physiologisch betrachtet werden darf. Mit dem Begriff apTT wird seit einiger Zeit die Tatsache gekennzeichnet, dass die Gerinnung im Labor über einen Kontaktaktivator (zum Beispiel Kaolin, oberflächenaktive Substanz) ausgelöst wird.

Eine verkürzte pTT ist eher selten, so zum Beispiel bei einer Hyperkoagulabilität (pathologisch erhöhte Blutgerinnung mit Neigung zu Thrombenbildung). Auch in der Schwangerschaft, durch Einnahme der Pille sowie nach Operationen kann die Zeit verkürzt sein.

Häufiger wird eine verlängerte pTT diagnostiziert. Diese kann auf einen Mangel an bestimmten Gerinnungsfaktoren (z.B. von-Willebrand-Faktor oder Faktor IX) hindeuten. Durch die Gabe von Heparin kann die Zeit auf bis zu 80 Sekunden verlängert werden. Dies ist ein gewünschter Effekt, besonders bei Patienten, deren Blut unbehandelt zu rasch verklumpt, was die Entstehung z.B. eines Herz- oder Hirninfarktes deutlich begünstigt. Menschen mit Hämophilie weisen ebenfalls eine verlängerte pTT auf. Sehr gefährlich, da schon kleinste Verletzungen mit einem hohen Blutverlust einhergehen können. Bei der Verbrauchskoagulopathie (zum Beispiel ausgelöst durch Schock, Malaria oder Intoxikation) wird die Blutgerinnung in den Gefäßen derart aktiviert, dass ein über das physiologische Maß hinausgehender Verbrauch bestimmter Gerinnungsfaktoren sowie von Thrombozyten feststellbar ist. Dies führt anschließend zu einem Mangel dieser Komponenten im Organismus. Ein Mangel an Fibrinogen kann die pTT ebenso verlängern wie u.a. auch die Hemmkörperhämophilie (seltene, durch Antikörper verursachte Gerinnungsstörung).

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 01.06.2015 aktualisiert