T4 und fT4 Hormon
- Verständlich Erklärt

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

T4 (Thyroxin, Tetrajodthyronin) ist, neben T3 und Calcitonin, ein essentielles Hormon des menschlichen Organismus. Es wird in den Follikelzellen der Schilddrüse (Glandula thyroidea, Glandula thyreoidea) gebildet und dient der Aufrechterhaltung, Kontrolle und Steuerung einer Vielzahl unterschiedlicher Funktionen.

Die etwas unterhalb des Kehlkopfes gelegene Schilddrüse benötigt die Zufuhr von Jod, um ihren physiologischen Funktionen nachkommen zu können. Jod muss daher über die Nahrung aufgenommen werden, wobei die Schilddrüse das einzige Organ ist, welches dieses Spurenelement verwerten kann.

Durch Koppelung von Jod an ein Thyrosinderivat (Thyrosylrest) entstehen sowohl T3 (drei Jodmoleküle) als auch T4 (vier Jodmoleküle). T4 wird ausschließlich in der Schilddrüse gebildet. Wie auch T3 ist es in der Schilddrüse an Thyreoglobulin (Eiweißmolekül) gebunden und wird bei der Freisetzung zu über 99 Prozent an spezielle Transportproteine angehängt. Der für den Organismus wirksame Rest „schwimmt“ frei und ist als fT4 (freies Thyroxin) gekennzeichnet. Die Halbwertzeit des gebundenen T4 im Plasma liegt bei ca. sieben Tagen. Insgesamt betrachtet ist T3 wesentlich wirksamer. Kommt T4 durch den Kontrollmechanismus von Hypophyse und Hypothalamus zur Ausschüttung, wird es kurze Zeit später durch Abspaltung eines Jodmoleküls in T3 umgewandelt.

Der Referenzbereich von T4 in Serum oder Plasma von Erwachsenen liegt zwischen 10 und 28 pmol/l (Pikomol pro Liter). Dieser Wert kann variieren und ist u.a. abhängig vom gewählten Messverfahren.

Die Hormone der Schilddrüse beeinflussen eine Vielzahl verschiedener Funktionen des Organismus. Störungen des Hormonhaushaltes verursachen daher häufig ernstzunehmende Erkrankungen. Dies ist mit ein Grund, warum die Hormone regelhaft bei Laborauswertungen kontrolliert werden. Ein Mangel an Schilddrüsenhormonen (Hypothyreose) kann bereits von Geburt an Einfluss nehmen auf die weitere Entwicklung. Bei Kleinkindern kommt es zu massiven Einschränkungen der Intelligenz, welche unbehandelt im Verlauf irreversible Beeinträchtigungen des Intellekts bedeuten. Auch das Längenwachstum kann hierunter leiden, ein Mangel äußert sich u.a. in Minderwuchs bzw. deutlich verzögertem Wachstum. Da T3 und T4 die Ummantelung von Nervenzellen fördern, kann es durch eine Störung zu neurologischen Schäden kommen, die z.B. die Motilität behindern.

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Ein zu geringer Spiegel an T3 und T4 kann bei Erwachsenen die neuromuskuläre Erregbarkeit vermindert, was später zum Teil zu Depressionen führt. Unter physiologischen Bedingungen stimulieren Schilddrüsenhormone verschiedene Stoffwechselaktivitäten. Ein verminderter Hormonspiegel kann den Grundumsatz verringern. Folgen sind unter anderem Hypercholesterinämie sowie eine deutliche Zunahme des Fettgewebes. Der Herzmuskel reagiert mit pathologischer Vergrößerung. Die reduzierte Nierenleistung verursacht Wassereinlagerungen in allen Geweben (Myxödem). Eine herabgesetzte Darmmotorik kann zu Verstopfung (Obstipation) führen. Und schließlich geht ein Mangel an T3 und T4 einher mit einer erhöhten Bildung von Thyreotropin, was die Entstehung eines Kropfes (vergrößerte Schilddrüse) deutlich begünstigt.

Werden zu viel T3 und T4 gebildet, wie es z.B. bei der Hyperthyreose der Fall ist, äußert sich dies vor allem in einer erhöhten Herzfrequenz und einem deutlich gesteigerten Grundumsatz. Dieser verursacht zum einen eine vermehrte Wärmeproduktion und Wärmeabgabe (erhöhte Körpertemperatur). Zum anderen sind Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion vorwiegend schlank bis mager, die Fettreserven „schmelzen“, obwohl man einen gesegneten Appetit aufweist. Die neuromuskuläre Erregbarkeit sowie die Darmaktivität sind erhöht, was zum Teil zu Durchfällen führen kann. Die Konzentration freier Fettsäuren im Blut nimmt zu, das Cholesterin sinkt.

In den meisten Fällen einer Erkrankung sind beide Hormone (T3 und T4) erhöht oder erniedrigt. In sehr seltenen Fällen kann auch nur eine Hormonkonzentration verändert sein.

Die Schilddrüsenunterfunktion lässt sich erfolgreich medikamentös (orale Hormonzufuhr) behandeln. Zur Therapie bei Hyperthyreose werden vor allem Thyreostatika eingesetzt, die z.B. den aktiven Transport von Jod hemmen oder die Freisetzung der Schilddrüsenhormone blockieren.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 15.05.2015 aktualisiert