Geruchsverlust und Geruchsstörungen: Symptome - Therapie - Prognose

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Um Geschmäcker klar wahrnehmen zu können, ist der Organismus auf den ungetrübten Geruchssinn zur Stimulation der olfaktorischen Chemorezeptoren (Riechzellen) angewiesen. Der Geschmackssinn und der Geruchssinn sind demzufolge physiologisch stark voneinander abhängig und Störungen in dem einen System führen zu Beeinträchtigungen des anderen.

Störungen des Geruchs- oder Geschmackssinns sind sehr selten stark gesundheitsgefährdend oder lebensbedrohlich und erhalten daher oft keine besondere Aufmerksamkeit.

Die Unfähigkeit, gewisse Gerüche wahrzunehmen, kann jedoch durchaus gefährlich sein (Gasgeruch etc.). Aus diesem Grund sollten einige systemische und intrakranielle (innerhalb des Schädels) Erkrankungen durch medizinische Untersuchungen ausgeschlossen werden, bevor man die Symptome als harmlos bezeichnet. Ob eine Erkrankung des Hirnstammes tatsächlich Riech- und Schmeckstörungen verursacht, ist unsicher, da bei der Diagnose oft vorher neurologische Manifestationen und Ursachen festgestellt werden können.

Der Fach- und Oberbegriff für Geruchsstörungen jeglicher Art ist in der Medizin Dysosmie. Jährlich werden ca. 85.000 Menschen wegen einer Riechstörung medizinisch behandelt. Die häufigste Diagnose bei dem Symptom der Geruchsstörung und dem Geruchsverlust ist eine Erkrankung der Nase oder der Nasennebenhöhlen. Dazu gehören auch Veränderungen der Anatomie der Nase (Nasenscheidewandverkrümmung).

Auch Allergien oder Reizungen durch Giftstoffe können die Geruchswahrnehmung bis hin zu einem totalen Ausfall beeinflussen. Sehr selten ist die Ursache ein Hirntumor, der die Hormonproduktion verändert.

Häufigkeit der verschiedenen Geruchsstörungen

Die Anosmie (gänzlicher Verlust des Geruchssinns) ist wahrscheinlich die häufigste Geruchsstörung Sie tritt auf, wenn eine intranasale Schwellung (Schwellung innerhalb der Nase) oder eine andere Störung das Aufsteigen von Riechstoffen zur Regio (Riechschleimhaut) verhindert, das olfaktorische Neuroepithel (Rezeptorengeflecht innerhalb der Nase) zerstört ist (zum Beispiel nach viralen Infekten, atrophischer Rhinitis, chronischer Rhinitis bei granulomatöse Erkrankungen und Tumoren) oder die olfaktorischen Nervenfasern, der Bulbus und der Tractus olfactorius (Riechkolben) oder deren zentralen Verbindungen zerstört sind, zum Beispiel nach Schädel-Hirn-Traumen, intrakraniellen Operationen, Infektionen oder bei Tumoren.

Ein Schädel-Hirn-Trauma ist die häufigste Ursache einer Anosmie bei Jugendlichen, eine virale Infektion ist bei älteren Menschen die Hauptursache. Eine angeborene Anosmie findet sich bei männlichem Hypogonadismus (eine Funktionsstörung des Hodens).

Von einer Anosmie Betroffene haben eine normale Empfindung für salzige; süße, saure und bittere Substanzen, jedoch fehlt ihnen eine darüberhinausgehende Unterscheidung, da diese überwiegend vom Riechvermögen abhängig ist. Daher wird oft auch der Verlust des Geschmackssinns beklagt. Eine einseitige Anosmie wird oft nicht bemerkt.

Um eine Anosmie diagnostizieren zu können, werden Hirnnerven und der obere Respirationstrakt untersucht, eine psychologische Geruchsprüfung und oft eine hochauflösende Computertomographie des Schädels vorgenommen, um Neoplasien oder unerkannte Frakturen der Schädelfront auszuschließen.

Nach der Anosmie folgt die Hyperosmie, eine erhöhte Geruchsempfindlichkeit. In der Regel gilt diese in der „Schulmedizin“ als ein Zeichen für eine neurotische oder hysterische Persönlichkeit, weil „organisch“ keine Ursache zu finden ist.

Die Dysosmie (zeigt sich in unangenehmen oder verzerrten Geruchsempfindungen) kann bei einer Sinusitis, Schäden am Bulbus olfactorius oder auch bei Depressionen auftreten. In manchen Fällen ist eine Dysosmie in Verbindung mit einem üblen Geschmack im Mund die Folge schlechter Mundhygiene. Bei Epilepsie können auch kurze, intensive unangenehme Geruchshalluzinationen wahrgenommen werden.

Hyposmie, ein verminderter Geruchssinn) und Hypogeusie (verminderter Geschmackssinn) können nach einem akuten grippalen Infekt auftreten. Sie sind in der Regel nur vorübergehend.

Der Geschmacks- und Geruchssinn ist auch durch die Austrocknung der Mundschleimhaut (wie sie bei starken Rauchern vorkommt), beim Sjögren-Syndrom, nach Strahlentherapie in der Kopf-Hals-Region oder beim Abbau von Zungengewebe und die Einnahme verschiedener Medikamente beeinflussbar.

Weitere Geruchsstörungen

Neben den oben genannten Geruchsstörungen kommen auch folgende weitere Störungen, wenn gleich auch sehr selten vor:

  • eine veränderte Wahrnehmung von Gerüchen (Parosmie). Dabei werden Gerüche anders als bisher wahrgenommen.
  • die Wahrnehmung vor Gerüchen, die in Wirklichkeit nicht vorhanden sind (Phantosmie)
  • mangelnde Zuordnung von Gerüchen (Geruchsagnosie)
  • mangelnde Unterscheidungsfähigkeit bei verschiedenen Gerüchen (Heterosmie)
  • Fehlinterpretation von Gerüchen. Angenehme Gerüche werden als unangenehm empfunden (Kakosmie) oder unangenehme Gerüche werden als angenehm empfunden (Euosmie) und
    unter Affekten wie beispielsweise Stress wird ein Geruch in einen anderen umgedeutet (Pseudoosmie)

Therapie

Die Therapie der verschiedenen Geruchsstörungen richtet sich nach der diagnostizierten Ursache. Meist ist jedoch kein (schul-)medizinisches Eingreifen notwendig, da das Symptom nach kurzer Zeit von selbst wieder verschwindet.

Ist ein organisches Problem Ursache der Geruchsstörung (wie bei einer Nasenscheidewandsverkrümmung, Polypenbildung oder einem Tumor) wird dies gerne operiert. Je nach Ursache.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 18.04.2013 aktualisiert