Hörschwäche: Symptome - Therapie - Prognose

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Das menschliche Ohr besteht aus drei Anteilen, von denen der äußere, sichtbare Bereich der Sammlung und Bündelung der Schallwellen dient.

Im Mittelohr findet sich als Abgrenzung nach außen das Trommelfell, welches durch die Schallwellen in Schwingung versetzt wird und die Reize an die Gehörknöchelchen (Steigbügel, Amboss und Hammer) weitergibt. Diese leiten letztendlich den Schall zur Schnecke (Cochlea), reizen deren Sinneszellen (feine Härchen) und lösen so eine Signalübermittlung zum Hörnerven hin aus, die vom Menschen als Ton empfunden wird.

Eine verminderte Hörfähigkeit entsteht durch verschiedene Faktoren. Dabei ist nicht immer eine Erkrankung verantwortlich. Die Hörschwäche macht sich meist dadurch bemerkbar, dass bestimmte Töne oder Tonlagen (z.B. sehr hohe oder sehr tiefe Töne) nicht mehr wahrgenommen werden. Eine vorrübergehende Hörschwäche ist eine häufige Begleiterscheinung bei Erkältungskrankheiten, Masern, Mumps oder auch einer Meningitis. Hier besteht jedoch auch die Gefahr eines bleibenden Hörschadens.

Arten der Hörschwäche

Man unterscheidet drei Formen der Schwerhörigkeit, die Schallleitungs-, die Schallempfindungs- und die kombinierte Schwerhörigkeit.

Schallleitungs-Schwerhörigkeit

Die Schallleitungs-Schwerhörigkeit entsteht als Folge einer fehlerhaften oder unterbrochenen Übertragung des im äußeren Ohr empfangenen Schalls.

Die einfachste Ursache ist ein Verlegen des Ganges mit Cerumen (Ohrenschmalz). Dieses wird durch die im Gehörgang liegenden Drüsen regelmäßig produziert und dient normalerweise als Filter und Schutz vor störenden Partikeln und Substanzen. Das Cerumen ist von gelb-brauner Farbe und weist eine leicht klebrige Konsistenz auf. Durch mangelhafte Hygiene, Überproduktion oder Konsistenz-veränderung kann es einen Pfropf bilden, der das Hörvermögen einschränkt.

Weitere Ursachen für eine Schallleitungs-Schwerhörigkeit sind z.B. Fremdkörper, Infektionen (hauptsächlich durch Bakterien), eine Mittelohrentzündung (Otitis media), ein perforiertes Trommelfell oder auch die Otosklerose, bei der die Schallwellen durch eine Verhärtung im Mittelohr nicht mehr weitergeleitet werden können. Auch eine genetische Störung ist möglich, hierbei zeigt sich die geminderte Hörfähigkeit bereits in jungen Jahren.

Schallempfindungs-Schwerhörigkeit

In über 90 Prozent aller diagnostizierten Hörschwächen liegt eine Schallempfindungs-Schwerhörigkeit vor. Sie betrifft das Innenohr mit seiner Cochlea und kann auf unterschiedliche Ursachen zurückgeführt werden.

Die Schallempfindung nimmt mit zunehmendem Alter ab, es entsteht die Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis), die sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Neben dem Alter beeinflusst auch wesentlich die Umgebung das Hörvermögen. So zeigen sich besonders starke Minderungen bei permanent lauter Umgebung.

Studien belegen, dass Menschen, die in ruhigen Gegenden (z.B. auf dem Land) leben, wesentlich später unter einer Presbyakusis leiden als Menschen mit andauerndem Umgebungslärm (z.B. im Bereich von Großstädten oder Baustellen, bei Fluglärm). Hier liegt eine unterschiedliche Abnutzung der haarigen Sinneszellen vor, die bei jedem Ton gereizt werden und dabei einen sogenannten Scherprozess erfahren.

Mit zunehmendem Alter können sich diese Härchen schlechter regenerieren. Dieser Prozess ist auch bei andauernder Beschallung zu beobachten. Neben der Presbyakusis sind unter anderem auch eine permanente Lärmbelästigung mit hohen Dezibel, ein anlagebedingtes Fehlen bestimmter Anteile im Ohr, verschiedene Krankheiten, Unfälle mit Schädelverletzungen, Tumoren des Ohres sowie auch einige Medikamente Verursacher einer geminderten Schallempfindung.

Bei der kombinierten Form liegen beide Störungsmuster vor.

Die Hörschwäche wird von den Betroffenen häufig erst spät wahrgenommen. Gesprochenes wird nur noch unzusammenhängend verstanden, Radio und Fernseher werden lauter gedreht.

In vielen Fällen glaubt der Schwerhörige, dass seine Umgebung nur nuschelt oder murmelt, bittet um lauteres Sprechen oder fragt vermehrt nach Wiederholung des zuletzt Gesprochenen. Mit zunehmender Schwäche zieht sich der Betroffene zurück, er kann Gesprächen kaum mehr folgen und beteiligt sich daher nicht mehr an Konversationen. Das Interesse an der Umgebung geht rasch verloren. Vielfach erscheinen weibliche Stimmen oder Kinder mit hohen Tönen besonders schwer zu verstehen.

Diagnose

Bei der Diagnose erfolgt die intensive Inspektion des Ohres, hier lassen sich vor allem Verlegungen oder Infektionen erkennen. Mit einem Audiogramm wird das Hörvermögen getestet. Hierbei werden über einen Kopfhörer leise Töne unterschiedlicher Frequenz eingespielt. Im Verlauf werden Lautstärke und Frequenz erhöht.

Der Betroffene kennzeichnet alle wahrgenommenen Töne auf einer speziellen Karte, wodurch sich abschließend ermitteln lässt, welche Form der Schwerhörigkeit vorliegt.

Therapie

Je nach Diagnose stehen unterschiedliche Maßnahmen zur Verfügung. Cerumen kann auf einfache Weise entfernt werden. Bei bakteriellen Infektionen dienen Antibiotika oder spezielle Salben der Therapie.

Ein Loch im Trommelfell kann genäht werden, feine Risse heilen eigenständig zu, in einigen Fällen ist auch der operative Ersatz notwendig. Eine Operation wird auch immer dann notwendig, wenn schwere Verletzungen, Frakturen oder Entartungen vorliegen. Bessert sich nach einer Behandlung das Hörvermögen nicht oder liegen anlage- bzw. altersbedingte Störungen vor, kann der Einsatz eines Hörgerätes sinnvoll sein, welches individuell der entsprechenden Hörschwäche ausgewählt und angepasst wird.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 12.06.2012 aktualisiert