Ohrenentzündung - Anzeichen, Symptome und Behandlung

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Entzündungen im Bereich des Ohres werden mit dem Begriff Otitis gekennzeichnet. Dabei lassen sich unterschiedliche Formen unterscheiden, die abhängig von der Lage sind:

 

  • Otitis externa: Die Gehörgangsentzündung
  • Otitis media: Die Mittelohrentzündung 
  • Otitis interna: Innenohrentzündung (auch Labyrinthitis genannt)

Die Otitis externa beschreibt Entzündungen des Gehörgangs. Dieser verbindet die Ohrmuschel mit dem Trommelfell, ist zwischen drei und vier Zentimeter lang und weist einen bogenförmigen Verlauf auf. Der Gehörgang besitzt feine Härchen, die eindringende Fremdkörper abhalten können. Daneben sezernieren Drüsen das sogenannte Ohrenschmalz (Zerumen), welches keimhemmend wirkt.

In vielen Fällen liegen kleine Läsionen im Gehörgang vor, durch die Bakterien und Pilze ungehindert eindringen können. Diese entstehen durch Manipulation (z.B. mit einem Wattestäbchen oder einem Stift). Eine zu intensive Reinigung mit täglichem Gebrauch von Watteträgern und den von der Werbung angepriesenen Ohrspülungen trocknet die Haut zudem aus und verringert das bakterizid und fungizid wirkende Ohrenschmalz. Weitere Ursachen für Entzündungen des Gehörgangs sind anatomische Deformitäten, die den Abfluss von Schmalz oder Wasser (z.B. durch Duschen oder Schwimmen ins Ohr gelangt) behindern, das andauernde Tragen von Hörgeräten, Innenohr-Kopfhörern oder Geräuschminderern (Ohrstöpsel) sowie Allergien und Ekzeme.

Die Otitis externa führt meist zu einem starken Juckreiz, zunehmendem Schmerz und einer vermehrten Sekretion aus der betroffenen Ohrmuschel (zeigt sich vor allem im Liegen), die zu Ablagerungen im Gang und an der Ohrmuschel führt. Zum Teil sind Eiter- oder Blutbestandteile enthalten. Der Gang selbst ist gerötet und verdickt. Eine zunehmende Schwellung oder auch vermehrte Ablagerungen führen zur Schwerhörigkeit. Bei Befall mit Pilzen  (Hautpilzen) präsentiert sich der Gehörgang mit weißen Belägen, bei Bakterien oder einer entzündeten Haarwurzel zeigen sich gelblich-eitrige Beläge. An Allgemeinsymptomen kommt es zu erhöhten Temperaturen, Abgeschlagenheit und einem verstärkten Schmerzempfinden auf der betroffenen Gesichtshälfte bei Kaubewegungen. Eine Schwellung der regionalen Lymphknoten (geschwollene Lymphknoten) ist ebenfalls möglich.

Zur Diagnostik stehen neben der Inspektion (Spiegelung) des Gehörgangs auch spezielle Tests zur Verfügung. Durch Ziehen an der Ohrmuschel oder Druck auf den medial an der Muschelinnenseite gelegenen Knorpel wird ein Schmerz ausgelöst, der typisch für die Gehörgangsentzündung ist. Ein Abstrich dient der Differenzierung des Erregers. Zusätzlich können die Hörfähigkeit überprüft, das Blutbild auf Entzündungszeichen ausgewertet und die umgebenden Strukturen bildgebend (z.B. Röntgenaufnahme) auf anatomische Veränderungen hin untersucht werden.

Neben einer Entfernung der Beläge werden abschwellende, entzündungshemmende, schmerzlindernde sowie bakterizid oder fungizid wirkende Salben oder Ohrentropfen in den Gang eingebracht. Anatomische Unregelmäßigkeiten oder Wucherungen müssen gegebenenfalls operativ korrigiert bzw. entfernt werden, ebenso Eiteransammlungen. Die Ausheilung kann mehrere Wochen andauern. Bei konsequenter Therapie erfolgt diese aber ohne bleibende Schäden. Ohne ausreichende Behandlung droht eine Zunahme der Symptomatik, hierbei kann das Gewebe angegriffen und zerstört werden, auch ein Übergang in chronische Entzündungen ist möglich.

Die Mittelohrentzündung (Otitis media) wird durch Viren oder seltener durch Bakterien verursacht und zeigt sich vermehrt bei Kindern unter 6 Jahren. Besonders häufig kommt die Entzündung bei Babys zwischen dem 6. Monat und dem 4. Lebensjahr vor. 90 % aller Menschen dieser Altersgruppe erkranken irgendwann an der Infektion. Die Mittelohrentzündung tritt meistens in der akuten Form auf, kann aber auch chronifizieren.

Das Mittelohr ist ein luftgefüllter Raum, der durch das Trommelfell vom Gehörgang getrennt ist. Durch verschiedene Umstände können Erreger dennoch in diese Region vordringen. Oft ist das gar nicht so schlimm, weil die Flüssigkeit aus dem Mittelohr durch die Eustachische Röhre in den Mundraum abfließen kann. Zu ernsthaften Symptomen kommt es erst, wenn die Ableitung nicht funktioniert, wie es aufgrund der anatomischen Verhältnisse bei Babys und Kleinkindern der Fall ist. Bei älteren Menschen verengen Schwellungen der Schleimhäute den Abfluss. Auslöser sind dann andere Entzündungen des Nasen-Rachen-Raumes. Am Beginn der Erkrankung stehen oft einfache Erkältungen.

Die Otitis media steht auch im Zusammenhang mit vielen Kinderkrankheiten und Allgemeinerkrankungen als Begleiterscheinung (unter anderem Schnupfen, Mandelentzündung, Scharlach, Masern) und weist eine mögliche Verschleppung über den Blutweg auf. Daneben erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung bei vorliegenden Allergien gegen Pollen und Lebensmittel sowie Autoimmun-Erkrankungen. Medikamente, die die Körperabwehr einschränken (Immunsuppressiva) stellen ein weiteres Risiko dar und auch die Ernährung und der Umgang mit Genussmitteln (Rauchen, Passivrauchen). Babys, die keine Muttermilch erhalten, sind ebenfalls gefährdet. Daneben kann auch ein Defekt des Trommelfells (angeboren oder erworben) die Entzündung begünstigen. Desgleichen können genetische Variationen der Mittelohr-Anatomie die Entstehung der Erkrankung fördern. Risiko-Faktor ist auch häufiges Schwimmen, bei dem sich verstärkt Flüssigkeit im Mittelohr ansammeln kann.

Entgegen früherer Annahmen sind vor allem Viren die Verursacher einer Otitis media. Selten sind Bakterien wie Staphylokokken, Pneumokokken und Streptokokken die Erreger, etwas häufiger jedoch bei Kindern unter 2 Jahren. 

Die Otitis media führt zu stechenden oder klopfenden Schmerzen im Ohr, der auch in den Hals und die Schläfen ausstrahlen kann. Zusätzlich kommt es zu Kreislaufproblemen, Gleichgewichtsstörungen (Schwindel), Schüttelfrost, Fieberschüben, Kopfschmerzen und einer verminderten Hörleistung. Atemschwierigkeiten können hinzutreten, Kleinkinder und Babys sind unruhig und reizbar. Durch die klassischen Anzeichen einer Entzündung (Rötung, Erwärmung, Schwellung, Schmerz) sammelt sich Flüssigkeit (unter anderem Eiter) im Mittelohr, welches zu einer Drucksteigerung führt und das Trommelfell zersprengen kann (spontaner Abfluss der Flüssigkeit, Otorrhoe). Die chronische Form ist weniger schmerzhaft, führt auf Dauer aber zu einer bleibenden Hörverschlechterung (dumpfes Rauschen, hohe Töne werden kaum wahrgenommen) Symptom ist auch eine länger anhaltende Sekretion.

Dauert die Mittelohrentzündung länger als 2 Wochen, muss mit einer Chronifizierung gerechnet werden.
Die Schädigungen können zu einer bleibenden Schwerhörigkeit und Tinnitus führen. Bei Kleinkindern droht eine verzögerte Sprachentwicklung mit Sprachbehinderung, die nur durch intensives Training zu beheben ist. Die schleichende Entzündung des Mittelohres kann auch gefährliche Infektionen nach sich ziehen. So kann es zu einer Hirnhautentzündung (Miningitis) und einer Entzündung des Wurzelfortsatzes (Mastoiditis) kommen. Dieser Teil des Schädels hinter dem Ohr kann im Extremfall teilweise zerstört werden, wodurch eine irreversible Hirnschädigung und eine Blutvergiftung (Sepsis) drohen. 

Mit dem Otoskop lässt sich das Mittelohr begutachten. Hier zeigen sich typische Entzündungszeichen oder ein gerissenes Trommelfell. Bei Flüssig-keitsaustritt kann ein Abstrich gewonnen und ausgewertet werden. Ebenso erfolgt ein detailliertes Labor (Blutbild).

Zur Behandlung werden in der Schulmedizin vorschnell Antibiotika verordnet. Gegen die starken Schmerzen sollen Ibuprofen und Paracetamol helfen. Wärmeanwendungen (z.B. Bestrahlung mit Rotlicht) sind eine schonende und nebenwirkungsfreie Therapie, die sehr effektiv ist. Eine starke Schwellung durch Flüssigkeitsansammlungen wird durch Eröffnen des Trommelfells entlastet, wobei das Trommelfell im Anschluss eigenständig ausheilt. Bei dieser „Parazentese“ oder „Myringotomie“ inseriert der Arzt manchmal ein Röhrchen, das die Wirkung verbessern und verlängern soll. Nachgewiesen ist ein positiver Effekt auf den Heilungserfolg allerdings nicht. Hingegen sind die Risiken für die Funktionstüchtigkeit des Ohres enorm. Im Nachgang eines solchen Eingriffes kann es bis zur Tympanosklerose kommen. Dabei verkalken die Gehörknöchelchen, die den Schall ans Innenohr weiterleiten. Die feinen Strukturen sind dann unwiederbringlich geschädigt  und der Patient auf Dauer schwerhörig.

Ein Riss im Trommelfell dagegen muss operativ mittels Transplantat versorgt werden. Chronische Entzündungen können zu einer Zerstörung des Mittelohres oder einem Befall der angrenzenden Knochen führen. Auch hier erfolgt die operative Therapie. Akute Entzündungen heilen unter einer ausreichenden Behandlung nach zwei bis drei Wochen vollständig ab. Komplikationen drohen immer dann, wenn das Trommelfell oder Nachbar-Strukturen in Mitleidenschaft gezogen sind. Hier kann es zu einer andauernden Schwerhörigkeit kommen.

Die Otitis interna (Innenohrentzündung) wird auch Labyrinthitis genannt. Sie ist eher selten und entwickelt sich meist aus einer Otitis media. Die Entzündung greift auf den Nervus statoacusticus (Hörnerv, Hirnnerv VIII) über und führt so zu Gleichgewichtsstörungen. Neben den für eine Otitis media typischen Symptomen zeigen sich hierbei auch eine Gangunsicherheit, eine Kopfschiefhaltung (zur erkrankten Seite hin) sowie ein Nystagmus (Zittern) der Augen.

Nach der genauen Untersuchung erfolgt in der schulmedizinischen Therapie wiederum die Gabe hochdosierter Antibiotika über mehrere Wochen. Diese Therapie sollte aus Sicht der konventionellen Heilkunde so rasch wie möglich einsetzen, um weitere Schäden (Ausweitung auf das Gehirn) zu vermeiden und die Heilungsprognose zu verbessern.

Bei allen 3 Formen der Ohrentzündungen stehen Antibiotika also im Mittelpunkt der schulmedizinischen Therapie. Die Biozide verordnet der Arzt oft auch dann, wenn kein Test auf Bakterien-Befall der Behandlung vorausging. Eine spezifische Medikation ist so eigentlich unmöglich. Außerdem ist nicht unbedingt gesagt, dass Bakterien die Auslöser der Entzündung sind.

In den meisten Fällen sind Viren die Auslöser, gegen die Antibiotika gar nichts nützen. Zwar bessert sich in 80 % aller Fälle eine Mittelohrentzündung unter Antibiotika nach spätestens einer Woche. Bei 70 % der Patienten ist dies ohne die Medikamente aber ebenso der Fall. Die Medikation ist also größtenteils sinnlos und sogar schädlich, weil die Biozide Nebenwirkungen wie Hautausschläge und Übelkeit verursachen. Antibiotika führen auch zu Durchfall, woran die Schädigung der Darmflora zu erkennen ist. Das beeinträchtigte intestinale Mikrobiom kann dann seine Aufgabe für die Erregerabwehr nicht mehr erfüllen, weil die Darmbarriere geschwächt ist (Leaky-Gut-Syndrom).

Sie kennen die Diskussion über resistente Keime, deren Verbreitung durch eine übertriebene Antibiotika-Medikationen enorm angestiegen ist. Auch bei dem einzelnen Patienten kann eine Resistenz gegen diejenigen Antibiotika eintreten, mit denen er vorher bereits behandelt wurde.

Diese Tendenzen beeinträchtigen langfristig die Wirksamkeit der Antibiotika gerade dann, wenn sie unabdingbar erforderlich sind.
In der Alternativ-Medizin gelten Ohrentzündungen als Parade-Beispiel für Indikationen, in denen unnütze Antibiotika-Verordnungen die Regel sind. Dabei haben Studien der evidenzbasierten Medizin selber gezeigt, dass der Effekt der Bakteriozide bei Otitis sehr gering ist. Zwar heilt beispielsweise eine Mittelohrentzündung unter der Medikation nach einigen Tagen ab, aber ohne Tabletten und Infusionen würde sich ebenfalls eine Heilung einstellen (jamanetwork). Die federführenden Wissenschaftler der Untersuchung empfehlen Antibiotika nur, wenn nach 3 Tagen keine Besserung eintritt. Diese Antibiotika-Misere zeigt sich vor allem bei Kindern mit Mittelohrentzündung.  

Die alternative Heilkunde bietet phytomedizinische Entzündungshemmer an. Ohrentropfen mit Ätherischen Ölen (Lavendel, Majoran, Thymian), Kokosöl, Knoblauch- oder Zwiebel-Extrakt sind hier bewährte Mittel. Auch die antibiotischen Eigenschaften der Muttermilch können genutzt werden (falls verfügbar). Der Chiropraktiker kennt Handgriffe, mit denen er die Eustachische Röhre (Verbindung zwischen Mittelohr und Nasenraum) öffnen oder durchgängiger machen kann. Flüssigkeitsansammlungen fließen so auf natürliche Weise ab.

Die alternative Medizin legt den Schwerpunkt auf die Vorbeugung. Für Ohrentzündung bedeutet das eine Ernährungsumstellung. Meiden Sie und Ihr Kind Industriezucker, verarbeitete Lebensmittel, pasteurisierte Milch und Fruchtsäfte. Weißes Mehl ist ebenfalls problematisch. Besonders Weizen kann dann Entzündungen fördern, wenn eine Gluten-Intoleranz vorliegt. Ein entsprechender Test kann hier Klarheit schaffen. Vorsichtshalber sollten andere Standard-Allergene wie Erdnüsse oder Garnelen weggelassen werden. Auf keinen Fall sollten Kinder dem Passivrauchen ausgesetzt werden, dies ist auch für Ohrentzündungen bei Kindern ein Risiko-Faktor.

Ein starkes Immun-System hilft am besten gegen Infektionen. Gesunde Ernährung mit vielen Spurenelementen und Vitaminen unterstützt die Körperabwehr, daher ist der Verzehr von viele Obst und Gemüse ratsam. Zu empfehlen sind vor allem Knoblauch, Kurkuma und Ingwer sowie andere Gewürze und Kräuter. Darin kommen Sekundäre Pflanzenstoffe vor, die auch entzündungshemmend wirken. Spezielle antivirale Agenzien sind in Spargel, Holunder, Echinacea und Calendula enthalten. Förderlich ist auch die Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren, die beispielsweise in Walnüssen, Krill-Öl und Seefisch in hohen Konzentrationen vorkommen. Probiotika sorgen für eine optimale Zusammensetzung der Darmflora, die die Darm-Barriere stärken. Die Supplementierung mit Zink und Vitamin C kann sinnvoll sein.  

Leider hat sich auch herausgestellt, dass Impfstoffe einige Krankheiten mit auslösen oder deren Ausbruch fördern können. Dies wurde in wissenschaftlichen Studien auch für die Mittelohrentzündung bei Kindern festgestellt. So erkranken 11 % der geimpften Kinder in Deutschland an Otitis media, aber nur unter 0,5 % der nicht geimpften Kinder. Die serologische Immunisierung erhöht auch die Wahrscheinlichkeit einer kindlichen Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis): 32% der geimpften Kinder erkranken daran, aber lediglich 1 % der ungeimpften (vaccineinjury). Die Sinusitis kann eine Mittelohrentzündung zur Folge haben. Gleichwohl soll hier nicht grundsätzlich jede Impfung verteufelt werden. Nutzen und Risiko muss aber im Einzelfall abgewogen werden. Ganz harmlose Mittel sind Impfseren jedoch nicht.    
   

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 31.10.2017 aktualisiert