Rachenpolypen - Symptome, Verlauf, Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die im Mund- und Rachenraum gelegenen Mandeln (Tonsillen) sind dem lymphatischen System zugeordnet. Neben den paarig angelegten Gaumen- und Tubenmandeln finden sich die solitäre Zungenmandel sowie die Rachenmandel, welche in der Schleimhaut des Rachendaches oberhalb des Zäpfchens, hinter der Nase, eingebettet liegt. Gemeinsam dienen alle (zusammengefasst als Waldeyerscher Rachenring) dem Immunsystem, genauer der Infektabwehr.

Neben der klassischen Entzündung der Gaumenmandeln (Tonsillitis, umgangssprachlich Mandelentzündung) ist es vor allem die Rachenmandel (Tonsilla pharyngealis, „Rachenpolyp“), die bei einer Immunreaktion zu Beschwerden bei Betroffenen führen kann. Dies zeigt sich meist im Kindesalter und führte in der Vergangenheit nicht selten zu einer operativen Beseitigung des „Übeltäters“.

Im Inneren der Rachenmandel liegen unzählige Lymphfollikel, die bei einem drohenden Infekt unmittelbar mit Abwehrreaktionen beginnen. B- und T-Lymphozyten (gehören der Gruppe der weißen Blutkörperchen an) reagieren dabei spezifisch auf den Kontakt mit einem Antigen. Die Rachenmandel ist durch eine Bindegewebskapsel geschützt und besitzt auf ihrer faltig aufgeworfenen Außenseite ein Flimmerepithel, wie es auch in den verschiedenen Bereichen des Respirationstraktes (Atemtrakt) zu finden ist. Dieses Epithel stellt eine Art Barriere für krankheitserregende Keime dar.

Neugeborene und Kleinkinder reagieren, bedingt durch ihr noch nicht vollständig ausgeprägtes Immunsystem, meist sehr rasch auf eindringende Krankheitserreger. Die Gaumenmandel ist eine der ersten Organe, die in Kontakt mit diesen Keimen kommt. Die durch sie vermittelte Immunantwort führt dabei nicht selten zu einer deutlichen Vergrößerung der Mandel. Im Normalzustand besitzt die Rachenmandel die ungefähre Größe einer Himbeere, im reaktiven Zustand kann diese auf das Maß eines Zwei-Euro-Stückes anschwellen. Das sich im Aufbau befindliche Immunsystem sieht sich in den ersten Lebensjahren einer Art Dauerfeuer ausgesetzt. Nahezu täglich kommt es zu neuen Umwelterfahrungen und somit zu Kontakten mit Viren oder Bakterien. Da die Rachenmandel in diesem Zeitraum nahezu kaum ihren vergrößerten Zustand verändert, spricht der Mediziner dann von einer Wucherung, weshalb die Gaumenmandel auch als Adenoid oder als vergrößerter Polyp bezeichnet wird. Umgangssprachlich wird meist der Plural (Rachenmandeln, Polypen) verwendet, obwohl das Organ nur einzeln im Organismus vorliegt.

 Die durch die Rachenmandel vermittelte Immunantwort muss nicht zwangsläufig zu Beschwerden führen. Die deutliche Größenzunahme kann jedoch sehr schmerzhaft sein. Vielfach sind auch die paarigen Gaumenmandeln betroffen. Dies begünstigt häufig wiederkehrende Infekte mit u.a. Schnupfen, Fieber sowie Mittelohr- oder Nasennebenhöhlenentzündungen. Betroffene Kinder weisen eine näselnde Aussprache auf. Sie klagen zum Teil über Atemnot oder Schluckbeschwerden, die Nahrungsaufnahme kann beeinträchtigt sein, und auch warme oder kalte Speisen und Getränke verursachen Schmerzen (erhöhte Temperaturfühligkeit). Der nächtliche Schlaf ist gestört, viele Betroffene schnarchen oder atmen über den Mund, um die Atmung zu verbessern.

Eine vergrößerte Rachenmandel ist kein zwingender Grund zur operativen Entfernung. Erst wenn die durch sie verursachten Beschwerden deutliche Beeinträchtigungen für die betroffene Person mit sich bringen, ist diese Form der Therapie angeraten. Mediziner raten, eine Operation nicht vor dem sechsten Lebensjahr durchführen zu lassen. In der Regel ist das Immunsystem bis dahin so weit ausgeprägt, dass die Rachenmandel dann nur noch eine eher untergeordnete Rolle spielt. Der Organismus besitzt andere Abwehrsysteme, die den gleichen Schutz bieten können.

Bei auftretenden Beschwerden sollte ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt konsultiert werden. Dieser kann die verschiedenen Mandeln des Mund- und Rachenraumes inspizieren, abtasten und beurteilen. Die Rachenmandel ist nur mithilfe eines speziellen Spiegels, der über die Nase eingeführt wird (Rhinoskopie), sichtbar. Daneben ist auch der Zustand des Ohres und des Trommelfells von wesentlichem Interesse für den Mediziner. Nicht selten kann eine ausgeprägte Infektion einen „Paukenerguss“ im Bereich des Mittelohres verursachen. Die sich ansammelnde Flüssigkeit trübt das Hörvermögen und kann, vor allem bei Kleinkindern, dazu führen, dass sich Schwächen in der Erlernung von Worten zeigen (verminderter Wortschatz, verspätetes Lernen von Sprache).

Die sich anschließende Behandlung ist abhängig vom Befund und respektiert dabei sowohl alltägliche Hausrezepte als auch alternativmedizinische sowie schulmedizinische Methoden. Bei unkomplizierten, entzündlichen Prozessen kann bereits der Verzicht auf Milchprodukte und Weizen eine deutliche Milderung erzielen. Diese Nahrungsmittel sind eher schleimfördernd und können bei regelmäßiger Verwendung die Symptomatik verstärken. Dienlich sind u.a. auch Inhalationen mit speziellen Kräutertinkturen und Ölen. Bei einer zusätzlichen Tonsillitis ist die antibiotische Therapie (z.B. mit Penicillin) ratsam. Zusätzlich lindern Schmerzmittel, fiebersenkende Medikamente und desinfizierende Lösungen zum Gurgeln die Beschwerden. All diese Produkte werden vom Arzt in der jeweils dem Alter der betroffenen Person angepassten Dosierung verordnet.

Ist die Schwellung der Gaumenmandel derart ausgeprägt, dass die Lebensqualität des Betroffenen stark darunter leidet, sollte die operative Entfernung in Erwägung gezogen werden. Hierbei wird unter Vollnarkose die Rachenmandel mit einem speziellen Messer (meist Laser) über den geöffneten Mund abgetragen und die dabei entstehende Blutung gestillt. Der Wundbereich muss nicht vernäht werden und heilt in der Regel problemlos aus.

Generell sollten Pro und Kontra einer Operation immer gegenübergestellt werden. Neuere wissenschaftliche Studien konnten belegen, dass eine Entfernung des Rachenpolypens zwar u.a. der besseren Atmung dient, die Infektionsrate der betroffenen Personen jedoch hierdurch nicht verringert wird. Ein Kind, welches mit Rachenmandel an häufigen Atemwegsinfekten leidet, würde, diesen Studien zufolge, nach der Entfernung mit der gleichen Häufigkeit daran erkranken.

In der Regel normalisiert sich das Volumen der Rachenmandel mit dem Einsetzen der Pubertät wieder, so dass ab diesem Zeitpunkt kaum noch mit schweren Entzündungen dieses Organs zu rechnen ist.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 08.05.2016 aktualisiert