Neurodermitis ist heilbar

Die Frage für Naturheilkundler ist nicht: Ist Neurodermitis heilbar oder nicht...

Eine entscheidende Frage in der Naturheilkunde und Alternativmedizin ist, ob die Umwelt schuld an der geradezu dramatischen Zunahme der Allergikerheere von Neurodermitikern bis zum Asthmatiker ist.

von: René Gräber - Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge

Abgesehen davon, dass „die Umwelt” ein höchst dehnbarer Begriff ist - bei den einen beginnt sie bestenfalls vor der Haustür, de facto besteht hier allerdings ein fließender Übergang, und diese gärt bereits in Form unseres Darminhalts vor sich hin - mehren sich die Studien und Beobachtungen, dass es wohl an unserer „modernen” Lebensweise liegen müsse: Zu hygienisch, zu homogenisiert, zu hermetisch und zu hypersensibel...

Das führt uns wieder einmal zum Immunsystem Darm: Mit einer Oberfläche von 400 m² ist er unser größtes Immunorgan. Und wenn Ihr Arzt davon noch nichts geghört hat, wenn Sie ihn darauf ansprechen, dann soll er sich mal die entsprechende Fachliteratur (von Unikliniken) besorgen.

Der Darm ist von über hundert Billionen Bakterien besiedelt, die ihm bei der Umsetzung seiner „schwerwiegenden” Aufgaben unterstützen. Bei Personen mit Neurodermitis konnten nun bereits im Kindesalter Unterschiede zur Darmflora von Nicht-Neurodermitikern festgestellt werden.

Neueren Erkenntnissen zufolge schadet uns jedoch nicht ein zuviel, sondern vielmehr der mangelnde Kontakt mit den Erregern, mit deren Umgang unsere Immunabwehr sich im Laufe der Evolution mittlerweile abgefunden und sich daran angepasst hat.

So hat die Bildung von Antikörpern der Immunglobulin E-Reihe (IgE), die hauptsächlich für eine Allergie verantwortlich sind, ursprünglich den Sinn, Infektionen mit Parasiten zu bekämpfen.

Die IgE sind von Haus aus für Darmparasiten wie Würmer verantwortlich. Wurmerkrankungen lösen eine von Typ-II-Helferzellen dominierte Immunantwort mit Vermehrung der Eosinophilen, der Mastzellen und des Gesamt-IgE-Spiegels aus - eben wie auch für Allergien typisch.

Der schützende Effekt der Würmer ist offenbar polyklonalen IgE-Antikörpern, lgG 4-Antikörpern, antientzündlich wirkenden Zytokinen wie Interleukin und dem Transforming-Growth-Facor ß (TGF ß) zu verdanken.

Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an eine Studie aus Japan, wo Neurodermitiker mit einem Bandwurm sehr erfolgreich behandelt wurden. Danach wurde dann natürlich eine "Wurmkur" verordnet, um den Schmarotzer wieder loszuwerden.... Na: wenn das nicht wahre Naturheilkunde ist!

Eine andere Studie zeigte nach der Wiedervereinigung Deutschlands, dass die Allergierate in den neuen Bundesländern danach auf "Westniveau" anstieg. Leider finde ich beide Studien nicht mehr, sodass mir die Quelle nicht mehr bekannt ist.

Es ist jedoch erstaunlich, dass in hygienischen Lebensräumen, wo entsprechende Krankheitserreger fehlen, das Immunsystem gewohnheitsgemäß dann eben ersatzweise andere Allergene angreift - es wird falsch trainiert, wenn es seine ursprüngliche Aufgabe nicht erfüllen kann, und entsprechende Reaktionen richten sich gegen vermeintlich gefährliche Fremdkörper wie Pollen, Tierhaare oder was auch sonst immer.

Daher gehen manche Therapeuten heute schon so weit „Dreck” zu verordnen. So finden sich in Schmutz und Belägen am Wasserhahn Bakterien der Gattung Mycobacterium vaccae, die sich normalerweise von Faulschlamm ernähren. Die abgetöteten Erreger werden dann etwa Asthmatikern unter die Haut gespritzt - „Heilkraft aus dem Schlamm”.

Wenn man nicht ganz so weit gehen möchte, ist es doch zumindest ratsam, sein Kind nicht, wie in der Werbung empfohlen, ständig mit Desinfektionsmitteln zu traktieren, denn Hygiene bis zum Exzess kann krank machen - ganz zu schweigen vom allergischen Potential der verschiedenen Reinigungsmittel. Ein bisschen Dreck schlucken ist dagegen gesund.

Jedenfalls sind wir in Deutschland prädestiniert für Erkrankungen des allergischen Formenkreises - in „armen Ländern” kommen Allergien vergleichsweise selten vor. Wer unter schlechten sozialen Bedingungen lebt, hat auch ein höheres Risiko, krank zu werden, könnte man meinen.

Für die Neurodermitis gilt offenbar das Gegenteil. An der medizinischen Hochschule Hannover hat man über 4.000 Schulkinder untersucht. Ergebnis: In den „teuren” Wohngebieten leiden bis zu 25 % der Kinder unter den typisch juckenden Ekzemen, in den „ärmeren” Vierteln dagegen nur etwa 3 %.

Außerdem ist die Hauterkrankung unter den Kindern deutscher Eltern sechsmal häufiger als bei Kindern ausländischer Herkunft prävalent. Verantwortlich sei das Immunsystem, so der Studienleiter Dr. Kurt Buser. Wenn ein Kind quasi in keimfreier Umgebung aufwachse, werden seine Abwehrzellen nicht trainiert und reagieren irgendwann auf die falschen Stoffe - und aus dem blitzsauberen Hänschen wächst unvermeidlich ein allergischer Hans heran.

Zur Neurodermitis-Therapie sollten Sie auch den Artikel "Stutenmilch" lesen, und wie diese die Neurodermitis lindern kann.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 18.10.2011 bearbeitet.