Schielen (Strabismus) - Fehlstellungen der
Augen
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Weicht die Blickrichtung eines Auges von der Achse des zweiten Auges ab, spricht man von Schielen (Strabismus).
Ein Objekt wird somit nur von einem Auge gesehen, während das Zweite in eine andere Richtung schaut.
Hierdurch kommt es zu einer Stärkung des normal gerichteten Auges, das fehlgestellte Auge weist Schwächen
auf.
Abweichungen des Auges sind in alle Himmelsrichtungen möglich, wobei sich das nach außen oder nach innen
gedrehte Auge besonders häufig zeigt. Nahezu sieben Prozent der Bevölkerung leiden an einer Fehlstellung der Augen,
die unterschiedliche Ursachen hat und nicht immer erkrankungsbedingt auftritt.
Das latente Schielen (Heterophorie) beschreibt keine Störung im eigentlichen Sinne. Nahezu 70
Prozent aller Menschen weisen die Heterophorie auf, bei der ein Ungleichgewicht der Augenmuskulatur vorliegt,
welches durch eigene Kraft (Fusionskraft) aber ausgeglichen werden kann und somit nicht zum Vorschein kommt. Nur
unter bestimmten Voraussetzungen bzw. in speziellen Situationen geht die Fusionskraft verloren, der Betroffene
schielt. Dies zeigt sich z.B. nach vermehrtem Alkoholgenuss oder bei ausgeprägter Müdigkeit, wo es zu einem leichten
Kontrollverlust kommt.
Das manifeste Schielen zeichnet sich durch die Dominanz eines Auges aus. Wird ein Objekt fixiert, folgt ein Auge
dieser Richtung, während das zweite Auge in eine andere Richtung blickt. Bedeckt man das fixierende Auge, richtet
nun das andere Auge seinen Blickwinkel auf dieses Objekt. Beim manifesten Schielen unterscheidet man das nach innen
schielende und das nach außen schielende Auge, zusätzlich kann die Höhe beider Augen (Pupillen) variieren.
Beim begleitenden Schielen (konkomitantes Schielen = Strabismus concomitans, Heterotropie)
bleibt der Unterschied beider Augen immer konstant im gleichen Winkel, unabhängig von der Blickrichtung.
Vereinfacht bedeutet dies, dass das schielende Auge dem anderen immer folgt. Die Heterotropie zeigt sich
vornehmlich in den ersten beiden Lebensjahren und tritt schon mit Geburt auf. Wie beim latenten Strabismus liegt
hier ein gestörtes Gleichgewicht der Augenmuskulatur vor.
Kommt es zu einer Lähmung eines oder mehrerer Augenmuskeln, tritt das inkomitante Schielen (Strabismus
paralyticus) auf, bei dem sich der Schielwinkel mit einem Blickwechsel ändert. Ursachen für die Lähmung können u.a.
Muskelerkrankungen, Durchblutungsstörungen,
Entzündungen oder Tumoren im Augenbereich sein.
Die Symptomatik ist nicht sonderlich stark ausgeprägt. Besonders beim latenten Schielen zeigen sich eher selten
Beschwerden (nur bei ca. 10 Prozent der Betroffenen). Hier kann es zu Kopfschmerzen und einer kurzfristig verminderten Sehkraft
(verschwommene Wahrnehmung, Doppelbilder) kommen. Das konkomitante Schielen kann zu Weitsichtigkeit oder Schwachsichtigkeit
(Amblyopie) des betroffenen Auges führen, zeigt sich meist aber symptomarm, weshalb es meist erst spät
diagnostiziert wird. Fehlstellungen der Augen durch Lähmungserscheinungen führen zu Schwindel, Übelkeit und Brechreiz. Z.T. zeigen sich Doppelbilder und die Betroffenen
versuchen, durch Schiefhalten des Kopfes die Schwäche auszugleichen.
Allgemein kann es zu zittrigen, brennenden, tränenden oder übermüdeten Augen kommen. Daneben zeigen sich
Konzentrations- und Lesestörungen, vermehrtes Blinzeln sowie Orientierungsprobleme und Geschicklichkeitsprobleme
(z.B. Danebengreifen bei Gegenständen oder Danebentreten beim Ballschuss).
Zur Verhinderung einer Schwachsichtigkeit muss die Fehlstellung
des Auges schnellstmöglich therapiert werden, bei zu später Diagnose bleibt das schielende Auge irreparabel
geschädigt. Bereits im Kindesalter erfolgt die Behandlung mit einer ausgleichenden Brille, dem längerfristigen
Abdecken des gesunden Auges (Okklusionspflaster) sowie einer Operation. Ziel ist es, die Fehlstellung des
schielenden Auges zu beheben sowie dieses soweit zu stärken, dass es wie das gesunde Auge funktioniert. Bei der
anschließenden Operation werden zu kurze Augenmuskeln durchtrennt und der physiologischen Muskellänge angepasst, so
dass das schielende Auge wieder zur Mitte hin wandert.

|