Amblyopie - Die Schwachsichtigkeit nur eines
Auges
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Als Amblyopie (aus dem griechischen für "stumpfes Auge") wird eine dauerhafte Sehschwäche eines
Auges (selten auch beide Augen) bezeichnet, die auf einer Fehlentwicklung des Sehsystems während
der kindlichen Entwicklung beruht.
Die Fähigkeit, die Umgebung mit beiden Augen (binokular) wahrnehmen zu können, entwickelt sich in den ersten
sechs Lebensjahren.
Hauptverantwortlich für eine physiologische Ausbildung ist das Gehirn, welches sich in unterschiedliche Bereiche
für die verschiedenen Fähigkeiten des Menschen gliedert. Der visuelle Cortex dient z.B. dem Sehen. Kommt es zu
Störungen in diesem Bereich, wirkt sich dies auch auf die Sehfähigkeit aus, u.a. kann dies zu einer
entwicklungsbedingten Schwachsichtigkeit (Amblyopie) führen.
Ca. 50 Prozent aller Fälle sind durch Anisometropie (unterschiedliche Fehlsichtigkeit beider Augen, z.B. ein
Auge normalsichtig, das andere weitsichtig) bzw. Ametropie (Fehlsichtigkeit, z.B. Kurzsichtigkeit) verursacht. Daneben gilt die Amblyopie als häufigster durch Schielen (Strabismus) verursachter Schaden (ebenfalls nahezu 50 Prozent).
Durch Reizunterdrückung (partielle / vollständige Reizdeprivation) versucht das Gehirn, die durch das
fehlblickende Auge erhaltenen Informationen auszublenden und somit eine Doppelprojektion von fixierten Gegenständen
zu vermeiden (hier sind bereits die ersten Monate nach Geburt prägend). Durch die Unterdrückung werden im Gehirn
nur noch die Zellen des normalsichtigen Auges gereizt und entwickelt, was dazu führt, dass im Verlauf nur noch mit
dem gesunden Auge gesehen wird, während die Funktion des schielenden Auges immer weiter eingeschränkt wird (Zellen
für das binokulare Sehen werden nicht ausgebildet). Unbehandelt kann es so zu einem irreparablen Verlust der
Sehkraft des betroffenen Auges kommen.
Bedingt durch die Vernetzung des visuellen Apparates mit Gehirnzellen (die Ausprägung und Reifung aller
Gehirnzellen erfolgt in den ersten Lebensjahren) zeigt sich eine Amblyopie nur im Kindesalter. Beim Erwachsenen
sind sämtliche Gehirnregionen vollständig ausgebildet, die Zellen bedürfen hierfür keiner weiteren Information und
können somit durch Schielen auch nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Hier führen Fehlstellungen der Augen zu
den Doppelbildern, die in der Kindheit vom Gehirn unterdrückt werden.
Neben Strabismus, Anisometropie und Ametropie als Ursachen einer Amblyopie kann u.a. auch der angeborene
graue Star (Cataracta congenita / connatale) zu Schwachsichtigkeit
führen und stellt eine Indikation zur sofortigen Therapie nach Geburt dar. Daneben gelten auch die kindliche
Ptosis (Lidsenkung, hängendes Lid), perinatale Komplikationen,
Frühgeburt sowie familiäre Prädisposition als Risikofaktoren.
Die Therapie setzt in den ersten Monaten vor allem auf die Abdeckung des gesunden Auges mittels
Okklusionspflaster. Da gerade kurz nach der Geburt eine spezielle Prägung und Ausbildung aller Gehirnzellen
erfolgt, muss diese Methode unter ständiger ärztlicher Kontrolle in abgestimmten Rhythmen erfolgen.
Das geschwächte Auge soll so gezwungen werden, alle Reize vollständig aufzunehmen, hierdurch eine physiologische
Entwicklung der Rezeptoren im Gehirn zu bewirken, um letztendlich das binokulare Sehen zu ermöglichen. Zusätzlich
werden in den ersten Jahren Sehhilfen verordnet, die auf die jeweilige Fehlsichtigkeit abgestimmt sind.
Eher selten erfolgt bereits im Kleinkindalter ein operativer Eingriff (nur bei schwerwiegenden Fällen). Je
früher die richtige Diagnose gestellt wird, um so besser sind die Heilungserfolge.

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