Insulinom: Ursachen, Symptome
und Therapie
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Das Insulinom ist der häufigste neuroendokrine Tumor des Pankreas (ca. 70 Prozent), wobei über 90 Prozent gutartig
sind und die Wucherungen sich nur isoliert präsentieren. Der Tumor zeigt sich vornehmlich in späteren
Lebensjahrzehnten.
Über 50 Prozent aller Erkrankungsfälle werden nach dem 50. Lebensjahr diagnostiziert. Das Insulinom weist eine
Geschlechtsspezifität auf (Frauen erkranken ca. doppelt so oft) und lässt sich im frühen Stadium und bei Ausschluss
einer Malignität gut behandeln. Obwohl das Insulinom als häufigster neuroendokriner Tumor gilt, ist er dennoch eher
selten zu finden:
Die Inzidenz liegt bei 0,5 Erkrankungsfällen pro 100.000 Einwohner.
Kurz etwas zur Lage und Funktion der Bauchspeicheldrüse:
Die Bauchspeicheldrüse liegt retroperitoneal vor der Wirbelsäule in direkter
Nachbarschaft zu Magen und Darm. Sie lässt sich in drei Abschnitte unterteilen, in Kopf, Körper sowie Schwanz und
dient der Produktion und Sekretion von Verdauungsenzymen (exokrine Funktion, lokalisiert im Kopf) sowie der
Regulierung des Eiweiß-, Fett- und Zuckerhaushaltes durch Trypsin, Amylase, Chymotrypsin, Insulin und Glukagon
sowie weiteren Hormonen (= endokrine Funktion).
Das lebensnotwendige Insulin wird im Bereich des Schwanzes (Cauda), und hier in den Langerhans-Inselzellen
(B-Zellen) gebildet. Es senkt den Zuckerhaushalt als Gegenspieler des Glukagons.
Was passiert bei einem Insulinom?
Durch Entartung der B-Zellen in Form eines Insulinoms werden Unmengen an Insulin gebildet, die den
physiologischen Kreislauf empfindlich beeinträchtigen. Hierdurch kommt es zu einer Unterzuckerung (Hypoglykämie),
die durch das Glukagon nicht mehr aufgefangen werden kann.
Ursachen
Die Ursachen für die Entstehung des Insulinoms sind in der Schulmedizin noch nicht geklärt. Man findet die
Entartung jedoch vermehrt im Rahmen des MEN-Syndroms Typ I (Wermer-Syndrom), einer genetisch bedingten
(autosomal-dominant vererbten) multiplen endokrinen Neoplasie, die vor allem die Hypophyse, das Pankreas und die
Nebenschilddrüse befällt.
Symptome
Die Klinik weist drei typische Symptome (Whipple-Trias) auf, die allesamt der hohen Insulinpräsenz zuzuordnen
sind. Die Trias besteht aus der rasch einsetzenden Unterzuckerung nach körperlicher Anstrengung
oder nach langen Hungerperioden, dem niedrigen Blutzuckerspiegel sowie der schnellen
Besserung der Symptomatik nach Glukosezufuhr.
Betroffene klagen über Müdigkeit,
Leistungsabfall, Schweißausbruch, Körperzittern, Herzklopfen oder Herzrasen (Tachykardie), Palpitationen (= ungewöhnliche
Herzempfindungen), plötzliche Heißhungerattacken, Übelkeit und Brechreiz (Nausea), Sprach- oder Sehstörungen, Lähmungserscheinungen, Krämpfe oder auch Eintrübungen des Geisteszustandes. Der
Zuckerspiegel sinkt dabei auf Werte unterhalb von 50 mg/dl. Bei weiterem Abfall droht der hypoglykämische Schock,
ein lebensbedrohlicher Zustand mit Verlust des Bewusstseins und unterschiedlich ausgeprägtem Organversagen.
Eine permanente Zufuhr von Kohlenhydraten überdeckt die Symptomatik, führt dabei gleichzeitig zu einer
Gewichtszunahme. Bei normaler Ernährung kommt es täglich immer wieder zu einem akuten Abrutschen des
Zuckerspiegels, so dass die Lebensqualität stark beeinträchtigt ist. Hierbei zeigt sich das umgekehrte Phänomen des
langsamen Gewichtsverlustes, welches durch die
anabole Wirkung des Insulins vermittelt wird.
Diagnose
Die ausgeprägte Klinik lässt rasch erste Vermutungen zu, die in Richtung Insulineinfluss tendieren. Sichere
Erkenntnisse liefert unter anderem der Fastentest, bei dem der Betroffene so lange keine Nahrung erhält (maximal
drei Tage), bis der hypoglykämische Zustand erreicht ist. Während dieser Zeit werden die wesentlichen
Laborparameter (Blutzucker, Insulinkonzentration, C-Peptid) regelmäßig kontrolliert. Liegt ein Insulinom vor, zeigt
sich der typische Blutzuckerabfall bei weiterhin hoher Insulinkonzentration.
Zusätzlich zum Test werden bildgebende Verfahren genutzt. Die Sonographie des Bauchraumes stellt die
Bauchspeicheldrüse und mögliche Veränderungen dar. Zur detaillierten Lokalisation werden MRT und CT genutzt.

Therapie
Mittel der Wahl einer schulmedizinischen Therapie ist die operative Entfernung. Dabei kann eine Teilexzision
oder Totalresektion der Bauchspeicheldrüse erfolgen, je nach vorliegendem Befund. Bedingt durch die Gutartigkeit
der meisten Insulinome sind Metastasen eher selten, so dass sich die Prognose günstig gestaltet.
Eine Entfernung des Organs bedeutet im Anschluss die Notwendigkeit der oralen Substitution der fehlenden Hormone
und Enzyme. In einigen Fällen muss der Zuckerhaushalt durch Injektionen oder Infusionen regelhaft gehalten
werden.
Bei Nachweis von Metastasen werden in der Schulmedizin generell auch Chemotherapie oder
Bestrahlungstherapie angewandt. Zum Teil werden beide Verfahren auch miteinander kombiniert.
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