Blasenerkrankungen - Verständlich Erklärt

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Lage und Aufgabe der Blase

Die Harnblase (vesica urinaria) liegt im vorderen Unterbauch im kleinen Becken. Bei der Frau befindet sich die Blase schräg vorne unter der Gebärmutter, beim Mann liegt sie vor dem Enddarm (rectum) und über der Prostata. Nach oben hin ist die Blase vom übrigen Bauchraum durch das Bauchfell getrennt. Die Blase ist ein sogenanntes Hohlorgan. Sie ist ein Sack aus Muskelgewebe, der je nach Füllung größer oder kleiner ist.

Eine Aufgabe der Blase ist es, den Harn zu speichern. Dieser wird in den Nieren produziert und über die beiden Harnleiter (ureter) in die Blase transportiert. Eine weitere Aufgabe besteht darin, den Urin auszuscheiden. Dazu ziehen sich die Muskeln der Blasenwand zusammen und befördern den Harn über die Harnröhre aus dem Körper.



Blasenentzündung (Zystitis)

Die Zystitis ist eine der häufigsten Blasenerkrankungen. Die Entzündung wird meist durch Bakterien ausgelöst, die durch die Harnröhre in die Blase gelangen. Frauen sind von einer akuten Zystitis weit öfter betroffen als Männer. Der Grund dafür liegt in der Anatomie der Frau. Die Harnröhre im weiblichen Körper ist sehr viel kürzer als im männlichen und so haben Bakterien einen kürzeren Weg in die Blase. Außerdem ist der Ausgang der Harnröhre näher am After gelegen, wodurch die dort vorkommenden Bakterien leicht in die Harnröhre gelangen können. Bakterien in der Blase führen zu einer Entzündung der Schleimhaut. Der Betroffene leidet unter ziehenden Unterleibsschmerzen und häufigem Harndrang. Dabei ist jeder Toilettengang mit schmerzhaftem Brennen verbunden und obwohl der Patient das Gefühl einer vollen Blase hat, scheidet er nur ein paar Tropfen Urin aus. Manchmal findet man ein wenig Blut im Urin.
Der Arzt stellt die Diagnose Zystitis mit Hilfe der genannten Symptome und mit einer labortechnischen Urinuntersuchung. Häufig wird ein Antibiotikum verschrieben, vor allem wenn die Blasenentzündung chronisch auftritt. Bei schwächeren Entzündungen können auch pflanzliche Mittel helfen. Die Heilung wird unterstützt durch Warmhalten des Beckens und vor allem durch häufiges Trinken. Durch eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme werden die Harnwege gut gespült und Bakterien nach außen geleitet.

Inkontinenz

Kann das Ausscheiden des Urins nicht willentlich zurückgehalten und kontrolliert werden, so spricht man von Harninkontinenz. Diese Funktionsstörung wird durch unterschiedliche Ursachen hervorgerufen und tritt in verschiedenen Formen auf. Es gibt die Dranginkontinenz, die auch als Reizblase bezeichnet wird, bei der man einen ständigen Harndrang verspürt obwohl die Blase nicht voll ist. Urin geht unkontrolliert ab. Der Grund dafür ist entweder eine Überaktivität der Blasenmuskeln oder eine Übersensibilität der Schleimhaut.
Die Belastungsinkontinenz wird durch körperliche Anstrengung ausgelöst und Urin geht ab, ohne dass vorher Harndrang verspürt wurde. In diesem Fall ist meist der Schließmuskel der Blase zu schwach, um den Ausgang abzudichten. Bei Überlaufinkontinenz wird die Blase voll, aber die Muskeln reagieren nicht. Somit geht kontinuierlich unkontrolliert Urin tröpfchenweise ab. Der Betroffene hat zwar die Wahrnehmung der vollen Blase, kann sie aber nicht willentlich entleeren. Schließlich tritt noch die Reflexinkontinenz auf, bei welcher sich die Blasenmuskeln unwillkürlich zusammenziehen, obwohl vorher kein Harndrang zu verspüren war und die Blase auch nicht voll ist. Je nach Art der Inkontinenz kann dem Betroffenen beispielsweise mit Training der Beckenbodenmuskulatur, mit Medikamenten, mit gezieltem Toilettentraining oder auch mit einer Operation geholfen werden.

Blasentumor

Es gibt gutartige und bösartige Blasentumoren. Beide verursachen zunächst ähnliche Symptome, wie beispielsweise Schmerzen im Unterleib und beim Wasserlassen, Schwierigkeiten Harn abzulassen oder eventuell Blut im Urin. Beide Arten kommen eher in höherem Alter vor. Ein gutartigen Tumor kann durch eine Operation entfernt werden und die Funktion der Blase ist danach meist wieder hergestellt. Ein bösartiger Tumor (Blasenkarzinom) bedarf ebenfalls der Operation, allerdings sind nach dem Eingriff eine Strahlen- und/oder Chemotherapie nötig. Wichtig beim Blasenkarzinom ist die Früherkennung und die Behandlung in einem frühen Stadium, damit eine Streuung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) verhindert wird.

Beschwerden beim Wasserlassen (Miktionsstörungen)

Treten beim Entleeren der Blase Beschwerden auf, so kann das je nach Art der Beschwerden verschiedene Ursachen haben. Sehr oft liegt eine Entzündung der Blase oder eine Entzündung der Harnwege vor. Man verspürt Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen und hat Schwierigkeiten die Blase zu entleeren (Dysurie). Eine weitere Störung ist häufiger Harndrang (Pollakisurie), d.h. man muss oft zur Toilette, scheidet aber nur geringe Mengen an Urin aus.
Eine erhöhte Urinmenge (Polyurie), eine verminderte Urinmenge (Oligurie) oder eine verschwindend kleine Urinausscheidung (Anurie) kann der Hinweis auf eine Herzerkrankung oder Nierenerkrankung sein.
Eine andere Störung ist nächtlicher Harndrang (Nykturie). Der Betroffene wacht mehrmals in der Nacht durch den Blasendruck auf und muss zur Toilette gehen. Bei diesem Symptom ist eine Störung der Blase möglich, aber auch Herzerkrankungen lösen Nykturie aus.
Akuter Harnverhalt ist die Unfähigkeit Harn abzulassen. Man verspürt Harndrang, kann aber die Blase nicht entleeren. Eine Ursache dafür kann eine Infektion sein, entweder der Blase oder der Prostata. Ein weiterer möglicher Grund ist die Einnahme bestimmter Medikamente, die dieses Symptom als Nebenwirkung auslösen. Außerdem kann das Abfließen des Harns behindert sein, sei es durch Blasensteine, einen Tumor oder Prostatavergrößerung.

Blasensenkung

Die Blasensenkung (Descensus vesicae) ist eine Verlagerung der Blase nach unten (Richtung Beckenboden) und hinten hin. Da die männliche Harnblase zusätzlichen durch die Prostata gestützt wird, kommt es nahezu ausschließlich bei der Frau zu dieser Störung. Die Blasensenkung tritt vor allem im fortgeschrittenen Lebensalter (ab den Wechseljahren) auf und geht meist einher mit einer veränderten Beckenbodenmuskulatur. Daneben können auch hormonelle Faktoren eine wesentliche Rolle spielen.

Blasensteine

Blasensteine sind feste Gebilde, die aus Mineralsalzen entstehen. Diese Salze kommen im Harn vor, wo sie sich verdichten, absetzen und zu harten Klumpen werden.
Wenn sich die Harnsteine direkt in der Blase bilden, nennt man sie primäre Blasensteine. Bilden sie sich in den Nieren und wandern dann über den Harnleiter in die Blase, so spricht man von sekundären Blasensteinen. Ursache für die Bildung von Harnsteinen können beispielsweise Entzündungen, zu geringe Flüssigkeitszufuhr, schlechte Ernährung oder ein dauerhafter Blasenkatheter sein. Blasensteine verursachen oft kolikartige Unterleibsschmerzen, sowie Schmerzen beim Wasserlassen oder auch Blut im Urin. Wenn die Steine noch klein sind, ist es möglich, dass sie von alleine durch die Harnröhre abgehen. Sind sie zu groß, werden sie unter örtlicher Betäubung in einer Blasenspiegelung mit Ultraschall zerkleinert und dann entfernt. Manchmal ist auch eine Operation unter Vollnarkose nötig.

Reizblase

Wenn häufiger Harndrang verspürt wird, obwohl die Blase nicht voll ist, so spricht man von einer Reizblase. Diese Erkrankung gehört zu den Blasenspeicherstörungen. Dabei muss der Betroffene immer wieder und sehr plötzlich zur Toilette, weil er das Gefühl einer vollen Blase hat. Die Menge des ausgeschiedenen Urins ist aber sehr gering, manchmal sind es nur ein paar Tröpfchen. Nach dem Wasserlassen tritt kein erleichtertes Gefühl ein. Es gibt körperliche Ursachen für die Reizblase, wie beispielsweise eine Fehlsteuerung des Blasenmuskels, eine Entzündung oder Hormonschwankungen. Doch auch psychische Belastungen, wie Stress oder Probleme sind mögliche Auslöser einer Reizblase. Als Therapie werden Medikamente eingesetzt, aber auch Psychotherapie und gezieltes Blasentraining kann helfen.

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 06.06.2012 aktualisiert