Analvenenthrombose: Ursache, Symptome und Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Mit dem Begriff Analvenenthrombose werden in der Medizin sichtbare, blau-rot verfärbte, schmerzhafte Knoten im Bereich des äußeren Schließmuskels am After (Anus, Darmausgang) bezeichnet. Sie sind den Hämorrhoiden sehr ähnlich, weshalb es auch zu Verwechslungen kommen kann, haben aber keinen direkten Bezug zueinander. Hämorrhoiden sind von Schleimhaut bedeckt während die Knoten der Analvenenthrombose von Haut überzogen sind.

Häufig verwendete Synonyme für eine Analvenenthrombose sind Analthrombose, Perianalvenenthrombose oder perianale Thrombose. Es handelt sich dabei um ein Gerinnsel der subkutan verlaufenden Venen des Plexus venosus rectalis.

Der Plexus (Geflecht) umschließt den After als zusätzliche „Dichtung“, bildet dabei auch die Gefäßanteile des Plexus haemorrhoidalis und setzt sich aus drei unterschiedlichen Venenanteilen zusammen (Vena rectalis superior, Venae rectales inferiores und Venae rectales mediae). Von anatomischer und medizinischer Bedeutung ist, dass dieses Venensystem zum einen das gesammelte Blut über die Pfortader, zum anderen über die Vena cava inferior zum Herzen zurückführt. Eine Besonderheit, die u.a. der Differentialdiagnose und auch dem Nachweis von Hämorrhoiden oder dem Kolonkarzinom dienen kann.

Bei der Analvenenthrombose kommt es akut (innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden) zur Bildung von erbsen- bis pflaumengroßen Knoten am äußeren (hauptsächlich sichtbaren) Afterrand. Sie sind gefüllt mit venösem Blut, welches durch unterschiedliche Ursachen im Abfluss behindert ist (Thrombose). Die geschwollenen Gefäßanteile sind bläulich-rot verfärbt und verursachen starke Schmerzen, vor allem bei der Defäkation (Stuhlgang). Die Anzahl der Knoten variiert, in manchen Fällen ist nur ein Knoten sichtbar, in anderen Fällen kann der gesamte Darmausgang verlegt sein.

Je stärker die Füllung mit Blut, desto gespannter ist die äußere Gewebehülle. So kann es bei starker Manipulation (z.B. erschwerte Defäkation bei hartem Stuhlgang, Reiben mit Toilettenpapier) auch geschehen, dass ein Knoten aufplatzt und blutet (nur bei älteren Knoten). Zusätzliche Beschwerden können ein unstillbarer Juckreiz, Schwellungen (Ödeme) im Bereich der Knoten sowie ein Brennen, Stechen, Druck- oder Spannungsgefühl im Analbereich sein.

Fünf Prozent aller Menschen mit proktologischen Beschwerden leiden unter einer Analvenenthrombose. Die Beschwerden treten vermehrt im mittleren Alter auf, wobei Männer gut zwei Mal häufiger betroffen sind.

Die Virchow-Trias beschreibt die Entstehung einer Thrombose. Prädisponierend sind eine Veränderung der Gefäßwandstruktur, eine Veränderung der Blutzirkulation (Hämodynamik) sowie eine veränderte Blutzusammensetzung. Angewendet auf eine Analvenenthrombose verursachen vermutlich vergrößerte Hämorrhoidalpolster im Bereich des Venenplexus die veränderte Blutzirkulation.

Ursachen

Zu den auslösenden Faktoren (Ursachen), zählen vor allem thermische Einflüsse (z.B. Sitzen auf nassem Untergrund, Aufenthalt in feuchtwarmen Regionen), die starke körperliche Belastung (Heben schwerer Gegenstände, Ausdauersport), Radfahren (Reibung oder Druck durch den Sattel), starkes Husten, vermehrtes Pressen bei der Defäkation, der Geburtsvorgang bei der Frau (durch das Pressen), die Menstruation (bedingt durch eine Veränderung im Hormonhaushalt), proktologische Untersuchungen oder auch Analverkehr. Zusätzlich begünstigen ein übermäßiger Alkoholkonsum, der Genuss von Nikotin sowie der häufige Verzehr scharfer Speisen die Entstehung.

Die Analvenenthrombose stellt keinen lebensbedrohlichen Zustand für den Betroffenen dar. Jedoch ist dessen Lebensqualität vielfach deutlich eingeschränkt. Meist sind es die starken Schmerzen oder auch die Verunsicherung bei plötzlichen Blutauflagen im Stuhl, die zu einer Abklärung beim Arzt führen.

Diagnose

Zur Diagnose reichen meist Inspektion und Palpation (Abtasten der Knoten) aus. Liegen die Knoten mehr im Innenraum, nutzt der Mediziner zusätzlich ein Spekulum oder ein Proktoskop (Gerät zur Spiegelung des Analkanals). Die Entnahme einer Biopsie dient u.a. der differentialdiagnostischen Abklärung. Hier sind vor allem Hämorrhoiden, Analfibrome (gutartige Geschwülste), Abszesse, Marisken (erschlaffte Hautfalten), das Melanom sowie das Analkarzinom auszuschließen.

Therapie

In der Regel sieht die Schulmedizin bei einer Analvenenthrombose keine  spezielle Therapie vor. Die Knoten gehen meist eigenständig zurück und sind nach einigen Tagen bis Wochen nicht mehr sichtbar. Bei einer Beeinträchtigung der Lebensqualität des Betroffenen bieten sich vor allem „konservative“ (üblichen) schulmedizinischen  Behandlungsmethoden an. Hierzu zählen Sitzbäder, Salben, Cremes oder Gele mit antiphlogistischer (entzündungshemmender) oder anästhesiologischer (betäubender) Wirkung. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie eine ausgewogene Ernährung unterstützen die Defäkation (der Stuhl bleibt geschmeidig). Die betroffenen Hautareale sollten nach dem Gang zur Toilette nur abgetupft werden, ein starkes Reiben oder Wischen ist zu vermeiden. Der Genuss von Alkohol, Nikotin und scharfen Gewürzen ist kontraindiziert, sprich wegzulassen. Das Tragen nicht einengender Kleidung kann den Heilungsprozess ebenfalls unterstützen.

Operationen

Operative Maßnahmen kommen dann in Betracht, wenn die Knoten sehr groß sind (und so z.B. den Darmausgang verlegen) oder wenn sie zu Blutungen neigen. Unter lokaler Betäubung werden die Knoten mittels Stichinzision eröffnet und deren Inhalt (Blutkoagel) herausgedrückt. Der Wundbereich bleibt geöffnet, meist mit Einlage einer lokal betäubenden Tamponade. Nach ein bis zwei Tagen erfolgt die erneute Inspektion mit Entfernung der Einlage.
 Ältere Knoten (mehr als fünf Tage alt) werden z.T. vollständig entfernt. Auch dies kann unter lokaler Betäubung erfolgen.

Prognose

In der Regel ist der Heilungsprozess (mit und ohne Therapie) nach zwei bis sechs Wochen abgeschlossen, in Einzelfällen auch erst nach einigen Monaten. Die Prognose ist sehr gut, es bleiben keine Schäden, das Gewebe bildet sich meist vollständig zurück. Bei Inzision der Knoten ist die anschließende Vernarbung kaum zu sehen oder zu fühlen.

In einigen Fällen kommt es (vor allem nach konservativer Therapie) zur Bildung von sog. Marisken. Das durch die Thromben deutlich überdehnte Gewebe ist hierbei nicht mehr in der Lage, sich vollständig zurückzubilden (z.B. bei Kollagenfaserstörungen oder im fortgeschrittenen Lebensalter). Es bilden sich schlaffe Hautfalten aus, die in der Regel keinerlei Beschwerden verursachen. Sie können aber als störend empfunden werden. Unter anderem aus ästhetischen Gründen oder bei Beeinträchtigung der Analhygiene entscheiden sich einige Betroffene für die vollständige Entfernung. Dieser Eingriff kann unter lokaler Betäubung durchgeführt werden und ist kaum mit Risiken verbunden; in seltenen Fällen kommt es eventuell zu Wundheilungsstörungen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 26.03.2015 aktualisiert