Darmverschluss (Ileus) Ursachen - Entstehung - Therapie
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Bei einem Ileus (Darmverschluss) sind entweder der Dünndarm oder der Dickdarm durch
unterschiedliche Ursachen derart verschlossen, dass kein Darminhalt mehr weitertransportiert und ausgeschieden
werden kann. Der Verschluss stellt eine lebensbedrohliche Situation dar (Aufplatzen des Darms und Ausbreitung des
Darminhalts in die Bauchhöhle) und bedarf der sofortigen Behandlung.
Ein Ileus kann im Darmlumen selbst verursacht sein (= Obturation). Ist der Verschluss Folge eines Drucks oder
einer Einschnürung von außen, spricht der Mediziner von einer Okklusion.
Verschiedene Arten eines Darmverschlusses (Ileus)
Zu unterscheiden sind der mechanische und der paralytische (funktionelle)
Ileus.
Der mechanische Ileus wird durch ein Hindernis verursacht. Dieses kann im Darmlumen selbst
liegen oder durch Veränderungen der Darmumgebung entstehen. Besonders oft kommt es zu einem Verschluss infolge von
Narbenverwachsungen (= Bridenileus). Durch frühere operative Eingriffe entstehen Narben im Gewebe, die nicht immer
ordentlich verheilen, sondern Wülste, Verwachsungen und Verklebungen ausbilden, die auf den Darm drücken oder
diesen umschließen und ihn einschnüren. Ein ähnliches Bild zeigt sich nach durchlebter Bauchfellentzündung
(Peritonitis).
Ab dem 40. Lebensjahr sind vermehrt Gewebewucherungen im oder am Darm für einen Verschluss verantwortlich. Das
Kolonkarzinom ist ein bösartiger Tumor, der sich vorwiegend im absteigenden Anteil (Colon descendens)
entwickelt, daneben aber auch die anderen Anteile befallen kann. Über 60 Prozent der bösartigen Tumoren bilden sich
im Mastdarm (Rektumkarzinom). Weitere Gründe für einen mechanischen Ileus sind der Leistenbruch (Hernie, führt
dazu, dass sich Darmanteile durch die Bauchwand pressen und so abgeschnürt werden), die Einstülpung (Invagination,
ein Darmabschnitt stülpt sich in den nachfolgenden), chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), die Divertikulitis, Fremdkörper (z.B. verschluckter Bauklotz, Haarknäuel), Kotsteine,
Gallensteine oder auch Würmer (die sich zu Knäuel zusammenfügen). Bei Neugeborenen oder Kleinkindern spielen
genetische Anomalien, eine Verdrehung von Darmschlingen oder auch sehr harte Kotfragmente (Mekonium) eine
wesentliche Rolle bei der Entstehung eines Ileus.
Der paralytische Ileus ist gekennzeichnet durch die plötzliche Lähmung der Darmperistaltik.
Diese kann durch verschiedene Ursachen entstehen. Ein wesentlicher Faktor ist die gestörte Durchblutung
(Durchblutungsstörungen),
z.B. als Folge einer Verletzung oder arteriosklerotischer Veränderungen. Dieser als Mesenterialinfarkt
bezeichnete Zustand führt zu einem Absterben der minder durchbluteten Darmregionen. Operationen im Bauchraum
stellen ebenfalls eine große Gefahr für den Darm dar. Der Darm reagiert empfindlich gegenüber Manipulationen von
außen, er stellt bei Unregelmäßigkeiten seine Tätigkeit ein und muss erst wieder einen Anreiz erhalten, um
physiologisch zu arbeiten. Ein nicht regelhaft funktionierender Darm innerhalb der ersten sieben Tag post OP
gilt als normal. Durch eine frühzeitige Mobilisation und schonende Kost versucht man, die Darmaktivität zu
fördern. Nicht immer gelingt dies, der Darm verharrt in der Paralyse, aufgenommene Nahrung staut sich und führt
zum Verschluss. Weitere Ursachen können Erkrankungen von Organen des Bauchraums sein (z.B. der Bauchspeicheldrüse, der Gallenblase, der
Nieren, des Herzens oder auch des Wurmfortsatzes = Appendix), Stoffwechselstörungen, Veränderungen des
Hormonhaushalts, eine Elektrolytverschiebung (viel Kalzium, wenig Kalium), Traumen (Unfälle, Verletzungen) sowie
einige Medikamente, die die Darmperistaltik beeinflussen (z.B. bestimmte Schmerzmittel).
Auch eine Kombination aus mechanischem und paralytischem Ileus ist möglich.
Symptome
Die Symptomatik richtet sich nach der Form des Darmverschlusses. Beim mechanischen Ileus staut sich der
Nahrungsbrei vor der verstopften Stelle im Darm. Hierdurch dehnt sich der Darm aus, Bakterien im Nahrungsbrei
können zu Entzündungen führen. Ohne Behandlung führt die Größenzunahme der Darmwand zu einem Aufreißen, wodurch der
Inhalt in die Bauchhöhle gelangt und dort lebensbedrohliche Entzündungen hervorruft. Während des Anschwellens des
Darms verspüren Betroffene ein Völlegefühl. Hinzu kommen die fehlende Ausscheidung, Blähungen im Darm ohne Abgang von Winden und
kolikartige Bauch -Krämpfe, die im Verlauf an Intensität
zunehmen. Durch die gestaute Nahrung entstehen vermehrtes Aufstoßen und Übelkeit, es kommt zu schwallartigem Erbrechen (auch von Darminhalt = Miserere). Die Entzündung des
Bauchraums durch einen perforierten Darm verursacht zusätzlich Fieber, es droht der Schock.
Bei einem paralytischen Ileus ist die Peristaltik vollständig gelähmt, die Nahrung wird nicht
weitertransportiert und führt, ähnlich der mechanischen Form, zu einer Schwellung (jedoch des gesamten Darms). Der
Bauchschmerz entwickelt sich langsamer und
verbleibt dann permanent. Typisch für den paralytischen Ileus ist das Fehlen von Darmgeräuschen (Darmatonie), bei
der Auskultation sind weder ein Glucksen noch Blähgeräusche wahrnehmbar. Ein Erbrechen von Darminhalt ist sehr selten. Auch hier ist eine
Perforation möglich.
Diagnose
Neben der Anamnese und körperlichen Inspektion führen vor allem die Palpation und Auskultation (z.B. Totenstille
beim paralytischen Ileus) zu ersten Vermutungen. Die Röntgenaufnahme im Stehen zeigt den angeschwollenen Darm,
dieser ist auch sonographisch darstellbar. Luft im Abdomen oder eine gespannte Bauchdecke deuten auf eine
Perforation hin. Durch Druck auf die Bauchdecke wird ein Schmerz ausgelöst, der bei Lösen des Drucks wieder geht (=
Loslas -Schmerz, Hinweis auf eine Perforation). Die
Laborauswertung dient dem Nachweis von z.B. Elektrolytverschiebungen
oder Entzündungsparametern. Erbrochenes kann auf die Zusammensetzung hin untersucht werden.

Therapie
Insgesamt muss die Abklärung zügig erfolgen, um weitere Erkrankungen zu vermeiden und vor allem eine drohende
Peritonitis abzuwenden. Bei beiden Formen ist ein stationärer Aufenthalt unumgänglich. Die Therapie des
mechanischen Ileus wird vorrangig konservativ gestaltet. Über eine Sonde wird der Darminhalt
abgesaugt, die Verlegung mittels einer Darmspülung, eines Einlaufs oder eines Rektoskops gelöst. Verloren gegangene
Nährstoffe und Flüssigkeiten werden dem Körper über Infusionen zugeführt. Zeigen die gewählten Maßnahmen keinen
Erfolg, muss operativ eingegriffen werden. Hierbei wird mittels Laparotomie oder Laparoskopie der betroffene
Darmanteil eröffnet und die Ursache entfernt. In ausgeprägten Fällen muss die betroffene Region exzidiert werden,
es erfolgt eine End-zu-End- oder End-zu-Seit-Anastomose der beiden Darmenden zur Wiederherstellung der Passage.
Auch bei einer Lähmung der Muskulatur versucht man zunächst konservative Maßnahmen. Hierbei verabreicht man
Medikamente, die die Darmperistaltik anregen sollen. Kommt es zu keiner Besserung der Symptomatik, erfolgt auch
hier die operative Korrektur.
Eine Indikation zur sofortigen Operation stellen alle Formen eines Ileus dar, die durch Strangulation oder
mangelnde Durchblutung verursacht werden, sowie eine drohende oder bereits erfolgte Perforation.
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