Divertikulitis - Symptome, Verlauf, Therapie und
Ernährung
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Der Begriff Divertikel beschreibt verschieden geformte Ausstülpungen eines Hohlorgans, z.B. des Darms, der
Speiseröhre oder der Harnblase, die entweder angeboren oder erworben sind. Sie liegen meist birnen- oder sackförmig
in Wandbereichen, die wenig Muskulatur aufweisen und damit dehnfähiger sind. Ist die gesamte Wand ausgestülpt,
spricht man von einem Divertikel, stülpt sich lediglich die Mucosa durch die darunter liegenden Wandschichten nach
außen, liegt ein Pseudodivertikel vor.
Die Divertikulitis ist eine Entzündung dieser Ausstülpungen und wird meist in Bezug zum Darm genannt. Sie zeigt
sich insgesamt bei gut 10 Prozent aller Menschen mit Divertikeln. Von einer Divertikulose spricht der Mediziner bei
einem vermehrten Divertikel-Vorkommen in einem bestimmten Darmabschnitt.
Divertikel finden sich sowohl im Dünn- als auch im Dickdarm und zeigen sich hauptsächlich als Pseudodivertikel.
Selten kommt es durch Dünndarmdivertikel zu Komplikationen wie z.B. Darmverschluss (Ileus) mit zusätzlicher
Fistelbildung, Perforation und Peritonitis. Das Meckel-Divertikel im Ileum des
Dünndarms, welches sich bei gut zwei Prozent aller Menschen finden lässt, bildet eine Sonderform und führt
häufiger zu Komplikationen. Im Bereich des Dickdarms finden sich bei gut 50 Prozent aller über 50jährigen
Pseudodivertikel vor allem im Sigma, die bei ca. 25 Prozent auch zu Beschwerden führen.
Die Divertikulitis entsteht meist in Abhängigkeit vom Lebensalter (selten bei unter 30jährigen, Zunahme mit dem
Alter) und vom Kontinent. Divertikel finden sich vor allem vermehrt in westlichen Kulturen. Altersbedingt kommt es
zu einem Gewebeabbau bzw. einer Veränderung des Kollagens in der Wandstruktur. Zusätzlich zeigen Stellen mit
Gefäßversorgung eine geringer ausgebildete Muskulatur. Durch einen erhöhten Druck im Darminneren kann es an
geschwächten Wandbereichen zu den Ausstülpungen kommen. Daneben spielt auch die Ernährung eine wesentliche Rolle.
Durch einen dauerhaften Verzicht auf ballaststoffreiche Nahrung sinkt die Produktion des Stuhls, er ist härter von
der Konsistenz und schrumpft durch den Wasserentzug weiter im Volumen (Vegetarier weisen seltener Divertikel auf).
Die Darmwand muss besonders viel Kraft aufwenden, um diese Fäkalien weitertransportieren zu können. So führen auch
häufige Verstopfungen (Obstipationen) zu einer
vermehrten Ausbildung.
Werden nun Ausstülpungen mit Stuhl gefüllt, verstopft bzw. wie mit einem Deckel verschlossen und ist die
geschwächte Darmwand nicht in der Lage, diese Situation durch ihre Peristaltik wieder zu normalisieren, kommt es zu
Entzündungen durch eine vermehrte Bakterienansammlung in den Ausstülpungen. Diese können zu Mikroperforationen mit
parakolischer (neben dem Darm) Entzündungsreaktion führen.
Während Dünndarmdivertikel nur selten schwere Symptome verursachen und hauptsächlich zu Völlegefühl oder
Durchfall (Diarrhoe), z.T. mit Fettauflagen führen
(sehr selten bildet sich auch eine Anämie aus), zeigt sich bei Dickdarmdivertikeln ein ausgeprägtes klinisches
Bild. Zu Beginn bleibt die Divertikulitis unbemerkt (symptomlos). Im Verlauf leiden Betroffene unter
linksseitigen, ziehenden Unterbauchschmerzen, die bis in den Rücken ausstrahlen können (ein Symptom, welches
einer akuten Appendizitis ähnelt). Der gesamte Unterbauchbereich ist druckdolent und gespannt. Es kommt zu
Appetitlosigkeit, Übelkeit, Völlegefühl, Erbrechen,
Blähungen, Verstopfungen oder z.T. blutigen Durchfall (Blut im Stuhl) sowie erhöhter Temperatur (Fieber).
Unbehandelt kann eine Divertikulitis zu schweren Komplikationen führen. Die Erkrankung gilt als häufigste
Ursache schwerer Gastrointestinalblutungen, die sich bei ca. 15 Prozent der Erkrankten zeigen. Daneben drohen
Abszessbildung oder Fistelbildung (Abzesse), Perforation (Durchbruch des Gewebes
mit Stuhlaustritt in den Bauchraum) und Peritonitis (Bauchfellentzündung).
Die Diagnose erfolgt anhand der Anamnese. Zusätzlich werden das Blutbild, Röntgenaufnahmen mit Kontrastmittel,
Rektoskopie (Rektosigmoidoskopie oder Koloskopie = Darmspiegelungsverfahren), Darmsonographie sowie bei schweren
Formen auch eine CT genutzt.
Je nach betroffener Darmregion wird der Therapieansatz gewählt. Eine Divertikulitis im Bereich des Dünndarms
bedarf meist keiner weitreichenden Behandlung. Fettstühle können medikamentös reguliert werden, die
Bakterienbesiedelung lässt sich durch ein geeignetes Antibiotikum eindämmen. Eine Divertikulitis im Dickdarm kann
häufig bereits durch eine Ernährungsumstellung therapiert werden. Hier helfen ballaststoffreiche Nahrungsmittel
sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Gegen Verstopfungen werden Abführmittel eingesetzt, zusätzlich erfolgt
die Gabe von schmerzlindernden Medikamenten. Konservative Behandlungsmethoden weisen eine Rezidivrate von ca. einem
Drittel auf.
Eine operative Therapie wird immer dann gewählt, wenn es zu Komplikationen kommt bzw. wenn diese drohen. Dann
erfolgt über eine Laparotomie (Bauchschnitt) die Entfernung des befallenen Darmabschnittes. Eventuell wird temporär
eine Darmableitung nach außen im Bauchdeckenbereich angelegt (Stoma / Anus praeter), um z.B. entzündete Bereiche,
die nicht entfernt wurden, ausheilen zu lassen.

|