Enteritis - Kolitis - Symptome - Verlauf - Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Bei den Darminfektionen ist zwischen einer Entzündung des Dickdarms- und einer Entzündung des Dünndarms zu unterscheiden.

Medizinisch bezeichnet man die Entzündung des Dünndarms als Gastroenteritis, die Entzündung des Dickdarms als Kolitis.

Die akute Gastroenteris

Ätiologie

Art und Heftigkeit der Symptome einer akuten Gastroenteritis hängen von der Beschaffenheit und Menge des Reizstoffes, der Dauer seiner Einwirkung, der Widerstandskraft des Betroffenen und schließlich davon ab, wie stark der Magendarmtrakt in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Die Krankheit beginnt plötzlich mit Unpässlichkeit, Anorexie (Gewichtsabnahme), Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfen, Darmkollern, Durchfall und Erschöpfungszuständen verschiedenen Ausmaßes. Ist der Durchfall sehr stark, kommt es zum Brennen im Mastdarm und zu schmerzhaftem Stuhldrang.

Bei schweren Fällen kann der Stuhl Blut und Schleim enthalten. Bei der akuten infektiösen Gastroenteritis tritt oft Fieber auf. Das Abdomen ist meist etwas aufgetrieben, wobei häufiger der Unterbauch als der Oberbauch druckempfindlich ist. Das Kollern im Darm ist meist mit dem Stethoskop hörbar, wenn keine Diarrhoe vorliegt. Dies ist ein für den Arzt wichtiges Merkmal für die Unterscheidung vom paralytischen Darmverschluss (Ileus).

Diagnostik

Meist findet sich schon bei der Anamnese die Aufnahme eines gastrointestinalen Reizstoffes oder eine Allergie auf ein verzehrtes Nahrungsmittel. Findet sich beim Blutbild eine erhöhte der Zahl eosinophiler Granulozyten, deutet dies auf eine Allergie oder eine parasitäre Infektion hin. Klingen die Symptome innerhalb von 48 Stunden ab, wird der behandelnde Arzt wahrscheinlich eine Stuhluntersuchung und Anlegen einer Stuhlkultur zur weiteren Diagnotik vornehmen.

Um die Differentialdiagnose einer Colitis ulcerosa (chronische Entzündung des Dickdarms) und Amöbenruhr zu erleichtern, kann eine Rektosigmoidoskopie (Spiegelung von Mastdarm und S-förmigem Dickdarm) hilfreich sein.

Therapie

Bei einer akuten Gastroenteris ist Bettruhe anzuraten. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass der Betroffene leicht eine Toilette erreichen kann. Solange Übelkeit und Erbrechen bestehen, sollte der Patient wenig Essen zu sich nehmen - meist hat dieser aber auch keinen Appetit, so dass diese Regel leicht einzuhalten ist. Sind diese Symptome abgeklungen, kann man leichte Kost, wie warme Suppen mit Salzzusatz, Bretzeln oder ähnliches zu sich nehmen. Grundsätzlich ist jedoch alles erlaubt, was der Patient gerne essen möchte. Besonders ist aber auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, um den Flüssigkeitsverlust, der durch den Durchfall entstanden ist, auszugleichen.

Die Kolitis

Der Ausdruck Kolitis bezeichnet entzündliche Prozesse im Dickdarm, wie die Colitis ulcerosa, die Amöben- oder Bazillenruhr. Die so genannte "spastische Kolitis" (Colitis mucosa) ist eine funktionelle Störung, die man besser als Reizkolonsyndrom bezeichnet.

Ätiologie

Die Ursache einer Kolitis ist unbekannt. Die Krankheit wird verschiedentlich auf spezifische bakterielle oder Virusinfektionen, auf psychogene Störungen mit nervös bedingten Spasmen, die den Dickdarm angreifen und eine bakterielle Infektion ermöglichen, auf eine Hypersensibilität gegenüber Nahrungsmitteln (zum Beispiel Lactose) oder einen Autoimmunprozess zurückgeführt, bei welchem der Organismus Antikörper gegen seine eigene Dickdarmschleimhaut bildet.

Pathologie

Die Krankheit beginnt mit Abszessen in den Krypten (Gänge der Mandeln), Hyperämie, Ödem, Thrombenbildung und Blutungen in die Darmmukosa (innerste Schicht der Darmwand) und -submukosa. Eine Rektoskopie zeigt eine feingranulierte Schleimhaut, oft mit verstreuten hämorrhagischen Stellen; minimale Traumen geben zu multiplen punktförmigen Blutungen Anlass. Kleine Abszesse können als kleine gelbliche Stellen erscheinen. Nach kurzen Zeit bricht die die Abszesse und Blutungen überdeckende Muskosa auf und bildet eine rote schwammige Fläche, auf welcher sich Tausende kleiner eiternder und blutender Geschwüre zeigen. Bei der weiteren Ausbreitung der Krankeit über die Muskosa beginnen die entzündlichen Prozesse und Blutungen auch auf die Muskulatur der Darmwand überzugreifen und diese zu zerstören. In schweren Fällen finden sich großflächige Schleimhautgeschwüre.

Aussicht auf Stillstand oder Heilung besteht in jedem Krankheitsstadium, doch wird selbst in leichten Fällen die Schleimhautstruktur nur selten wieder völlig normal. Das zurückbleibende Narbengewebe verleiht ihr ein körniges "pockennarbiges" Aussehen und macht sie so brüchig, dass leicht Blutungen auftreten können.

Symptomatik

Die Colitis ulcerosa kann in jedem Lebensalter auftreten, befällt aber beide Geschlechter am häufigsten im zweiten bis vierten Lebensjahrzehnt. Zwar kann sie auch plötzlich und fulminant auftreten, entwickelt sich aber meist langsam und schleichend, beginnend mit verstärktem Stuhlgang, leichten Krämpfen im Unterbauch oder mit blutigem Schleim im Stuhl. Weitet sich der Prozessweiter nach oben aus, so wird der Stuhl weicher, und schließlich kommt es zu 10-20 Entleerungen pro Tag, oft von schweren Krämpfen und quälendem Stuhldrang begleitet, auch während der Nacht. Die Ausscheidungen bestehen unter Umständen aus wässrigem, mit Eiter, Blut und Schleim gemischtem Stuhl, oft aber fast ausschließlich aus Eiter und Blut.

Allgemeinerscheinungen zu Beginn der Krankheit sind Anorexie (Gewichtsabnahme), mäßiges Krankheitsgefühl und leichte Temperaturerhöhung am Abend. Breitet sich die Entzündung aus, so treten wechselhaft hohes Fieber, schwere Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Anämie und rasche Entkräftung auf.

Beschränkt sich die Ulzeration auf das Rektum und Sigmoid, so sind die Fäzes manchmal normal, sogar eher zu hart und trocken, doch wird zwischen den Stuhlgängen aus dem Rektum Schleim abgesondert, der große Mengen weißer und roter Blutkörperchen enthält. Dabei zeigen sich keine oder nur geringfügige Allgemeinerscheinungen.
Bei der fulminanten Form kommt es zu massiven Durchfällen, schweren Krämpfen, hohem Fieber und hochgradiger Blutvergiftung. Die Ausscheidungen sind wässrig und enthalten übelriechenden, mit Schleim, Eiter und oft reichlich Blut vermischtem Kot.

Die objektiven Symptome sind spärlich. Zusätzlich zu den allgemeinen Zeichen einer Infektion lässt sich eine Druckempfindlichkeit des Abdomens, vor allem in den beiden unteren Quadranten feststellen. In schweren Fällen ist der Bauch aufgetrieben und tympanitisch.

Diagnose

Die Anamnese und eine entsprechende Stuhluntersuchung genügen im Allgemeinen für eine Verdachtsdiagnose, die dann durch einen Rektosigmoidoskopie und mittels Bariumkontrasteinlauf bestätigt wird. Auch eine Röntgenaufnahme oder Darmspiegelung kann den Verdacht untermauern.

Prognose

In manchen Fällen überlebt ein Patient einen rasch einsetzenden ersten Schub nicht, wobei die gewöhnliche Todesursache Verbluten, Perforation oder allgemeiner Kräfteverfall und die Blutvergiftung ist. Viel öfter jedoch verläuft die Colitis ulcerosa mit Remissionen und starker Symptomverschlimmerung. Solche wiederholten Anfälle schwächen den Betroffenen sehr und führen zu völliger oder teilweiser Invalidität. Etwa ein Viertel der Fälle heilt nach einem einzigen Schub vollständig aus.

Therapie

Die Therapie zielt darauf ab, den Darm weitestgehend zu entlasten und den Kräftezustand des Patienten zu stützen. Bisher sind noch keine Medikamente entwickelt worden, die die Colitis ulcerosa heilen können.

Mit einer medikamentösen Therapie kann die Dickdarmentzündung in den meisten Fällen lediglich zum Abklingen gebracht und die Symptome der Erkrankung erfolgreich unterdrückt werden. Erneute Krankheitsschübe sind aber sehr häufig.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 12.06.2012 aktualisiert