Gallenblasenpolypen: Ursachen, Symptome und Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die an der Unterseite der Leber gelegene Gallenblase (Vesica biliaris) dient als Reservoir für die in der Leber gebildete Gallenflüssigkeit. Hier wird diese angedickt und bei (fettreicher) Nahrungsaufnahme ausgeschüttet, um die Fettverdauung zu unterstützen. Der Mensch ist in der Lage, ohne Gallenblase ein relativ normales Leben zu führen. Daher kann das Organ bei Erkrankung oder Entartung meist ohne zu erwartende Komplikationen entfernt werden.

Neben der häufigsten Störung, der Bildung von Gallensteinen (Cholezystolithiasis), gibt es verschiedene Erkrankungen, die sich in vielen Fällen durch ähnliche Symptome bemerkbar machen und entweder Schmerzen und Koliken verursachen oder aber symptomlos bleiben.

Gallenblasenpolypen sind, wie auch Adenome, gutartige (benigne) Wucherungen. Sie betreffen die aus drei Schichten (von innen nach außen: Schleimhaut, glatte Muskulatur, gefäß- und nevenreiche Serosa) aufgebaute Gallenblasenwand.

Die Prävalenz von Gallenblasenpolypen liegt bei ca. fünf Prozent. Männer erkranken häufiger als Frauen. Polypen und Adenome gelten als Präkanzerosen (Vorstufen von Krebs), das Entartungsrisiko ist jedoch gering.

Gallenblasenpolypen sind meist sehr klein (unter 10 mm) und setzen sich aus hypertrophiertem Schleimhautepithel sowie Cholesterin-einlagerungen zusammen, weshalb sie in ihrer Struktur Gallensteinen ähneln.

Ursachen

Ursachen für die Entstehung sind vor allem die Ablagerungen von Cholesterin (Cholesteatosen), Zystadenome (gutartige Geschwülste, die von Drüsengewebe ausgehen) sowie Adenome (gutartige Geschwülste auf Basis von Schleimhaut oder Drüsengewebe).

Als Besonderheit gilt die Tatsache, dass Menschen, die unter Gallensteinen leiden, in den meisten Fällen keine Polypen entwickeln und Menschen mit Gallenblasenpolypen umgekehrt keine Gallensteine aufweisen.

Die Klinik ist abhängig von der Größe der Polypen und dem Entwicklungsstadium. Isolierte Wucherungen bleiben vielfach symptomlos, wohingegen Polypen, die im Rahmen anderer Erkrankungen entstehen, auch zu klassischen Beschwerden wie Übelkeit, Völlegefühl, Brechreiz, rechtsseitigen Oberbauchschmerzen (die durch die nervale Versorgung bis in den Schultergürtel ausstrahlen können), Koliken und Flatulenzen (Blähungen) führen können.

Vor allem durch Herauslösen aus der Wand können diese Beschwerden entstehen. Ausgedehnte Polypenbildungen in Zusammenhang mit anderen Störungen der Gallenblasenfunktion ziehen zudem zum Teil auch die Gefäßversorgung oder die Gallenwege in Mitleidenschaft. Ein Verschluss führt zu einem Stau der Gallenflüssigkeit, der dann auch die Leber betrifft, es drohen der Ikterus (Gelbsucht) sowie die Anreicherung des Organismus mit verschiedenen Substanzen und Stoffwechselabbauprodukten (Vergiftungsgefahr).

Diagnose und Behandlung

Das Entartungsrisiko ist zwar gering, jedoch mit abhängig von der Größe der Polypen. So ist eine gesteigerte Tumorentwicklung mit zunehmender Polypengröße zu beobachten. Bei einer Größe oberhalb von 1,5 Zentimetern kommt es in über 75 Prozent aller Fälle zur Mutation (meist in der Sequenz Polyp – Adenom – Karzinom), wobei häufig auch die Leber angegriffen wird. Der Befund ist meist eher zufällig, bedingt durch die Symptomlosigkeit, und erfolgt z.B. im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen. Neben den verschiedenen Laborparametern (unter anderem eine Erhöhung der alkalischen Phosphatase und Gamma-GT) lassen sich Wucherungen oder Entartungen sonographisch darstellen.

Gallenblasenpolypen zeigen keinen Schallschatten. Nicht immer müssen Gallenblasenpolypen behandelt werden. Sehr kleine Polypen werden, sofern sie keine Beschwerden verursachen, in regelmäßigen Abständen beobachtet (mittels Sonographie) und ausgewertet. Bei Größen oberhalb von einem Zentimeter wird zur vollständigen Entfernung des Organs (Cholezystektomie) geraten, um Entartungen vorzubeugen.

Hier bieten sich die minimalinvasive Entfernung durch eine Laparoskopie oder aber die konventionelle Laparotomie an. Liegt bereits eine Entartung vor oder ist auch die Leber angegriffen, sind weitreichendere chirurgische Maßnahmen erforderlich, z.B. die Leberteilresektion oder auch die Transplantation einer Leber.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 12.06.2012 aktualisiert