Bartflechte: Verständlich Erklärt

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Bartflechte (Tinea barbae, Sycosis parasitaria) ist eine durch Dermatophyten verursachte, hoch entzündliche Hauterkrankung im Bartbereich des Mannes. Dermatophyten sind Fadenpilze, die verschiedene Pilzerkrankungen (Dermatophytosen, zählen zu den Dermatomykosen) verursachen. Sie ernähren sich ausschließlich von Kohlehydraten und Keratin, weshalb die durch sie verursachten Erkrankungen und Infektionen nur im Bereich von Haaren, den Nägeln sowie der Hornschicht der Haut zu finden sind. Die Bartflechte zählt, neben der Gesichts- und Kopfflechte, zu den häufigsten Dermatophytosen. 

Die Infektion betrifft vornehmlich ältere Männer, wobei weder Form des Bartes noch Bartlänge eine Rolle spielen. Daneben tritt die Bartflechte auch bei Männern ohne Bartwuchs in Erscheinung.

Die verschiedenen Formen des Fadenpilzes (z.B. Trichophyton verrucosum, Trichophyton mentagrophytes) werden meist durch Kontakt mit Tieren (vor allem Rinder und Nagetiere) übertragen. So lässt sich z.B. auch ein vermehrtes Vorkommen der Bartflechte in ländlichen Regionen erklären. Ist ein Landwirt betroffen, gilt die Erkrankung sogar als meldepflichtig.

Die Fadenpilze sind hochinfektiös (auch noch nach Jahren) und sehr widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen, weshalb in einigen Fällen bereits der kurze Kontakt mit der Hand ausreichen kann, um sich zu infizieren.

Eine geschwächte Abwehr wirkt sich begünstigend auf die Entstehung der Bartflechte aus. U.a. bei Menschen mit immunsuppressiver Therapie, Durchblutungsstörungen, einer Immunschwäche, einer Organtransplantation, oder auch bei Diabetes mellitus ist eine vermehrte Erkrankungsrate zu beobachten.

Der Verlauf der Erkrankung erfolgt in Stadien. Nach Infektion mit dem Fadenpilz kommt es in der betroffenen Region zu herdförmigen, entzündeten Rötungen auf der Haut. In einigen Fällen ist auch eine deutliche Schuppung zu beobachten. Im Verlauf weitet sich die Infektion auf die Haarfollikel aus und führt zu schmerzhaften, stark juckenden Knoten (Furunkel, Karbunkel), Pusteln und Abszessen, die z.T. eitrig efflorieren. Die Barthaare selbst sind schmerzfrei. Die Erkrankung geht vielfach einher mit einer Erhöhung der Körpertemperatur (Fieber) sowie einer Schwellung der regionalen Lymphknoten. In seltenen Fällen kommt es zu einer Chronifizierung.

Bedingt durch den quälenden Juckreiz neigen Betroffene zum Kratzen. Die Erreger können so tiefer in den Wundbereich eindringen, den Heilungsprozess beeinträchtigen und die Narbenbildung fördern. Durch offene Hautstellen drohen zusätzlich bakterielle Infektionen. Das Risiko einer Verschleppung bzw. Ausbreitung auf andere Körperregionen über Hände und Nägel steigt.

Bereits erste Anzeichen, wie vor allem Rötungen oder Schmerzen im Bereich des Bartes, sollten medizinisch abgeklärt werden. Zwar heilt die Bartflechte in den meisten Fällen nach einigen Monaten auch ohne Therapie aus. Zum einen jedoch ist die Erkrankung hochinfektiös, zum anderen ist die Abheilung vielfach mit starken Schmerzen sowie einer deutlichen Narbenbildung im Gesicht verbunden. Eine geeignete Behandlung dient hier vor allem der Linderung oder auch Vermeidung sichtbarer Kennzeichen.

Neben der Klinik ist die Anamnese von großer Bedeutung für den behandelnden Arzt (meist Dermatologe). Der Zeitpunkt der Erkrankung sowie der bisherige Verlauf sollten so genau wie möglich beschrieben werden. Meist reichen Inspektion und Anamnese schon aus, um einen ersten Verdacht äußern zu können. Der gesicherten Diagnose sowie dem Ausschluss anderer Erkrankungen dient ein Abstrich. In seltenen Fällen (bei schweren Formen) erfolgt zudem die Biopsie (Gewebeentnahme zur histologischen Untersuchung). Differentialdiagnostisch auszuschließen sind u.a. die Psoriasis (Schuppenflechte), Lupus erythematodes (Autoimmunerkrankung, die den Kollagenosen zuzuordnen ist), Dermatomykosen (Hautpilz) anderen Ursprungs oder auch Ekzeme.

Die anschließende Therapie dient vor allem der Linderung der Beschwerden sowie der Vermeidung einer Chronifizierung. Vor Beginn einer Behandlung ist sich immer vom Bart zu trennen. Der weitere Verlauf ist abhängig vom Allgemeinzustand der betroffenen Person sowie dem Schweregrad der Infektion. Die Erkrankung begünstigende Faktoren (wie z.B. Durchblutungsstörungen, Diabetes mellitus) müssen in die verschiedenen Behandlungsstrategien mit einbezogen werden, nur so ist eine rasche Genesung gewährleistet.

Je nach auslösendem Fadenpilz können verschiedene Antimykotika (pilzabtötende Medikamente, z.B. Terbinafin-haltig) verordnet werden. Diese finden sich in Form von Gels, Salben, Cremes oder Tinkturen, die auf die betroffenen Hautareale aufgetragen werden. Oral einzunehmende Medikamente kommen eher selten zum Einsatz. Bei ausgeprägtem Krankheitsbild und starken Schmerzen bieten sich Antiphlogistika (entzündungshemmende Präparate) und Analgetika (Schmerzmedikamente) an. Der Bartwuchs sollte für den Zeitraum des Heilungsprozesses unterbunden werden, auch wenn die regelmäßige Rasur der betroffenen Hautregionen schmerzhaft ist. Eine Trockenrasur ist vorzuziehen. Die Nassrasur unter Zuhilfenahme von Rasierschaum kann einer Ausheilung entgegenwirken bzw. das Krankheitsbild verschlechtern. Oberste Priorität hat die sorgfältige Hygiene. Das verwendete Rasierzeug sowie Handtücher oder Waschlappen müssen nach jedem Gebrauch gereinigt, gewaschen oder auch desinfiziert werden, um eine Verschleppung zu vermeiden. Auch nach völliger Abheilung der sichtbaren Hautmerkmale sollte die verordnete Therapie nicht unmittelbar, sondern erst nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt beendet werden. Eine Neuinfektion mit dem Erreger kann leider zu keinem Zeitpunkt ausgeschlossen werden.

Nicht immer müssen medikamentenhaltige Präparate zum Einsatz kommen. So hat sich u.a. der Einsatz verschiedener ätherischer Öle als deutlich wirksam erwiesen. Das Öl des australischen Teebaumes z.B. besitzt eine antiphlogistische sowie antimykotische Wirkung. Die Reinigung des Gesichtes mit Essigwasser kann den Heilungsprozess ebenso unterstützen wie das tägliche Betupfen der wunden Hautstellen mit Kräutertinkturen (z.B. Taigawurzel) oder Bienenharz (Propolis).

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 21.04.2015 aktualisiert