Hauterkrankungen
Ekzeme: Verständlich
Erklärt
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Das Ekzem ist eine oberflächliche Entzündung der Haut. Die Symptome sind ein Erythem
(Hautrötung) mit gelegentlicher Blasenbildung, Austreten von Flüssigkeit, Krusten- und Schuppenbildung. Die
Ursachen für ein Ekzem sind mannigfaltig.
Man unterscheidet Ekzeme, die vorwiegend bei Erwachsenen auftreten und Ekzeme des Säuglings- und Kindesalters.
Ekzeme der Erwachsenen sind:
- Das Kontaktekzem
- die Neurodermitis disseminata (konstitutionelles Ekzem)
- Ekzema seborrhoicum
- Neurodermitis circumscripta
- Ekzema nummulare
- das Stauungsekzem
- chronische Ekzem der Hände und Füße.
Kontaktekzem
Von einem Kontaktekzem spricht man, wenn das Ekzem durch Reizstoffe ausgelöst wird. Ätzmittel
zum Beispiel üben eine primäre Reizwirkung aus, andere Reizmittel rufen durch wiederholte Einwirkung eine besondere
Empfindlichkeit hervor. Eine Vielzahl von Stoffen können Reaktionen bei Hautkontakt hervorrufen.
Im Folgenden sind einige Beispiele für entsprechende Noxen (Reizstoffe) aufgeführt:
- Pflanzen (zum Beispiel Ambrosia, Giftefeu, Primeln)
- Hölzer (vor allem tropische Hölzer)
- Früchte und Gemüse (zum Beispiel Tomaten, Zitrusfrüchte, Erdbeeren, Nüsse)
- Chemikalien (Quecksilber, Chromate)
- Therapeutika (Penicillin, Sulfonamide)
- Kosmetika (Harrfärbemittel, Parfüm)
- Bekleidung (Wolle, Seide, Kunstfasern, Leder)
- im Haushalt gebräuchliche Noxen (Reinigungsmittel, Wachse,...)
- Tierhaare, Tierschuppen
- Metalle (Nickel, Kobalt..)
- Parasiten (zum Beispiel Hausstaubmilben)
Symptomatik
Es können alle Hautstellen betroffen sein, die mit der entsprechenden Noxe in Berührung gekommen sind. Die
betroffene Hautstelle kann einen wertvollen Anhaltspunkt für das Auffinden der Noxe liefern. Das Krankheitsbild ist
beim Kontaktekzem different. Es beginnt meist mit einer intensiven Rötung der betroffenen Hautstelle, die in eine
intensive Schwellung mit Hyperämie und Blasenbildung, begleitet von heftigem Juckreiz, übergeht. Beim Wegfall der Noxe verschwinden die Symptome innerhalb weniger Tage.
Die Bläschen platzen und heilen unter Krustenbildung ab. Der Rückgang der Entzündung geht häufig mit
Schuppenbildung und leichter Verdickung der betroffenen Hautstellen einher. Narben entstehen nur durch Kratzen
entstandenen Sekundärinfektionen der Haut.
Diagnostik
Zur Diagnose sollte bei einem Facharzt (Allergologen) ein Antigentest mit verschiedenen in Frage kommenden Noxen
vorgenommen werden. Diese Antigentest gehören in fachkundige Hände, da es bei falscher Dosierung der Antigene zu
einem generalisierten Ausbruch, dem so genannten Streuphänomen, kommen kann.
Therapie der Wahl ist die Vermeidung eines Kontaktes mit der betreffenden Noxe. Salben und Lotionen können die
Symptome im Akutfall lindern.
Neurodermitis disseminata
Bei der Neurodermitis disseminata handelt es sich um eine oberflächliche Entzündung der Haut,
die vor allem Allergiker betrifft. Meist beginnt die Affektion mit Juckreiz, gefolgt von einer Hautrötung, einer
Verdickung der Haut und einem flächiger Defekt der Hautsubstanz, sowie so genannten Lichenifikation (rutenförmige,
mosaikartige Hauterscheinung).
Die Ursache dieses Krankheitsbildes ist unklar. Man findet selten auslösende Substanzen - Kutantest zeigen meist
auf vielfältige Noxen Hautreaktionen. Eine psychogene Komponente kann nicht ausgeschlossen werden. Eine
Neurodermitis disseminata kann bereits im Säuglingsalter auftreten. Sie zeigt dann keine charakteristische
Verteilung - bei älteren Kindern und Erwachsenen befällt sie vorwiegend Gesicht, Hals, Ellenbeugen und Kniekehlen,
sowie Hände und Handgelenke.
Die Erkrankung verläuft meist in Intervallen. Tritt sie im Säuglingsalter auf, klingt sie gewöhnlich bis zur
Vollendung des 2. Lebensjahres ab. Nach der Rückbildung verhält sich die Erkrankung oft latent bis zum zweiten
Lebensjahrzehnt. Dann kommt es zum Wiederaufflammen der Hauterscheinungen, meist in lokalisierter Form an
Ellenbeugen und Kniekehlen. Die Prognose ist meist ungünstig, das heißt, eine vollständige Heilung ist selten.
Diagnose
Basis für die Diagnosestellung ist die Verteilung der Läsionen, die Erkrankungsdauer, die Familienanamnese und
das Vorhandensein von Lichenifikationen. Um andere Ekzemformen auszuschließen, ist eine mehrfach durchgeführte
Untersuchung der Hauterscheinungen hilfreich.
Therapie
Bei leichteren Schüben der Erkrankung helfen oft schon Salben und Lotionen mit Ureazusätzen. Schwerere
Krankheitsschübe können mit kortikoidhaltigen Salben (nicht bei Kleinkindern und Säuglingen), Olivenöl und
lanolinhaltigen Salben behandelt werden. Bei älteren Menschen kann auch UVB-Bestrahlung therapeutisch wirksam sein.
Da Patienten mit Neurodermitis disseminata zu trockener Haut neigen, ist die Benutzung von Seife im Bereich der
betroffenen Hautstellen zu vermeiden. Badeöle fetten die Haut ein - emulgierende und/oder kortikoidhaltige Salben
und Lotionen sollten auf die noch feuchte Haut aufgetragen werden, da dies die Effektivität steigert. Bei besonders
schweren Fällen kann ein Fachklinikaufenthalt mit engmaschiger psychologischer und dermatologischer Betreuung eine
Besserung bringen.
Ekzema seborrhoicum
Das Ekzema seborrhoicum ist eine entzündliche und schuppende Erkrankung überwiegend der
Kopfhaut und des Gesichts. Symptomatisch entwickeln sich trockene oder fettige Schuppen auf der Kopfhaut, entlang der Haarlinie, im Ohrbereich und an diversen Stellen des
Gesichtsbereiches. Es kann zu einer Entzündung der Lidränder mit begleitender Konjuntivitis (Bindehautentzündung) kommen.
siehe auch: Augenkrankheiten
Bei Säuglingen tritt das Ekzema seborrhoicum als so genannter Milchschorf auf, mit dicken gelben Schuppen auf
der Kopfhaut und hinter den Ohren, roten Knötchen auf dem Gesicht und hartnäckigem Windelausschlag (Windeldermatitis). Bei älteren Kindern treten dicke, schuppende Plaques von 1-2 cm
Durchmesser auf der Kopfhaut auf.
Die Prognose ist meist besser als bei der Neurodermitis disseminata.
Therapeutisch können bei Erwachsenen spezifische Shampoos, hydrokortisonhaltige Salben und Lotionen mehrfach
wöchentlich eingesetzt werden. Eine fachärztliche Beratung ist auch in diesen Fällen sehr effizient.
Seborrhoische Ekzeme bei Kleinkindern werden mit einem milden Babyshampoo (täglich angewendet) und dem Auftragen
einer 1% Kortikoidcreme behandelt. Bei Milchschorf kann 2%ige Salizylsäure in Olivenöl auf die befallenen
Kopfbereiche aufgetragen und mit einer Zahnbürste vorsichtig eingerieben werden.
Neurodermitis circumscripta
Die Neurodermitis circumscripta ist gekennzeichnet durch eine oberflächliche, stark juckende
Entzündung der Haut mit trockenen, hyperpigmentierten, scharf abgegrenzten und lichenifizierten (verdickten)
Plaques von ovaler, irregulärer oder eckiger Form.
Die Ätologie ist unklar. Die Erkrankung tritt meist zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr auf. Frauen sind häufiger
betroffen als Männer.
Die Hautveränderungen werden durch Kratzen und Reiben ausgelöst. Es entsteht ein Teufelskreis -
Jucken-Kratzen-Jucken -, da das Kratzen nur vorübergehend Linderung bringt - der Juckreiz kehrt wieder.
Befallen ist häufig der Hinterkopf, Arme und Beine (hier besonders die Fußknöchel), aber auch der Stamm.
Diagnose
Eine Inspektion der betroffenen Hautstellen bringt meist Klarheit zusammen mit der Anamnese. Eine voll
entwickelte Läsion der Neurodermitis circumscripta besteht aus einer äußeren Zone mit bräunlich isoliert stehenden
Papeln. Das Zentrum zeigt konfluierende, schuppenbildende Papeln.
Therapie
Der Teufelskreis (Jucken-Kratzen-Jucken) muss unterbrochen werden. Kortikoidhaltige Salben oder Pflaster stillen
den Juckreiz und führen letztendlich zur Ausheilung der Läsionen. Exacerbationen (erneutes Aufflammen) sind aber
die Regel. Um psychogene Ursachen auszuschließen, kann in einigen Fällen auch die Gabe milder Beruhigungsmittel
hilfreich sein.
Ekzema nummulare
Das Ekzema nummulare ist eine chronische Erkrankung der Haut, bei der münzenförmige,
bläschenbildende, verkrustende und schuppenbildende Hautläsionen auftreten, die stark jucken.
Die Ätiologie ist auch hier unklar. Die Erkrankung befällt meist Patienten mittleren Alters mit typischerweise sehr
trockener Haut. Die Hautläsionen treten vor allem im Winter auf.
Symptomatik
An den Streckseiten der Extremitäten, am Gesäß und auch am Stamm treten die Läsionen auf. Im Wechsel kommt es zu
Spontanremissionen und späteren Exacerbationen an gleicher Stelle.
Therapie
Die Therapiemöglichkeiten sind breit gefächert. Manchmal hilft der Einsatz von Antibiotika. Kortikiodhaltige
Salben sollten 3x tägl. auf die betroffenen Hautstellen eingerieben werden. Bei ausgedehnteren und rezidivierenden
Befunden können UVA- oder UVB- Bestrahlungen helfen. Eine fachärztliche Betreuung ist dringend erforderlich.
Stauungsekzem
Das Stauungsekzem tritt bei venöser Insuffizienz auf und ist gekennzeichnet durch eine
hartnäckige Hautentzündung an den Unterschenkeln. Sie zeigt sich bevorzugt in den Knöchelgegend und geht mit
Hautrötung, leichten Schuppen und bräunlichen Hautverfärbungen einher. Ödeme und Krampfadern sind häufig.
Die Therapie der Wahl ist vorrangig eine Behandlung der venösen Insuffizienz, beispielsweise mit Stützstrümpfen,
durch Hochlagern der Beine in Ruhe oder venostatischer Medikation. Kommt es zu ausgeprägten Symptomen des
Stauungsekzems mit sekundären bakteriellen Infektionen und Ausbildung von Ulzerationen, ist eine Behandlung mit
Kompressionsverbänden mit Zinkpaste oder Duo-Derm effektiv. Die Behandlung der venösen Insuffizienz gehört in
fachkundige Hände.
Chronisches Ekzem der Hände und Füße
Das chronische Ekzem der Hände und Füße ist eine entzündliche Reaktion. Findet sich diese an den
Händen wird es auch "Hausfrauenekzem" genannt.
Es hat ihre Ursache darin, dass Hände diversen Kontakten mit Noxen ausgesetzt sind. So kann es zur Ausbildung von
ekzematösen Krankheitssymptomen durch Reinigungsmittel, Latex- und Gummihandschuhe, Duftstoffe in
Haushaltsreinigern und ähnlichem kommen.
Die Therapie gestaltet sich schwierig, da meist nicht nur eine Noxe für das Auftreten des Ekzemes verantwortlich
ist.
Chronische Fußekzeme können durch starkes Schwitzen, auslösende Noxen im Schuhleder und Pilzinfektionen verursacht
werden.
Intrakutantests mit entsprechenden Auslösern können die Diagnose bestätigen. Eine Sonderform des chronischen Hand-
bzw. Fußekzems ist die Pompholyx.
Sie ist gekennzeichnet durch tiefsitzende, juckende Bläschen an den Handtellern, den Fingerseiten und den
Fußsohlen. Auf das Bläschenstadium folgt meist Nässen, Rötung und Schuppung der betroffenen Hautstellen.
Die Erkrankung ist idiopathisch - es sollte aber eine allergische Reaktion, eine Pilzinfektion oder eine Atopie als
Ursachen ausgeschlossen werden.

|