Hauterkrankungen
Erysipel - Wundrose: Verständlich
Erklärt
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Das Erysipel (Wundrose, Rotlauf) ist eine meist durch
Beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A (spezielle Bakterienform) verursachte Hautinfektion, die sich im
Bereich des Lymphsystems manifestiert. Die Erkrankung zählt zu den häufigeren Infektionskrankheiten der Haut.
Die Entzündung kann sich überall auf der Haut zeigen, so zum Beispiel im Bereich der Augen (Liderysipel,
Orbitalphlegmone), am Kopf (Gesichtserysipel, Ohrmuschelerysipel), an Armen oder Beinen (in Form einer
Lymphschwellung) sowie am Rumpf. Es zeigt sich jedoch besonders oft im Gesicht oder am Bein (=
Prädilektionsstellen).
Die jährliche Inzidenz in Deutschland liegt bei rund 100 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner. Dabei lassen sich
keine geschlechts- oder rassespezifischen Merkmale feststellen.
Ursache
Streptokokkus pyogenes ist der meist nachgewiesene Verursacher eines Erysipels, daneben können
auch der natürlich auf der Hautoberfläche vorkommende Staphylokokkus aureus sowie gramnegative (spezielle
Färbemethode) aerobe und anaerobe Keime die Infektion auslösen. Der Erreger tritt über (zum Teil nicht sichtbare)
Verletzungen (z.B. Rhagaden, Schnitte, Stiche) ein und breitet sich über das Lymphsystem aus.
Das Bakterium führt vor allem bei immungeschwächten Menschen (z.B. Diabetiker, Alkoholiker, Menschen mit
Durchblutungsstörungen
oder HIV, altersgeschwächte Menschen) zu den
verschiedenen Beschwerden.
Symptome
Nach Eintritt verursacht das Bakterium an der Pforte eine gerötete (scharf begrenzte), glänzende Schwellung, in
einigen Fällen lässt sich auch eine Überwärmung feststellen. Der Verlauf ist sehr variabel. So kann es zu
Übelkeit, Erbrechen, hohem Fieber und Schüttelfrost kommen. Bei einer Ausdehnung in tiefere
Gewebeschichten (abszendierendes Erysipel) zeigen sich winzige Einblutungen (Petechien = hämorrhagisches
Erysipel) unter der Hautoberfläche oder es entwickeln sich flüssigkeitsgefüllte Bläschen (= bullöses Erysipel).
Typisch ist die Schwellung der lokalen
Lymphknoten. Durch eine Druckzunahme in der entzündeten Region kommt es zu einem schmerzhaften
Spannungsgefühl. Bei weiterem Fortschreiten droht der Zelluntergang (Nekrose = gangränöses Erysipel). Bereits
bei der Inspektion lässt sich die gerötete Schwellung sehen.
Behandlung und Diagnose
Allgemeine Krankheitszeichen stellen keine gesicherten Kriterien dar, weshalb eine Blutuntersuchung unerlässlich ist. Hier zeigt sich unter anderem eine
Leukozytose (Vermehrung der weißen Blutkörperchen = Entzündungshinweis). Wichtig für den Mediziner ist, die
Eintrittspforte zu lokalisieren sowie den auslösenden Erreger genau zu identifizieren, um gezielt behandeln zu
können.
Zusätzlich erfolgt der differentialdiagnostische Ausschluss von Erkrankungen, die eine ähnliche Klinik aufweisen
(z.B. Erysipeloid, akute allergische Kontaktdermatitis).

Therapiemaßnahmen
Bakterien sprechen meist gut auf eine Behandlung mit Penicillin an. Daher erfolgt als systemische Therapie in
der Regel die Gabe eines entsprechenden Antibiotikums (zum Teil intravenös während eines stationären Aufenthalts)
über einen Zeitraum von zehn bis vierzehn Tagen.
Bei Mischformen werden Antibiotika auf Cephalosporin-Basis verabreicht. Bei Befall von Extremitäten ist das
Hochlagern dieser besonders wichtig. Insgesamt sollte die betroffene Person eine strikte Bettruhe einhalten.
Hierdurch kann ein Lymphstau vermieden werden. Zur Schmerzlinderung und Lösung der Schwellung dient eine Kühlung
der befallenen Körperregion.
Unter anderem eignet sich auch eine wässrige Silbernitratlösung zur Behandlung der geröteten Stelle. Dehnt sich
in Entzündung in tiefere Gewebeschichten aus, ist unter Umständen die operative Exzision notwendig. Hierbei wird
die befallene Region herausgeschnitten und unter Gabe von verschiedenen Medikamenten (z.B. in Salben- oder
Tinkturform) zur Granulation von innen heraus angeregt. Menschen mit einer guten Immunabwehr entwickeln eher selten
ein Erysipel. Kommt es jedoch zum Befall, ist die Ausheilung relativ zügig überstanden.
Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem hingegen kann es vermehrt zu Rezidiven oder zu weitreichenden
Komplikationen kommen. Diese reichen von der Ausbildung eines Erysipeloids (erythematöse Hauterkrankung, deren
Erreger normalerweise bei Tieren vorkommen) über eine Thrombophlebitis (Venenentzündung), Eiterbildungen, die
Elephantiasis nostras (stark ausgeprägte Hyperkeratose, meist an den Unterschenkeln) oder eine Sepsis
(Blutvergiftung) bis hin zu einem Übergreifen auf das Herz (Endokarditis) oder auch die Nieren
(Glomerulonephritis).
Eine unzureichende Therapie unterstützt die Rezidivneigung. Hier kann es bei Wiederauftreten zu einer
chronischen Ausbildung (= chronisch-rezidivierendes Erysipel) kommen.
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