Herpeserkrankungen - Herpes verständlich erklärt

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Der Begriff Herpes wird mit Hauterkrankungen in Verbindung gebracht, die mit typischen Bläschen am Mund oder im Gesicht einhergehen. 

Herpes kennzeichnet aber eine Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen des Organismus, bei der es durch eine Virusinfektion zu flüssigkeitsgefüllten, hoch infektiösen Bläschen kommt. Dabei spielen v.a. die humanen Herpes-Viren (HHV) Typ 1 bis 8 eine wesentliche Rolle.

Der Herpes-Familie zugeordnet werden verschiedene Subtypen.

Das bekannteste Virus ist das Herpes-simplex-Virus (HSV).

Das Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht über eine Windpockeninfektion die Entstehung einer Gürtelrose.

Das Zytomegalie-Virus (CMV) ist u.a. verantwortlich für spezielle Formen der Lungenentzündung (Pneumonie), außerdem für Hepatitis, Retinitis (siehe auch: Augenkrankheiten) und Enzephalitis.

Alle Herpes-Viren gehören zur Gruppe der DNA-Viren.

Das humane Herpes-Virus Typ 1 (HSV-1) verursacht (meist in Kombination mit dem humanen Herpes-Virus Typ 2) beim Betroffenen typische Bläschen im Bereich der Lippen (Herpes labialis), der Nase (Herpes nasalis), im Genitalbereich (Herpes genitalis), im Anal- und Gesäßbereich (Herpes perianalis und glutealis), seltener auch an der Bindehaut der Augen, der Mundschleimhaut und im Gesicht. Nahezu 85 Prozent aller Menschen tragen das Virus in sich, welches über Tröpfchen- und Schmierinfektion (sowie durch sexuellen Kontakt) übertragen wird und bereits vielfach im Kindesalter vorhanden ist. Dabei muss es nicht immer zu einer Erkrankung kommen. Die Primärinfektion, bei der Antikörper gebildet werden, bleibt meist unbemerkt. Kommt es zu einer Sekundärinfektion, reagiert der Körper mit einer sichtbaren Abwehrreaktion. Auslöser können z.B. einfache Hautreizungen oder -verletzungen, Verbrennungen, Sonnenbrand, Fieber, Hormonschwankungen, Entzündungen, Tumorerkrankungen oder auch Stress sein. Immungeschwächte Menschen sind besonders gefährdet.

Bei einer Reinfektion zeigen sich nach einer Inkubationszeit von zwei bis zwölf Tagen die ersten Symptome. Die betroffene Hautregion spannt sich, verursacht einen leichten Juckreiz und reagiert empfindlich auf Berührungen. Im Verlauf bilden sich schmerzhafte, stark juckende und brennende Bläschen, z.T. mit hochinfektiöser, eitriger Flüssigkeit gefüllt, die aufplatzen können und verkrusten. Mildere Formen heilen spontan und ohne Narbenbildung ab, das Virus verbleibt jedoch bis zum Lebensende im Organismus und kann jederzeit erneut ausbrechen. Seltener, dafür aber intensiver im Erkrankungsbild, sind Herpesinfektionen im Bereich des Auges, wo es zu Hornhautschäden mit weitreichenden Sehstörungen bis hin zur Erblindung kommen kann (Augenkrankheiten). Eine Therapie des Herpes-simplex Virus zielt auf eine Linderung der Symptome ab. Hier bewährt sich der Einsatz von virostatischen Mitteln, die zum einen der Vorbeugung dienen, zum anderen den Juckreiz eindämmen.

Neben den schulmedizinischen Möglichkeiten gibt es aber auch eine Reihe von alternativen Therapien, die sich als genauso effektiv erwiesen haben. Eine Creme mit Melissenextrakt beispielsweise hat in einer Studie erstaunlichen Erfolg gegen Lippenherpes gebracht. Auch eine Mischung aus Rhabarber- und Salbeiextrakt ist für die behandelten Patienten sehr hilfreich. Verschiedene Zinksalze haben eine starke prophylaktische Wirkung und können – als Kur angewandt – die Zahl und Dauer der Herpesinfektionen stark reduzieren.

Das humane Herpes-Virus Typ 2 (HSV-2) ist v.a. als Verursacher des Genitalherpes (ca. 70 Prozent, 30 Prozent durch HSV-1) bekannt. Es wird meist durch sexuellen Kontakt übertragen und führt zu den typischen Herpes-Bläschen im Genitalbereich. Zusätzlich ist die Schleimhaut stark entzündet, es bilden sich Ödeme sowie glasiger oder eitriger Ausfluss im Bereich des Genitals (siehe auch: Frauenheilkunde).

Therapie und Verlauf gleichen der des HSV-1, in schweren Fällen können (bei zusätzlicher bakterieller Infektion) Antibiotika verordnet werden.

Die Gürtelrose (Herpes zoster) entsteht als Spätfolge einer Windpockeninfektion durch das Varizella-Zoster-Virus (HHV-3). Während Windpocken bereits häufig im Kindesalter zum Ausbruch kommen, zeigt sich die Gürtelrose als Sekundärinfektion meist erst im Erwachsenenalter um das 45. Lebensjahr herum. Die Inzidenz liegt bei ca. 400 pro 100.000 Menschen.

Die Infektion führt zu körperlicher Leistungsschwäche und leichtem Fieber. Nach ca. zwei Tagen zeigen sich im Bereich des befallenen Nervs gürtelförmig angeordnete Bläschen auf der Haut, die mit wässriger oder blutiger Flüssigkeit gefüllt sind. Diese verursachen Juckreiz und Brennen, sind druckempfindlich und können aufplatzen. Ca. zwei Drittel der Fälle heilen innerhalb von drei Wochen spontan aus und hinterlassen pigmentveränderte Hautareale. Je jünger und immunstärker der Betroffene ist, umso besser der Heilungsprozess. Bei Befall von Extremitäten kann es zu Lähmungserscheinungen (Muskelschwäche) kommen, auch Atemlähmungen (Atemnot) sind bekannt. Bei länger andauernder Reizung von Nerven zeigt sich das Symptom der Post-Zoster-Neuralgie, welches über Jahre hinweg  zu Schmerzen führen kann. Lebensbedrohlich kann ein Befall der inneren Organe werden.

Die weiteren Herpes-Formen sind seltener. Das HHV-4 (Epstein-Barr-Virus) führt zur infektiösen Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber). Das Virus ruht in der Mundschleimhaut und kommt durch Reinfektion zum Ausbruch. Hierdurch können u.a. Meningitis und Meningoenzephalitis entstehen.
HHV-5 (humanpathogenes Cytomegalovirus) findet sich in der Mundschleimhaut, den Nierentubuli sowie dem Nervengewebe. Es gilt u.a. als Verursacher des Guillain-Barrè-Syndroms.

Das HHV-6 sowie auch das HHV-7 lösen das Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum) aus. Von besonderer Bedeutung ist das HHV-8, welches in Verbindung mit der Entstehung des Kaposi-Sarkoms bei HIV-Infizierten steht.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 28.05.2013 aktualisiert