Nagelpilze - Verständlich Erklärt

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Nagelpilz (medizinisch auch Tinea unguium, Onycho- bzw. Nagelmykose genannt) ist eine Infektion an den Zehen- und/oder Fingernägel durch Pilze.

Auslöser sind meist Faden- oder Sprosspilze (in der Regel handelt es sich um Keime aus der Gruppe der Dermatophyten, unter anderem sind Trichophyton rubrum, Trichophyton mentagrophytes und Epidermophyton floccosum nachzuweisen), seltener Hefen (dann meist Candida albicans) oder Schimmelpilze.

Die Anzahl der Infizierten ist mit bis zu zwölf Prozent der Bevölkerung sehr hoch, doch nicht jeder zeigt typische Symptome.

Die Inzidenz (also die Neuerkrankungsrate) steigt kontinuierlich mit steigendem Alter an, da die Wachstumsgeschwindigkeit des Nagels abnimmt und die Risikofaktoren zunehmen.

Risikofaktoren sind vor allem Erkrankungen, welche zu einer gestörten Immunantwort systemisch (zum Beispiel bei HIV bzw. AIDS, hohem Alter oder bei Patienten unter Chemotherapie bzw. immunsuppressiver Behandlung) oder im Bereich der Arme und Beine führen. Beispiele für letzteres sind der Diabetes mellitus, Durchblutungsstörungen an den Extremitäten (zum Beispiel im Rahmen einer pAVK) oder zentrale Störungen der Durchblutung (zum Beispiel bei einer symptomatischen Herzinsuffizienz). Auch verschiedene lokale Grundkrankheiten begünstigen das Auftreten eines Nagelpilzes.

Häufig ist diese Komplikation bei Nagelekzemen (also einer chronischen Infektion) oder im Rahmen einer Schuppenflechte (der so genannte Nagelpsoriasis, welche sich durch Ölflecke und Tüpfelnägel bis hin zu einer totalen Nagelzerstörung durch Infekte zeigt).

Insgesamt führt ein feucht-warmes Klima zu guten Nahrungsbedingungen für die Pilze. So ist es nicht verwunderlich, dass vor allem die Zehennägel betroffen sind. Langes Tragen von Schuhwerk (mit entsprechendem Schwitzen) oder Aufenthalte in Feuchtbereichen (klassisch ist der Schwimmbadbesuch) wirken sich begünstigend aus.

Spezifische subjektive Symptome zeigen sich selten. Meist fällt lediglich ein verändertes Aussehen des Nagels auf. Typischerweise ist der Nagel deutlich verdickt, ggf. mit einer ausgeprägten Querrillenbildung. Auf der Nagelplatte können weißliche bis gelb-braune Flecken auftreten. Nicht nur dadurch erscheint der Nagel an der Oberfläche glanzlos. Die Nagelränder sind oft aufgeworfen und zeigen weiße bis gelbliche Verfärbungen.

In schweren Fällen wird der Nagel mit dem Nagelbett völlig zerstört (eine so genannte Onychodystrophie, dabei kommt es in der Regel zu einem bröckeligen Zerfall der Nagelsubstanz) oder der Nagel löst sich im Ganzen vom Nagelbett ab (Onycholysis). Da es sich um eine ansteckende Infektion handelt, können die Nachbarnägel mit befallen sein.

Diagnose

Die Diagnose wird klinisch durch den geschulten Blick des Arztes gestellt. Besteht Unsicherheit in puncto Diagnose oder wird eine Erregeridentifizierung angestrebt, so können von der betroffenen Nagelplatte Hornlamellen abgekratzt werden. Diese werden dann unter dem Mikroskop untersucht oder für eine genaue Identifizierung des verursachenden Pilzes in einer Kultur bebrütet.

Die Kultur ist allerdings mehr von akademischen Interessen, da sie langwierig ist und therapeutisch recht wenig Relevanz hat.

Therapie

Zu Beginn einer Therapie steht die Keratolyse (also das Auflösen von den verdickten Hornschichten).

In dem medizinischen Alltag haben sich dafür unter anderem Harnstoffpräparate in Salbenform durchgesetzt. Nach circa drei Wochen ist der Nagel für den nächsten Therapieschritt ausreichend vorbereitet. Dabei wird mittels Laser die befallene Nagelmatrix (welche die Stammzellen enthält) zerstört, so dass sich keine neue infizierte Nagelplatte bilden kann. Als endgültige oder bei leichten Verläufen als alleinige Therapie kommen lokale antimykotische Wirkstoffe zum Einsatz. Diese werden als Salben oder als Nagellack angeboten, letzteres ist auf Grund seiner guten Haftung an dem befallenen Nagel zu bevorzugen.

Nur bei sehr ausgeprägtem Befall ist eine systemische Therapie notwendig. Entscheidend für den Therapieerfolg ist eine konsequente und ausreichend lange Behandlung. Diese kann für einen andauernden Erfolg bis zu einem Jahr lang notwendig sein.

Um die Chance auf einen Behandlungserfolg zu erhöhen, sollten die befallenen Nägel sowie die in Kontakt gekommenen Kleidungsstücke ausreichend desinfiziert werden.

Eine chirurgische Therapie (vor allem die vollständige Entfernung des betroffenen Nagels) ist auf Grund der schonenderen medikamentösen Alternativen weitestgehend wieder verlassen worden.

Die Prognose ist auf Grund der prinzipiell leichten Erkrankung günstig, doch liegen sehr hohe Rezidivraten vor. Typisch ist auch eine nicht vollständige Abheilung, da die langwierige Therapie zu früh abgebrochen wurde. Auch erste Resistenzen der Pilze gegen die üblichen Antimykotika werden bereits beobachtet.

Um einem Nagelpilz vorzubeugen, sollte ein feucht-warmes Milieu an den Füßen (durch zum Beispiel offene bzw. keine Schuhe oder durch das Tragen von saugfähigen Strümpfen) vermieden werden. Auch sollten kleine Wunden oder eine raue (Horn-)Haut vermieden werden, da sie Anheftungsstellen für die Pilze darstellen. Da es sich um eine ansteckende Infektion handelt, sollte auch der direkte Kontakt zu infizierten Materialen verhindert oder ein entsprechend hygienischer Umgang (zum Beispiel mit desinfizierenden Maßnahmen) gewahrt werden.

Von den Anhängern der Naturheilkunde wird dem Betupfen des Nagels mit Essig eine prophylaktische und therapeutische Wirkung zugesagt, da die Pilze ein basisches Milieu bevorzugen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 12.06.2012 aktualisiert