Borreliose: Symptome, Anzeichen, Behandlung

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Lyme-Borreliose ist eine Infektionskrankheit, welche durch ihre Vielfältigkeit nicht selten lange unerkannt im Körper vorliegen kann.

Ursache

Erstmals wurde sie im Jahre 1975 in der amerikanischen Kleinstadt Lyme bei Kindern mit bis dato unklaren Gelenkbeschwerden entdeckt, bzw. es konnte dort der entscheidende Zusammenhang von Ursache und Erkrankung hergestellt werden. Dies wurde letztendlich bei der Namensgebung der Lyme-Borreliose honoriert.

Die Krankheitserreger sind spiralig gekrümmte Bakterien, die so genannten Borrelien (in Deutschland vor allem die Art Borrelia burgdorferi). Die Erreger gelangen durch einen Zeckenbiss in den Menschen. Infizierte Zecken kommen in alles Teilen Deutschlands vor (dennoch sind Endemiegebiete mit besonders hoher Durchseuchung bekannt), allerdings ist das effektive Infektionsrisiko relativ gering.

Zecke in der Haut

So infizieren sind nach einem Zeckenbiss nur circa fünf Prozent der Betroffenen, obwohl die Durchseuchung bei den Zecken bei bis zu 25 Prozent liegt. Eine manifeste Borreliose mit entsprechenden merklichen Symptomen manifestiert sich sogar nur bei gut einem Prozent der Patienten, die übrigen Infektionen laufen ohne klinische Beschwerden (inapparent) ab. Warum die Übertragungsrate so gering ist, hängt von vielen Faktoren ab.

So sind zum Beispiel die Infektionsraten abhängig von dem Entwicklungsstadium der Zecke, von dem Zeitpunkt des Bisses (vor allem in den Monaten Juni bis September ist die Gefährdung erhöht), von dem Immunsystem des Betroffenen und von vielen weiteren Faktoren, welche noch nicht gänzlich verstanden sind.

Die Borreliose wird klinisch in drei Stadien eingeteilt. Diese Stadien unterscheiden sich nicht nur in puncto Symptomen, sondern auch in der Art und der Dauer der Therapie.

Stadium I: Erythema chronicum migrans

Ist ein Gebissener mit Borrelien infiziert worden, so zeigt sich klassischerweise innerhalb von mehreren Tagen bis hin zu wenigen Wochen eine schmerzlose Rötung um die Bissstelle. Diese breitet sich dann zentrifugal aus. Daher entstand die Bezeichnung Wanderröte (medizinisch Erythema chronicum migrans).

Typisch ist eine zentrale Abblassung, sobald die kreisrunde Rötung einen größeren Durchmesser erreicht hat. Die Wanderröte entspricht dem Stadium I der Borreliose, welche einer noch lokalen Infektion entspricht. Besonders tückisch ist allerdings, dass das Erythema chronicum migrans in bis zu 50 Prozent der Fälle fehlen kann, auch Fehldiagnosen sind nicht selten (vor allem, wenn kein Zeckenbiss erinnerlich ist).

Die Wanderröte darf allerdings nicht mit einer normalen lokalen Reaktion durch den Biss an sich verwechselt werden. Diese Rötung entsteht innerhalb weniger Tage, ist häufig verhärtet tastbar, schmerzt oder juckt und sie beträgt oft nur wenige Zentimeter im Durchmesser.

Im Stadium I zeigen sich nicht selten zusätzliche allgemeine Krankheitszeichen wie:

Ist die Infektion nicht erkannt oder aus anderen Gründen nicht ausreichend therapiert worden, ist nach Wochen bis Monaten ein Übergang in das Stadium II möglich.

Stadium II

Die Bakterien sind nun bereits im Körper verteilt, die lokale ist zu einer systemischen Infektion geworden. Diese Entzündung kann sich ganz unterschiedlich manifestieren. Klassisch ist ein Übergriff der Infektion auf das Nervensystem, zum Beispiel mit einer Hirnnervenlähmung des Nervus facialis.

Der Mediziner spricht in diesem Fall von der so genannten Neuroborreliose, der Polyneuritis (übersetzt handelt es sich dabei um eine Entzündung vieler Nerven) oder dem Bannwarth-Syndrom.

Die Facialisparese (mit einer Lähmung der mimischen Gesichtsmuskeln, diese führt zum Beispiel zu einem hängenden Mundwinkel und einem gestörten Lidschluss) ist zwar die häufigste Manifestation der Neuroborreliose, doch prinzipiell kann jede Nervenstruktur betroffen sein. So sind reißende Nerven- und Muskelschmerzen, Sehstörungen, Kopfschmerzen durch eine Reizung der Hirnhäute, Kribbelparästhesien an den Extremitäten und Sprachprobleme genauso typisch wie Paresen und Lähmungserscheinungen.

Eine weitere typische Manifestation ist die infektiöse Gelenkentzündung (die so genannte Lyme-Arthritis). Hierbei sind vor allem die Kniegelenke befallen, aber prinzipiell kann jedes Gelenk betroffen sein. Nicht selten kommt es sogar zu wandernden Gelenksentzündungen, doch meist sind nur weinige Gelenke gleichzeitig betroffen (es handelt sich also um eine Oligoarthritis, im Gegensatz zu der rheumatischen Polyarthritis). Begleitend sind Reizzustände der Bänder, Sehnen und Muskeln nicht selten.

Auch können die Borrelien das Herz befallen. Dort führt die Krankheit dann typischerweise zu einer Herzmuskelentzündung (der so genannten Libman-Sacks-Myokarditis) mit begleitender Reizung des Herzbeutels. Symptome sind Herzrhythmusstörungen (z.B. in Form eines schnellen Pulses (Tachykardie), vielen Extraschlägen (Extrasystolen) oder mit Erregungsausbreitungsstörungen im Sinne eines AV-Blocks), Schmerzen hinter dem Brustbein und Allgemeinsymptome wie Schwäche, Leistungsminderung oder Schwindel. Deutlich seltener ist das Auge befallen.

Im Stadium I ist eine Bindehautentzündung typisch, welche im Stadium II in eine tiefer greifende Entzündung der Augenhäute (Uveitis) übergehen kann.

Auch eine weitere Hautmanifestation kommt vor, ist aber eher selten. Es handelt es sich um die so genannte Lymphadenosis cutis benigna. Dabei entstehen livide (also rotbläuliche) teigige Knötchen, welche Ausmaße bis zu mehreren Zentimetern annehmen können. Prädilektionsstellen sind das Ohrläppchen, die Brustwarzen und der Hoden.

Begleitend kommt es zu grippeähnlichen Symptomen und ausgeprägten Schweißausbrüchen.

Alle Formen der Erkrankung können auch parallel auftreten, so sind zum Beispiel eine Infektion des Nervensystems und einer Lyme-Arthritis zeitgleich möglich. In der Regel sind die Beschwerden im Stadium II der Borreliose bei adäquater Therapie noch völlig reversibel.

Stadium III

Das Stadium III ist das chronische Stadium der Borreliose, welches durch eine Erregerpersistenz gekennzeichnet ist.

Es tritt erst Monate bis Jahre nach dem Zeckenbiss auf und zeigt sich durch ein immer wieder rezidivierendes Auftreten oder durch eine Persistenz der Symptome des Stadiums II (vor allem der Lyme-Arthritis und der Nervenbeteiligungen).

Die Beschwerden können zum Beispiel dauerhaft präsent sein oder schubweise, mit monate- bis jahrelangen beschwerdefreien Intervallen zwischen den Manifestationen, auftreten. Besonders typisch für das dritte Borreliosestadium ist die Acrodermatitis atrophicans Herxheimer.

Dabei handelt es sich um einen Schwund (Atrophie) des subkutanen Fettes und der Haut sowie deren Anhangsgebilde. Die Haut erscheint durch den Substanzverlust sehr dünn und bläulich, charakteristischerweise sind vor allem die Extremitäten betroffen. In der Regel schreitet die Atrophie von distal (an den Händen und Füßen) nach proximal (also zum Stamm hin) fort.

Viele Patienten beschreiben zusätzlich ein ausgeprägtes Fatigue Syndrom mit rascher Erschöpfbarkeit und extremer Müdigkeit ohne nachvollziehbare Erklärung.

Diagnose

Die Diagnose der Borreliose wird bei klassischen Symptomen durch die Anamnese und durch die klinische Untersuchung gestellt. Gesichert wird der Verdacht ggf. durch spezielle Laboruntersuchungen. Dabei werden im Patientenserum Antikörper nachgewiesen, welche als Reaktion auf die Infektion gebildet werden.

Als Suchtest hat sich dabei der ELISA-Test (ELISA steht für Enzyme Linked Immunosorbent Assay) durchgesetzt. Da diese Laboruntersuchung recht unzuverlässig ist, wird die Diagnose durch einen zweiten Labortest (einem Antikörpernachweis über ein anderes Verfahren, meist mit einem Immuno- oder Western-Blot) bestätigt.

Zusammen ergibt sich dann eine ausreichende diagnostische Sicherheit. Relevant sind dabei vor allem Antikörper der Klasse IgM, welche auf eine frische Infektion hinweisen. Da die Durchseuchung an unbemerkt abgelaufenen Erkrankungen relativ hoch ist, haben Antikörper der Klasse IgG (zeigen eine bereits abgelaufene Infektion an) keine Bedeutung. Positive Ergebnisse sollten immer im Zusammenhang mit den Symptomen des Patienten gesehen werden.

Ist eine Infektion bereits einmal durchgemacht worden, so sind Antikörpertests nur noch sehr vorsichtig verwertbar, da lange positive IgM-Titer persistieren können.

Wird eine Infektion des Gehirns vermutet, so können auch Antikörper im Nervenwasser (Liquor) nachgewiesen werden, welches über eine Lumbalpunktion gewonnen werden kann. Da im Blut zirkulierende Antikörper nicht durch die Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn vordringen können, sind positive Antikörpertiter im Liquor beweisend für eine Infektion des zentralen Nervensystems und einer daraus resultierenden intrathekalen (also im Bereich des ZNS) Antikörperbildung.

Fällt bei hochgradigem klinischen Verdacht der Antikörpersuchtest negativ aus, kann die DNA der Borrelien mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR) vervielfältigt und so nachgewiesen werden. Dieses Verfahren ist jedoch sehr aufwendig und teuer, so dass es nicht zu den Routinenachweismethoden gehört. Möglich, aber ohne klinische Relevanz (da zu zeitaufwendig, schwierig und teuer) ist die direkte kulturelle Anzüchtung der Bakterien.

Schulmedizinische Therapie

Die klassische Medizin (=Schulmedizin, Allopathie) rät dazu, eine Therapie möglichst früh zu beginnen, um ein weiteres Fortschreiten und eine Chronifizierung zu verhindern. Bei unkomplizierten Fällen in Stadium I und II kommt als das Mittel der Wahl oftmals das Antibiotikum Doxycyclin (ein Tetrazyklin) zum Einsatz. Eine Therapie wird damit über zwei (bis maximal drei) Wochen durchgeführt werden.

Ist der Einsatz dieses Antibiotikums nicht möglich (z.B. bei Allergie, in der Schwangerschaft oder vor einer starken Sonnenexposition) können alternativ Amoxicillin oder Cephalosporine verwendet werden. Bei schweren Fällen, fortgeschrittenen Stadien oder bei nachgewiesener Neuroborreliose werden als erste Wahl Cephalosporine eingesetzt, vor allem das Ceftriaxon. Nachteilig ist eine längere Therapiedauer (mindestens über 21 Tage) und eine ausschließlich parenterale Verabreichung (also über die Vene, was nicht selten nur stationär im Krankenhaus realisierbar ist).

Das chronische Stadium III ist nur noch sehr schwer einer klassischen Therapie zugänglich. Leider liegen nicht selten bereits irreversible Schäden vor.

Keine Therapie sollte bei völliger Beschwerdefreiheit durchgeführt werden, da viele Infektionen mit Borrelien völlig symptomlos verlaufen und keine folgenden Schäden verursachen werden.

Auch eine prophylaktische Therapie mit Antibiotika bei einem Zeckenbiss ist ohne entsprechende Klinik nicht sinnvoll, da die Übertragungsraten relativ gering sind und die antibiotische Therapie einige Nebenwirkungen aufweist. Lediglich sollte die Bissstelle unter Beobachtung bleiben und erst bei dem Auftreten einer Wanderröte eine entsprechende Therapie eingeleitet werden.

Eine spezielle Prophylaxe für eine Borreliose gibt es leider nicht. Eine Impfung gegen Borreliose ist bis heute nicht möglich. Die bekannte "Zeckenschutz-Impfung" hilft (höchstens) gegen die FSME, die ebenfalls über Zecken übertragen werden kann.

Blöd ist auch, dass sich ein Betroffener nach durchgemachter Borrelien-Infektion erneut infizieren, folglich kommt es nicht zu einer postinfektiösen Immunität durch die gebildeten Antikörper.

Alternative Therapie und Naturheilkunde

Meiner Ansicht und Erfahrung nach bietet die Naturheilkunde sehr gute Optionen in der Therapie einer Borreliose.

Im Stadium 1 halte ich die Antibiotika-Therapie durchaus für eine sinnvolle Option. Aber auch diese Antibiotika-Therapie würde ich unbedingt durch Maßnahmen der Naturheilkunde unterstützen wollen.

Im Stadium 2 und Stadium 3 sehe ich die besseren Optionen eindeutig bei der Naturheilkunde. Voraussetzung: Die wird "richtig" durchgeführt, was ja letztlich für alle Therapien gilt.

Für die Möglichkeiten der alternativen Therapie, sowie weitere Hintergrundinformationen verweise ich auf meinen Grundsatzbeitrag: Naturheilkunde und Naturheilverfahren bei Borreliose.

Vor allem würde ich auch an die Optionen der Homöopathie bei einer Borreliose denken.

Vorbeugung gegen Zeckenbisse

Lediglich dem Zeckenbiss selber kann durch einige Maßnahmen vorgebeugt werden. Zecken sitzen bevorzug in langen Gräsern oder Sträuchern. Sie lassen sich dagegen nicht von Bäumen fallen, wie häufig falsch zitiert wird. Schutz bieten unter anderem lange Hosen (am besten mit geschlossenen Bündchen) und Ärmel.

Auch Insektenschutzmittel führen zu einem zeitlich begrenzten Schutz. Wichtig ist es, sich nach einem Aufenthalt in der Natur gründlich abzusuchen, ob sich irgendwo am Körper eine Zecke festgebissen hat. Vor allem feuchte und warme Gebiete (z.B. Kniekehle, Leiste und Haaransatz) werden von den Blutsaugern bevorzugt befallen.

Ist es zu einem Biss gekommen, sollte die Zecke zügig entfernt werden. Je länger die Verweildauer des Tieres ist, desto größer ist dabei die Wahrscheinlichkeit, dass eine Borreliose übertragen werden kann. Bei der adulten Zecke kommt es in der Regel erst nach ca. 24 Stunden zu einer Übertragung der Erreger.

Entfernen der Zecke

Zum Entfernen sollten keine Mittel (Öl, Butter oder ähnliches) eingesetzt werden, da diese Stoffe die Zecken aufregen und sie dann reaktiv Speichel in den Wirt abgeben können. Dies erhöht entsprechend das Übertragungsrisiko.

Besser sollte das Tier mit einer Pinzette gegriffen und vorsichtig gerade, ggf. mit leichten Rüttelbewegungen, rausgezogen werden.

Der Körper der Zecke sollte mit der Pinzette nicht zu fest gehalten werden, da sonst potentiell infektiöser Speichel in die Wunde entleert werden könnte.

Entgegen der weit verbreiteten Meinung sollte die Zecke auch nicht heraus gedreht werden, da sonst der Stechapparat abreißen und in der Wunde verbleiben kann.

Nach der Entfernung sollte die Bissstelle sorgfältig desinfiziert werden. Weitere wichtige Tipps beschreibe ich in meinem Beitrag: Zeckenstich - Was tun? 

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 21.11.2017 aktualisiert

Bidquelle der Zecke: fotolia, Bobo