Peritonitis: Symptome - Verlauf - Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Das Bauchfell (Peritoneum) überzieht wie ein Netz die in der Höhle liegenden Organe (Peritoneum viscerale) und spannt sich daneben auch als äußere Hülle um den gesamten Bereich (Peritoneum parietale).

Es hat, bedingt durch seinen Aufbau und seine Lage, vielfältige Aufgabe. Unter anderem dient es der Diffusion winziger Partikel, der Resorption schädigender Substanzen (z.B. Eiter) durch das gut ausgeprägte Lymph- und Blutsystem, der zellulären Abwehr, dem mechanischen und biologischen Schutz der Bauchorgane, der Exsudation von Fibirinogen und der Bildung von Adhäsionen (Verwachsungen).

Ein drohender Infekt wird bei gesundem Organismus durch die Ausbildung von Antikörpern oder auch die Abkapselung und Ausscheidung schädigender Substanzen verhindert.

Die Peritonitis ist eine Entzündung des Bauchfells, die sich diffus im Bauchraum oder aber auch lokal begrenzt entwickeln kann. Sie stellt durch ihren meist akuten Verlauf eine lebensbedrohliche Situation für den Betroffenen dar und wird hauptsächlich durch Bakterien verursacht (ca. 95 Prozent), die durch Erkrankungen, Manipulationen (Operationen) oder Verletzungen in die Bauchhöhle gelangen.

Daneben kann die Peritonitis auch chemisch-toxisch vermittelt sein. Die Bauchfellentzündung ist die häufigste Akuterkrankung des Bauchraums, die unbehandelt zum Tod führt. Sie gilt als Begleit- oder Folgeerkrankung vieler Störungen von Organen und Geweben.

Ursachen

Zu den Ursachen für eine bakterielle Besiedelung zählen unter anderem die Perforation eines Hohlorgans (z.B. bei Sigmadivertikulitis, Appendizitis, Tumoren - Krebs, Pankreaspseudozysten, Ulkus), die intraoperative Kontamination (besonders bei Eingriffen am Darm, wo die Gefahr eines Stuhlaustritts groß ist), die Durchwanderung der Intestinalwand (unter anderem bei einem Ileus, Mesenterialinfarkt oder einer Appendizitis), die Kontamination von außen (z.B. bei einem Unfall, Messerstichverletzung), die hämatogene Besiedelung mit Keimen (vor allem bei Leberzirrhose) und die Einwanderung über außerhalb des Bauchfells gelegene Organe. Eine chemisch-toxisch begründete Peritonitis ist eher selten.

Hierbei gelangen Sekrete und Flüssigkeiten in den Bauch, die das Peritoneum reizen, angreifen und langsam zerstören. Zu den auslösenden Faktoren zählen unter anderem Urin, Galle, Pankreassaft, Kontrastmittel (bei perforiertem Magen-Darm-Bereich) oder auch Fremdkörper.

Die chemisch-toxische Peritonitis kann daneben auch durch eine Abwehrreaktion, z.B. auf Nahtmaterialien oder Klammern bei abdominalen Eingriffen, verursacht werden oder Folge einer Bestrahlung sein. Je nach Lokalisation (lokal begrenzt, diffus verteilt) entwickeln sich unterschiedlich stark ausgeprägte Symptome.

Symptome

Leitsymptome jeder Peritonitis sind der Schmerz, die Abwehr-spannung, die Darmparalyse und allgemeine Krankheitszeichen.

Die Perforation eines Organs wird durch ein akut einsetzendes Schmerzgefühl erlebt. Die Bauchdecke ist dabei stark gespannt, der Schmerz ist heftig (Vernichtungsschmerz) und führt bei jeder kleinen Bewegung zu einer Zunahme. Eine sich langsam entwickelnde Peritonitis verursacht ein diffuses Beschwerdebild mit langsam einsetzenden, zum Teil schlecht ortbaren Schmerzen, die im Verlauf an Intensität zunehmen. Druck auf den Bauch verstärkt die Schmerzen, beim Loslassen mildert sich dieser.

Parallel zum Schmerz zeigt sich eine starke Abwehrspannung der Bauchdecke, die eine reflektorisch ausgelöste Reaktion des Organismus ist, um weiteren Schaden vom Bauchraum abzuhalten.

Zu Beginn einer Peritonitis weist der Darm eine rege Aktivität auf und kann mit Durchfall reagieren. Im Verlauf wandelt sich das Bild, die Aktivität lässt nach, bis sie vollständig eingestellt ist. Folgen sind ein Stuhlverhalt und in ausgeprägten Fällen ein Erbrechen von Kotfragmenten (Miserere). Betroffene weisen, neben diesen prägnanten Beschwerden, weitere allgemeine Anzeichen einer Erkrankung auf.

Hierzu zählen Unwohlsein, Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Kreislaufstörungen, ein eingefallenes und fahles Gesicht sowie trockene Haut. Droht ein septischer Schock kommen noch Pulsrasen, Herzunregelmäßigkeiten, Unruhe, Angstzustände, Verwirrtheitszustände sowie durch Exsikkose verursachte Verschiebungen im Elektrolyt-, Säure-/Basen- und Wasserhaushalt sowie ein drohendes Nierenversagen hinzu.

Diagnose

Die Diagnostik ist detailliert und muss rasch erfolgen, da der Zustand lebensbedrohliche Folgen haben kann. Neben Anamnese, Inspektion und Palpation des Bauchraums erfolgen die Auswertung des Laborbildes, der Ausscheidungssekrete sowie der bildgebenden Verfahren (Röntgen, Sonographie, CT, Angiographie).

Therapie

Die Therapie richtet sich nach der Schwere der Erkrankung.

Hierbei werden sowohl die Ursache als auch die Komplikationen behandelt. In seltenen, weniger stark ausgeprägten Fällen, kann eine konservative Behandlung gewählt werden. Es wird ein Antibiotikum verabreicht, allgemeine Maßnahmen dienen der Senkung des Fiebers und der Linderung von Schmerzen. Zur Schonung des Magen-Darm-Traktes erfolgt meist eine parenterale Ernährung über Sonde und intravenösen Zugang.

Die ausgeprägte Peritonitis bedarf immer einer sofortigen Operation. Mittels einer medianen Laparotomie wird der Bauchraum eröffnet und der auslösende Faktor behandelt (z.B. Übernähung von Perforationen, Entfernung von Organen oder Darmteilstücken).

Zusätzlich wird eine ausgedehnte Spülung (Peritoneallavage) durchgeführt, um sämtliche Sekrete entfernen zu können. Häufig ist ein second look (zweite OP) notwendig. Hierbei wird der Bauchraum erneut inspiziert, um drohende Neuinfektionen beseitigen oder ausschließen zu können.

Als häufigste Komplikation nach Ausheilung gilt die Entwicklung eines mechanischen Ileus durch Verwachsungen im Darmbereich.

Die Peritonitis stellt in vielen Fällen eine hoch lebensbedrohliche Situation dar, die zum sofortigen Handeln zwingt. Andernfalls drohen Sepsis und Schock, mit der Gefahr eines letalen Ausgangs. Die postoperative Letalität ist, trotz sofort eingeleiteter Maßnahmen, immer noch hoch und liegt zwischen fünf und 30 Prozent.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert