Fieber bei Kindern - Fieberkrämpfe: Ansteckung, Symptome, Verlauf

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Ein Fieberkrampf ist ein zerebraler Krampfanfall, welcher vor allem bei Kindern und Kleinkindern auftritt. Meist entsteht er sekundär bei fieberhaften Erkrankungen.

Typischerweise gehen die auslösenden Infektionen mit einem schnellen Temperaturanstieg einher, meist handelt es sich um fieberhafte Virusinfektionen der oberen Luftwege.

Nach der üblichen Definition darf bei einem Fieberkrampf jedoch keine primäre Infektion des zentralen Nervensystems (zum Beispiel eine Meningitis oder Enzephalitis) vorliegen, welche den Krampfanfall selber auslösen könnte. Auch sollten die betroffenen Kinder per definitionem in der Vergangenheit keine unprovozierten Anfälle erlitten haben, da dann ein klassischer Fieberkrampf von einer zu Grunde liegenden primären Epilepsie nicht abgegrenzt werden könnte.

Bei einem Fieberkrampf handelt es sich um einen so genannten generalisierten Anfall. Dabei kommt es in der Regel zu einem Bewusstseinsverlust und einer Symptomatik, welche den ganzen Körper einschließt. In den meisten Fällen geht der Anfall nach einigen Minuten auch ohne weitere Intervention vorüber, schwerwiegende Folgen sind bei einem blanden Fieberkrampf nicht zu erwarten. Dennoch ist ein kindlicher Krampfanfall für die meisten Eltern ein schockierendes Ereignis und ruft bei den Eltern nicht selten Hilflosigkeit hervor. Durch die unkontrollierten Bewegungen und den Bewusstseinsverlust wird ein Fieberkrampf häufig als lebensbedrohlicher Notfall erlebt.

Der Altersgipfel für Fieberkrämpfe liegt zwischen dem 14. und 18. Lebensmonat, vor dem siebten Lebensmonat sowie nach Vollendung des vierten Lebensjahres treten sie nur sehr selten auf und sollten Anlass zu einer weiteren Diagnostik geben, um eine andere Ursache für den Anfall auszuschließen. In Europa sind zwei bis fünf Prozent aller Kinder mindestens einmal in ihrem Leben von einem Anfall durch fieberhafte Infektionen betroffen. In Entwicklungsländern liegt die Häufigkeit etwas höher. Entgegen der allgemeinen Meinung ist der Fieberkrampf (und nicht die klassische Epilepsie) die häufigste Form eines zerebralen Krampfanfalls im frühen Kindesalter.

Ursache

Die spezifischen Ursachen für Fieberkrämpfe im Kindesalter sind noch nicht umfassend erforscht. Man geht davon aus, dass mehrere auslösende Faktoren an der Entstehung des Anfallereignisses mitwirken.

Neben dem Auftreten eines fieberhaften Infekts spielt ein spezifischer Reifezustand des Gehirns ebenso eine Rolle wie eine genetische Prädisposition. Da Fieberkrämpfe besonders nach Virusinfektionen auftreten, geht man davon aus, dass verschiedene spezielle Eigenschaften des jeweiligen Erregers für die Auslösung des Anfalls begünstigend wirken.

Am häufigsten liegen banale Erkältungsinfektionen vor. Doch auch eine Infektion durch das humane Herpesvirus 6 als Verursacher des so genannten Drei-Tage-Fiebers ist hier hervorzuheben, weil es dabei signifikant gehäuft zu einem Fieberkrampf kommen kann.

Auch wurde ein erhöhtes Auftreten von Fieberkrämpfen als Impfreaktion bei der Impfung gegen beispielsweise Keuchhusten oder Masern berichtet. Neurophysiologisch stellt sich der kindliche Fieberkrampf als vorübergehende thermische Störung im System der GABA-Rezeptoren dar. Gammaaminobuttersäure (GABA) spielt im Gehirn eine zentrale Rolle bei der Inhibition von Erregungszuständen.

Die durch die Hyperthermie ausgelöste Funktionseinschränkung der Neuronen des GABA-Systems blockiert das Anbinden der Moleküle der Gammaaminobuttersäure an ihren spezifischen Rezeptoren, was zu einer erhöhten Erregbarkeit und einer Senkung der Krampfschwelle führt.

Verlauf

Das Auftreten eines unkomplizierten kindlichen Fieberkrampfes geht typischerweise mit hohem, schnell ansteigendem Fieber, plötzlichem Bewusstseinsverlust und tonisch-klonischen Krämpfen einher. Nach Eintritt der Bewusstlosigkeit kommt es zunächst üblicherweise zu einer starken generalisierten Tonuserhöhung der Muskulatur, bevor nach etwa einer halben Minute rhythmische Zuckungen auftreten. Auch atonische Verläufe mit völligem Verlust der Körperspannung und daraus resultierenden Stürzen sind beschrieben. Nach meist etwa zehn Minuten schwächt sich das Krampfgeschehen ab. Während des Krampfes kommt es nicht selten zu unwillkürlichem Stuhl- und Urinabgang sowie einem lateralen Zungenbiss. Postiktal kann es zu einer Benommenheit, Schwindel und zu Kopfschmerzen kommen. Aber auch tiefe Schlafzustände, aus denen der Betroffene kaum zu erwecken ist, sind möglich (der so genannte Terminalschlaf).

Atypische Verläufe sind deutlich seltener und zeichnen sich durch eine Herdaktivität aus, wobei nur Teile des Körpers von Krämpfen betroffen sind und initial keine vollständige Bewusstlosigkeit auftritt. In diesen Fällen spricht der Mediziner von einem fokalen Anfall.

Auch das gehäufte Auftreten von Fieberkrämpfen in einer Fieberepisode (und/oder mehrmals innerhalb von 24 Stunden), deren ungewöhnlich lange Dauer (über etwa 15 Minuten) oder bleibende Residuen nach dem Anfall (zum Beispiel Lähmungen) sind Zeichen eines komplizierten Verlaufs, bei dem eventuell eine weitere Abklärung über eine Epilepsiediagnostik sinnvoll erscheint.

Diagnose

In der Regel kann die Diagnose unter Beachtung einer sorgfältigen Anamnese und einer gründlichen körperlichen Untersuchung gestellt werden. Ebenfalls sollte nach der Ursache des auslösenden Fiebers gesucht werden.

Neben dem Fieber sollten auch andere anfallsauslösende Faktoren wie Synkopen oder Kreislaufprobleme, aber auch Hypoglykämien oder Elektrolytverschiebungen bedacht und ggf. diagnostisch abgegrenzt werden. Entzündliche Erkrankungen des Nervensystems oder der Hirnhäute (wie Enzephalitiden und Meningitiden) müssen ebenfalls ausgeschlossen werden.

Eventuell ist hier eine Hirnwasseruntersuchung (Liquordiagnostik) wegweisend. Bildgebende Verfahren können insbesondere bei Verdacht auf einen Hirnabszess oder auf sonstige Raumforderungen sinnvoll sein. Bei rezidivierenden oder atypischen Verläufen ist eine sorgfältige Erhebung des neurologischen Status angezeigt, wobei hier ein Elektroenzephalogramm (EEG) eventuell vorliegende Anzeichen eines Krampfleidens aufdecken kann.

Therapie

Meist ist bei unkomplizierten Fieberkrämpfen kein therapeutisches Eingreifen notwendig. Um eine Sekundärgefährdung zu vermeiden, sollten spitze oder scharfkantige Gegenstände aus der Umgebung entfernt werden und das Kind auf ebenen Boden gebracht werden.

Ein Beißkeil zur Verhinderung eines Zungenbisses sollte nach dem heutigen Stand nicht mehr eingesetzt werden, da dieser ein zusätzliches Verletzungsrisiko birgt und der Zungenbiss in der Regel in der tonischen Phase entsteht. Eine stark reduzierte Atemtätigkeit (bis hin zur Apnoe, also einem vorübergehenden Atemstillstand) mit einhergehender Zyanose ist nicht unüblich. Daher sollte die Atmung stetig überwacht werden.

Bei atypischen Verläufen mit Tonusverlust der Muskulatur sollte die Atmung mittels Freihalten der Atemwege und stabiler Seitenlagerung unterstützt werden. Überschreitet die Dauer des akuten Anfalls mehr als 10 bis 15 Minuten oder kommt es zu Atemstillständen während des Krampfes, ist eine zusätzliche medikamentöse Intervention erforderlich. Dies gilt auch bei komplizierten Verläufen mit zum Beispiel fokaler Ausprägung. Die rektale Gabe von Diazepam ist hier Mittel der ersten Wahl. Auf dem Markt sind Zäpfchen oder Klistiere erhältlich, welche die Eltern betroffener Kinder im Hause haben sollten.

Alternativ können auch antiepileptische Medikamente wie Chloralhydrat und Clonazepam eingesetzt werden. Auch das kurzwirksame Sedativum Midazolam besitzt eine hohe krampflösende Wirkung. Diese Medikamente sind jedoch dem ärztlichen Personal unter kontinuierlicher Überwachung vorbehalten.

Eine Prophylaxe von Fieberkrämpfen ist in der Regel nur angezeigt, wenn sich in der Vergangenheit eine hohe Neigung zu Krampfanfällen infolge einer fiebrigen Erkrankung gezeigt hat oder sich deren Verlauf kompliziert darstellte. Die Gabe von Antipyretika (also fiebersenkenden Mitteln wie zum Beispiel Paracetamol) gilt jedoch als wenig zuverlässig zur vorbeugenden Behandlung des Fieberkrampfes und sollte nur zur Bekämpfung von Begleitsymptomen (Tachypnoe, allgemeines Krankheitsgefühl und Abgeschlagenheit) eingesetzt werden. Als wahrscheinlich wirksam gilt die prophylaktische Gabe von Diazepam, welches bereits zu Beginn einer Fieberepisode für maximal zwei Tage oral verabreicht werden kann. Wie alle Benzodiazepine kann das Medikament aber eine Reihe von unerwünschten Wirkungen wie Schwindel, Müdigkeit oder Benommenheit (bei Kindern auch paradoxe Wirkungen, zum Beispiel Agitiertheit und motorische Unruhe) auslösen, weshalb es als generelle Maßnahme nicht empfohlen werden kann.

Auch können durch die Diazepammedikation Symptome eines zugrunde liegenden zerebralen Krankheitsgeschehens (zum Beispiel einer Meningitis) verschleiert werden. Anderen Medikamenten (etwa Carbamazepin, Phenytoin oder Phenobarbital) wurde in neueren Studien eine Wirksamkeit zur Prophylaxe von Fieberkrampf-Rezidiven abgesprochen.

Die Prognose von Fieberkrämpfen ist günstig. In der Regel bleibt das ein- oder mehrmalige Auftreten von unkomplizierten Fieberkrämpfen im Kindesalter folgenlos und hat keine schwerwiegenden Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung, das Wachstum oder auf die Entstehung anderer Erkrankungen des Gehirns oder des Nervensystems.

Der Zusammenhang von Fieberkrämpfen mit der späteren Ausbildung einer manifesten Epilepsie ist umstritten. Gegenüber Kindern, die keine Fieberkrämpfe hatten, kann das wiederholte Auftreten von insbesondere atypischen oder komplizierten Krampfereignissen auf das Vorhandensein eines latenten Epilepsierisikos hinweisen.

Zwei Drittel aller betroffenen Kinder erleiden in der Folge keine weiteren Anfallsereignisse mehr - mit oder ohne Fieber. Generell gilt, dass eine eher niedrige Körpertemperatur bei dem ersten Anfall und ein Auftreten in frühen Lebensmonaten das Risiko eines Rezidivs erhöht.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert