Kinderlähmung (Polio): Ansteckung, Symptome, Verlauf,
Impfung
von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Die Kinderlähmung (Poliomyelitis) ist eine hoch ansteckende Erkrankung, die durch Enteroviren
verursacht wird. Das fäkal-oral übertragene Poliovirus war in früheren Jahrzehnten weltweit zu finden, konnte durch
geeignete Impfungen aber eingedämmt werden und ist seit 2002 in Deutschland nicht mehr nachgewiesen worden.
Heute zeigen sich vermehrt Infektionen in unterentwickelten oder tropischen Regionen, die besonders unter
verunreinigtem Wasser und mangelnder Hygiene leiden. Hier wird das Virus v.a. über Wasser, Trinkwasser und
Lebensmittel übertragen.
Die Erkrankung verursacht bei nur ca. fünf Prozent aller Infizierten Symptome, ansonsten verläuft die Poliomyelitis unbemerkt (asymptomatisch). Nach
Aufnahme des Virus, welches zellzerstörende Eigenschaften besitzt, gelangt es in den Verdauungstrakt, wo es sich in
der Dünndarmschleimhaut vermehren kann. Durch Aufnahme in die Blutbahn gelangt es dann in den gesamten Organismus
und v.a. in das Nervensystem. Überschüssige Viren werden über den Darm ausgeschieden und können sich so weiter
ausbreiten.
Die Inkubationszeit beträgt drei bis sechs Tage. Dann verursacht das Virus beim symptomatischen Verlauf
allgemeine Symptome einer Gastroenteritis, u.a. Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall sowie Fieber. Zusätzlich zeigen sich Kopfschmerzen und Halsschmerzen.
Bei ein bis zwei Prozent der Infizierten kommt es zu einer nicht-paralytischen (nicht lähmenden) Poliomyelitis
mit Anzeichen einer aseptischen Meningitis
(Hirnhautentzündung),
die sich v.a. durch Nackensteifigkeit - Nackenschmerzen und Rückenschmerzen bemerkbar macht.
Die klassische Poliomyelitis zeigt sich bei ca. einem Prozent aller Fälle. Hauptsymptom ist die
Muskelschwäche, die sich z.T. auf bestimmte Muskelgruppen beschränkt, z.T. aber auch den gesamten Muskelapparat
lähmt. Gleichzeitig sind die Sehnenreflexe abgeschwächt oder fehlend. Es zeigen sich Kreislaufstörungen, Herzbeschwerden (Herkrankheiten), Schluckstörungen (HNO) und auch Atemlähmungen (Atemnot), die in bis zu 60 Prozent der Fälle letal enden
können. Teilweise bilden sich die Lähmungen nach einigen Wochen zurück, bei ca. 50 Prozent verbleiben
Restlähmungen, die zu körperlichen Einschränkungen führen. Hier spielt das Alter des Erkrankten eine wesentliche
Rolle. Je älter der Infizierte ist, umso schlechter lassen sich Lähmungserscheinungen rückgängig machen. Es droht
die Atrophie (Abbau) der betroffenen Muskulatur mit Sehnenverkürzungen und Kontrakturen.
Das Post-Polio-Syndrom (PPS) ist eine Erscheinung, die sich 30 bis 40 Jahre nach durchlebter
Poliomyelitis zeigt. Es kommt zu einer allgemeinen körperlichen Schwäche mit Muskelschmerzen und Gelenkschmerzen sowie einem Abbau der Muskulatur. Die
Ursache für diesen erneuten Ausbruch ist bis heute nicht geklärt.
Zur gesicherten Diagnose werden Stuhlproben und Blutproben (Blutwerte) auf das Virus hin ausgewertet. Zusätzlich erfolgt im Blut der
Antikörpernachweis von IgA und IgM. Auch Liquorpunktat und Rachensekret liefern diagnoserelevante Ergebnisse.
Das Virus selbst kann nicht behandelt werden. Daher zielt die Therapie auf eine Linderung der Symptome ab. Neben strenger Bettruhe werden v.a. muskelentspannende Maßnahmen
(z.B. Weichlagerung, Umlagerung) und leichte Physiotherapie (Krankengymnastik) angewandt. Bei drohender Atemlähmung
wird diese intensivmedizinisch durch eine Lungenmaschine unterstützt und behandelt.
Neben der Polio-Impfung können (z.B. bei Reise in ein Land mit hygienischen Missständen) einfache Maßnahmen
einen Ausbruch der Krankheit verhindern. Hierzu zählen eine ausreichende Hygiene, das Abkochen von Wasser sowie die
Meidung unbekannter Speisen (bzw. ausreichende Hitze und vollständiges Garen beim Kochen).

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