von: René Gräber - Heilpraktiker und
Gesundheitspädagoge
Immer wieder müssen Fußballprofis wegen eines Kreuzbandrisses auf Monate pausieren oder im schlimmsten Fall ihre
Karriere ganz beenden. Aber nicht nur Berufssportler verletzen sich häufig am vorderen Kreuzband, auch
Freizeitkicker und Skiurlauber haben ein erhöhtes Risiko für diese Schädigung im Kniegelenk.
Von den etwa 100.000 Kreuzbandrissen, die jährlich in Deutschland auftreten, ereignen sich über 80 Prozent beim
Sport. Dabei ist die Verletzungsgefahr, neben Fußball und den alpinen Skisportarten, vor allem bei American
Football, Rugby, Handball, Ringen oder Judo gegeben.
Demgegenüber ist das Risiko für einen Kreuzbandriss beim Schwimmen, Joggen, Radfahren oder Tennis sehr gering.
Oft ereignen sich die Verletzungen bei Zweikämpfen, aber auch ein plötzlicher Richtungswechsel beim Laufen oder
eine Verdrehung des Kniegelenks, die durch einen stumpfen Hallenboden verursacht wird, können die Kreuzbänder
reißen lassen.
Die beiden etwa fünf Zentimeter langen Kreuzbänder stabilisieren das Knie bei Bewegungen und können enorme
Belastungen ausgleichen. Das vordere Kreuzband, das bei Sportverletzungen meistens betroffen ist, verspannt
Oberschenkel und Schienbein miteinander.
Es befindet sich direkt hinter der Kniescheibe. Wirken sehr plötzlich große Kräfte auf das Kreuzband, so kann es
zu dem gefürchteten Riss kommen.
Bisher ist keine Sportübung bekannt, um einem Kreuzbandriss gezielt vorzubeugen. Dennoch gilt eine gründliche
Aufwärmphase vor jeder Trainingseinheit als beste Methode, um verschiedenste Sportverletzungen bereits im Vorfeld
zu verhindern.
Sportwissenschaftler sind sich außerdem einig, dass eine gut ausgebildete Muskulatur die Kniegelenke
stabilisiert und damit die Bänder entlastet.
Körperliche Ermüdungserscheinungen hingegen erhöhen das Risiko für einen Kreuzbandriss, wie der Kölner
Kniespezialist Dr. Jürgen Höher gegenüber dem Focus bekräftigt.
Zwar hat die Sportmedizin gute Fortschritte bei der Diagnostik und Behandlung eines Kreuzbandrisses gemacht,
dennoch kann die Verletzung langfristige Funktionsstörungen nach sich ziehen, so der leitende Arzt der Sektion
Orthopädie und Sporttraumatologie in der Klinik am Ring.
Dies kann zu vorzeitigem Gelenkverschleiss – einer Arthrose im Knie – führen, wenn nicht frühzeitig mit
geeigneten Therapiemaßnahmen begonnen wird. Zwar bemerken die Betroffen oft ein Knacken oder Knallen im Moment des
Kreuzbandrisses, können das Bein aber nach kurzer Zeit wieder ohne Schmerzen belasten, weshalb Freizeitsportler
manchmal die Verletzung erst sehr spät (teilweise erst nach Jahren) als Kreuzbandriss erkennen. Deshalb raten
Fachleute, nach einer schmerzhaften Verdrehung des Kniegelenks unbedingt einen Sportmediziner aufzusuchen, selbst
wenn das Knie anschließend nur leicht angeschwollen ist. Denn ein lange Zeit unentdeckter Kreuzbandriss kann die
Knorpel, die für die Kraftübertragung bei Bewegungen nötig sind, auf Dauer schädigen.
Meist kann der Arzt die Diagnose des Kreuzbandrisses bereits durch eine gezielte Untersuchung stellen, teilweise
ist aber eine Kernspintomographie nötig, schon allein deshalb, um mögliche zusätzliche Verletzungen zu erkennen,
weiß Dr. Jürgen Höher aus langjähriger Erfahrung.
Bei Patienten, die auf ausgeprägte körperliche Bewegung verzichten können genügt eine gezielte Krankengymnastik,
doch halte auch ich eine Kreuzband Operation unumgänglich, um das Kniegelenk für intensiven Sport zu
stabilisieren. Denn durch den Kreuzbandriss kann es bei Belastung zu einer starken Verschiebung zwischen Ober- und
Unterschenkel kommen, bei der das Kniegelenk plötzlich "wegknickt". Da aber selbst eine direkte Operation dies
nicht immer verhindert, sind vor allem ältere und wenig Sporttreibende Patienten mit einer professionellen
krankengymnastischen Behandlung und regelmäßigen Kontrollen oft besser beraten.
Betroffenen Profis und ambitionierten Freizeitsportlern hingegen rät auch Dr. Höher, operativ ein Stück der
eigenen Sehne als Ersatz für das Kreuzband ins Kniegelenk einbauen zu lassen, sobald das Knie vollständig
abgeschwollen ist.
Gleiches gilt für komplizierte Verletzungen, bei denen, zusätzlich zum Kreuzband, beispielsweise Knorpel oder
Meniskus betroffen sind. Denn ohne eine Operation kann es in diesen Fällen zu weiteren Verletzungen oder zu
Gelenkverschleiß kommen. Wird der Eingriff zu früh vorgenommen, kann das Gelenk durch die Bildung von Narben
(Arthrofibrose) steif bleiben.
Nach der Operation, die in Vollnarkose oder Rückenmarksnarkose durchgeführt wird, sollte über mehrere Monate
eine gezielte intensive physiotherapeutische Behandlung stattfinden, die genau an den Heilungs- und
Gesundheitszustandes des Kniegelenks angepasst wird. Denn so kommt es nicht zu einer Verklebung der Wundflächen,
und auch die Muskulatur rund um das Kniegelenk wird gestärkt. Dennoch sind starke körperliche Belastungen erst nach
etwa drei Monaten wieder möglich. Auf Sportarten, die die Knie belasten, sollte sogar sechs bis neun Monate lang
verzichtet werden.
Ein Kreuzbandriss, der sich aus einer scheinbar harmlosen Bewegung ergibt, zieht also meist eine langwierige
Behandlung nach sich. Durch das Zusammenspiel von Ärzten, Physiotherapeuten (Reha und Traininstherapie) und Patienten steht der
sportlichen Aktivität nach dem Heilungsprozess aber nichts mehr im Wege.
Kreuzband OP
Folgendes animiertes Video zeigt eine Kreuzband OP recht detailreich: