Nierenentzündung: Ursachen, Verlauf, Diagnose, Therapie

Die Nierenentzündung beschreibt eine (eher seltene) Reizung der Nierenkörperchen (Glomeruli), deren genaue Entstehung noch nicht vollständig geklärt ist. Man geht von einer Autoimmunerkrankung aus, bei der der Körper Antikörper gegen die Nieren bildet. Die Entzündung kann akut oder chronisch in Erscheinung treten und betrifft immer beide Organbestandteile. Die primäre Glomerulonephritis zeigt sich isoliert an beiden Nieren. Bei der sekundären Form dagegen entsteht die Nierenentzündung als Folge einer anderen Erkrankung (z.B. systemischer Lupus erythematodes).



von: René Gräber - Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge

In den meisten Fällen zeigt sich eine IgA-Glomerulonephritis, bei der Immunglobulin-A-Antikörper gebildet werden, die sich in den Glomeruli einnisten, das Gewebe schädigen und die Funktion der Niere durch die hervorgerufene Entzündung beeinträchtigen. Häufig zeigen sich Blut im Urin oder Eiweißbestandteile im Urin.

Die akute (sekundäre) Glomerulonephritis (aGN, Bright´sche Erkrankung, akutes nephritisches Syndrom) tritt vorwiegend im Kindesalter (vermehrt bei Jungen) auf. Hier lässt sich meist eine Streptokokken-Infektion der oberen Atemwege als Auslöser des Autoimmunprozesses diagnostizieren. Die Symptome zeigen sich plötzlich (ohne Vorankündigung) innerhalb von vier bis sechs Wochen nach der Infektion. Sehr selten entwickelt sich die (zum Teil aus der akuten Form entstehende) rasch-progrediente Glomerulonephritis, bei der es innerhalb weniger Tage oder Wochen zu einer Zerstörung vieler Nierenkörperchen kommt. Resultat ist häufig die Niereninsuffizienz.

Das nephrotische Syndrom zeigt sich vermehrt bei Kleinkindern bis zum vierten Lebensjahr sowie bei Diabetikern (hauptsächlich Männern). Erhöhte Zuckerwerte schädigen über einen langwierigen Prozess auch das Nierengewebe. Es zeigen sich Proteinurie und Hyperlipoproteinämie (erhöhte Blutfette).

Entwickelt sich die Glomerulonephritis über einen jahrelangen Prozess spricht man von der chronischen Form, bei der die Gefahr eines Nierenversagens mit dem Verlauf zunimmt.

Ca. 50 Prozent der Nierenentzündungen verlaufen symptomlos und werden erst im weit fortgeschrittenen Stadium bemerkt.

Bei den übrigen 50 Prozent lassen sich drei klassische Symptome manifestieren, die unter dem Begriff Volhard-Trias (arterielle Hypertonie, Ödeme, Hämaturie) zusammengefasst werden:

Durch Verstopfung der Filtereinheiten kommt es zu einer Oligurie (verminderte Harnausscheidung, ca. 0,5 Liter pro Tag), der Filtrationsdruck sinkt und führt über eine Reninausschüttung zu einer Verengung der notwendigen Gefäße (Vasokonstriktion).

Das Wasser wird nicht mehr abfiltriert und verursacht einen Elektrolyt- und Blutdruckanstieg (arterielle Hypertonie), der unter anderem zu Kopfschmerz und Sehstörungen führt. Das gesammelte, gestaute Wasser zeigt sich im Gesicht und an den Extremitäten in Form von Ödemen (z.B. Lidödem).

Mit zunehmender Schädigung werden die Filter porös und lassen auch größere Bestandteile durch. So zeigen sich Erythrozyten (roter Urin = Hämaturie) und Eiweiße (Proteinurie) im Urin - Urinuntersuchungen.

Dagegen verbleiben die harnpflichtigen Substanzen im Organismus und führen zu einer ansteigenden Vergiftung / Schädigung. Bleibt die Erkrankung unentdeckt, kann es zu einer vollständigen, lebensbedrohlichen Zerstörung der Nieren (akutes Nierenversagen) kommen, wodurch Betroffene dialysepflichtig werden und auf eine Nierentransplantation angewiesen sind.

Zu den allgemeinen Anzeichen einer Nierenentzündung zählen hohes Fieber, Nierenklopfschmerz, Müdigkeit, Leistungsabfall, Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen sowie erhöhtes Durstgefühl. Bei chronischem Verlauf zeigen sich zudem brüchige Nägel, spröde Haare, ein vermindertes Abwehrsystem sowie eine zunehmende Porosität der Knochen (vermehrtes Frakturrisiko).

Untersuchungen und Diagnose

Neben Anamnese, Inspektion und Perkussion der Nierenlager werden vor allem Blut und Urin auf Hinweise untersucht. Das Organ wird sonographisch dargestellt, eine Probebiopsie zeigt das Ausmaß der Schädigung.

Therapie

Die schulmedizinische Therapie richtet sich nach dem Stadium der Entzündung. Bei geringer Beeinträchtigung des Organismus reicht unter Umständen die engmaschige Beobachtung aus. In den meisten Fällen (ca. 90 Prozent) wird jedoch medikamentös unterstützt werden.

Hier werden in der Schulmedizin vor allem Immunsuppressiva zur Entzündungseindämmung eingesetzt.

Durch salz- und purinarme Kost sowie eine bilanzierte Flüssigkeitsaufnahme können Ödeme und eine arterielle Hypertonie häufig gut behandelt werden. Ein drohendes Nierenversagen stellt eine Indikation zur sofortigen Dialyse dar, um weiterreichende Schäden abwenden zu können.

Insgesamt zeigt sich vor allem bei der primären Glomerulonephritis eine gute Heilungstendenz. Bei der sekundären Form ist die Therapierbarkeit stark abhängig von der Grunderkrankung.

weitere Interessante Themen: Nephrotisches Syndrom - Glomerulonephritis - Nierensteine - Nierenbeckenentzündung

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert