Nierenstau: Ursachen, Verlauf, Diagnose Therapie


Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Unter physiologischen (normalen) Bedingungen dient die Niere, neben Hormonproduktion und Regulation von Blutdruck, Säure-Basen-Haushalt sowie Wasser- und Elektrolythaushalt, hauptsächlich der Gewinnung des Primärharns und der Filtration harnpflichtiger Substanzen.

Durch verschiedene Ereignisse, Störungen oder Erkrankungen kann diese Funktion in besonderem Maße beeinträchtigt sein und sich durch einen Nierenstau bemerkbar machen.

Grundsätzlich lassen sich zwei Formen von Stauungsnieren unterscheiden: Die Harnstauungsniere (z.B. Hydronephrose) und die Blutstauungsniere.



Die Harnstaungsniere

Beide Formen haben verschiedene Ursachen, die zum Teil angeboren, zum Teil erworben sind. Die Symptomatik ähnelt sich in den meisten Fällen, die Prognose und Therapierbarkeit ist abhängig von der gestellten Diagnose und dem Stadium der Schädigung.

Bei einer Harnstauungsniere staut sich der Urin zurück in das Nierenbeckensystem und führt dort zu einer massiven Erweiterung. Das Gewebe wird durch den Druck zerstört, die Niere verliert schleichend ihre Funktionalität. Es kommt zu uncharakteristischen Kreuz - oder Rückenschmerzen oder stechenden Impulsen in der Flanke, plötzlich einsetzenden Fieberschüben, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und wiederkehrenden Harnwegsinfektionen. Die Niere vergrößert sich zunehmend, zum Teil lassen sich kleine Schwellungen auf der Oberfläche darstellen. Das Gewebe verhärtet sich, zu- und abführende Gefäße erweitern sich. Der Stau wird durch eine nachlassende Urinausscheidung bemerkt (Oligurie = Ausscheidung unter 500 Milliliter pro Tag). Zusätzlich schädigen die nicht mehr ausreichend ausgeschiedenen harnpflichtigen Substanzen den Organismus, sie beeinträchtigen weitere Organfunktionen, hier besonders das Herz. Daneben finden sich durch die porös werdenden Filter der Nieren Erythrozyten im Urin, die diesen rot färben (= Hämaturie).

Eine Ursache für eine Harnstauungsniere ist die Hydronephrose, eine angeborene Fehlbildung der ableitenden Harnwege. Im Säuglingsalter kann es zu einer verzögerten Entwicklung mit Beeinträchtigungen von Magen und Darm (Durchfälle, Erbrechen) kommen. Diese wird in den meisten Fällen aber nicht mit der eigentlichen Diagnose in Verbindung gebracht. Die Hydronephrose verläuft bis zum Erwachsenenalter vermehrt symptomlos und wird erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt.

Weitere Ursachen sind die Verengung oder der Verschluss des Harnleiters, z.B. durch Steine oder Tumoren, ein Megaureter (Fehlbildung, bei der der Harnleiter stark erweitert ist), die Harnleiter-Agenesie (angeborenes oder erworbenes Fehlen eines oder beider Harnleiter), die Ureter-Duplikatur (angeborene Doppelung des Harnleiters, wobei dieser meist fehlgeleitet in ein anderes Organ mündet) sowie ein vesikouretrorenaler Reflux (Urinrückfluss aus der Blase zurück in das Nierenbecken)

In sehr seltenen Fällen zeigt sich eine Form der Endometriose (Wuchs der Gebärmutterschleimhaut außerhalb ihres ursprünglichen Ortes) in der Niere, die zu den erwähnten Symptomen führen kann.

Eine fortgeschrittene Schwangerschaft kann durch Druck des Ungeborenen auf eine der beiden Nieren sowie durch die Größenzunahme des Uterus ebenfalls zu einem Stau führen.

Die Blutstauungsniere

Auch bei der Blutstauungsniere ist die Niere in Form und Konsistenz verändert. Sie ist vergrößert, verhärtet und zum Teil geschwollen.

Die Funktion der Niere ist herabgesetzt, es zeigen sich Oligurie, Natriumretention sowie ein trüber, albuminreicher Urin.

Ursachen für den Nierenstau sind eine Herzinsuffizienz (vor allem Rechtsherzdekompensation) oder eine Nierenvenenthrombose. Meist sind weitere Organe, wie z.B. Milz oder Leber, in Mitleidenschaft gezogen, so dass die zusätzlich auftretenden Symptome unter Umständen lebensbedrohlich sein können.

Untersuchungen und Diagnose

Einmal zerstörtes Gewebe kann sich nicht wieder regenerieren. Daher ist eine frühzeitige Diagnose wichtig für die Prognose. Die Untersuchungsmethoden sind klassisch, neben Anamnese und Inspektion werden Sonographie, Biopsie und vor allem die Diagnostik von Blut und Urin genutzt.

Therapie

Die schulmedizinische Therapie richtet sich nach dem Befund.

Angeborene Fehlbildungen oder Verlegungen müssen unter Umständen operativ behoben werden.

Spasmolytika (krampflösende Mittel) werden in der Schulmedizin unterstützend eingesetzt werden.

Bei Schwangeren kann durch eine Linksseitenlage der Druck des Uterus auf die Niere genommen werden. Bei starken Beeinträchtigungen wird operativ eine Schienung (Fistel) der Niere vorgenommen, bei der der Urin für einen bestimmten Zeitraum über diesen Katheter nach außen abgeleitet wird.

Droht die Urosepsis (Harnvergiftung), muss die befallene Niere ggf. entfernt werden (Nephrektomie). Schafft die verbleibende Niere im Anschluss nicht, die Funktion des entfernten Organs zu übernehmen, können nur Dialyse oder Transplantat einer Lebensverlängerung dienen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert