Nykturie: Ursachen, Verlauf, Diagnose und Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Unter Nykturie versteht man einen nächtlichen Harndrang, der nicht beherrschbar ist und den Betroffenen zwingt, das Bett zu verlassen und seine Blase zu entleeren.



Die Stärke eines nächtlichen Wasserlassens hängt selbstverständlich auch von der Trinkmenge vor dem Zubettgehen ab. Fachmedizinisch spricht man erst dann von Nykturie, wenn der Betroffene mehr als zweimal pro Nacht die Toilette aufsuchen muss. Hat zum Zeitpunkt des Aufwachens bereits eine Harnentleerung (Nässung des Bettes) stattgefunden, spricht man von einer Harninkontinenz und nicht mehr von einer Nykturie.

Bei Senioren wird die Beschwerde des nächtlichen Wasserlassens oft als altersbedingte Störung hingenommen. Eine starke Nykturie jedoch schränkt die Lebensqualität erheblich ein und ist meist auch Symptom einer anderen, möglicherweise schweren Erkrankung. Daher sollten Betroffene in jedem Alter zur Klärung der Ursachen der Nykturie einen Arzt aufsuchen.

Ätiologie

Die häufigste Ursache der Nykturie ist eine hyperaktive Blase. In diesem Falle müssen die Betroffene sowohl tags als auch nachts sehr oft Wasserlassen und/ oder leiden an spontanem Harndrang und /oder verlieren ungewollt Harn in verschiedenen Mengen.

Von einer hyperaktiven Blase sind statistisch mehr Männer als Frauen betroffen. Sehr oft kommt das nächtliche Wasserlassen bei männlichen Senioren in Verbindung mit einer gutartigen Vergrößerung der Prostata (Prostatahyperplasie) vor. Durch diese wird die Harnröhre eingeengt und die Harnblase kann beim Toilettengang nicht mehr vollständig entleert werden. Daher setzt der Harndrang wieder früher ein.

Aber auch eine Herzinsuffizienz kann die Ursache eine Nykturie sein. Denn bei einer Herzschwäche lagert der Körper oft während des Tages Wasser (Ödeme) im Körper ein. Dieses muss nachts wieder ausgeschwemmt werden - der Harndrang nimmt zu.

Frauen leiden oft während oder nach Schwangerschaften und Geburten an nächtlichem Wasserlassen, bedingt durch den Druck der Gebärmutter auf die Blase und die Erschlaffung des Beckenbodens.

Auch eine Blasenentzündung, die Einnahme harntreibender Medikamente oder der Diabetes mellitus können eine Nykturie bedingen.

Diagnose

Um eine Nykturie zu diagnostizieren ist ein ausführliches Anamnesegespräch unerlässlich. Betroffene können hier den Arzt unterstützen, indem sie ein Tagebuch führen, in dem sie Trinkmengen und -zeiten und auch die Zeiten und Mengen der Blasenentleerung festhalten. Ein solches Tagebuch sollte mindestens eine Woche lang geführt werden, um eindeutige Aussagen zu zulassen.

Neben der Anamnese sind oft auch zahlreiche Untersuchungen notwendig, um die Ursache für den nächtlichen Harndrang zu eruieren.
Als erstes werden die Urinwerte und Blutwerte bestimmt. Sollten sich hierbei auffällige Befunde ergeben, können zusätzlich ein Ultraschall des Oberbauchs, der Harnblase, der Nieren und (beim Mann) der Prostata Hinweise geben. In manchen Fällen können auch eine Blasenspiegelung oder eine Untersuchung anderer Organe (beispielsweise des Herzens) nötig sein.

Therapie

Da es sich bei der Nykturie um ein Symptom und nicht um eine Erkrankung an sich handelt, kann man diese nicht direkt selbst behandeln. Um die Nykturie einzuschränken oder ganz abzustellen, muss immer die Krankheit, die dem Symptom zugrunde liegt, behandelt werden.

Ist die Blase hyperaktiv, kann beispielsweise ein Blasentraining helfen, den Harndrang zu beherrschen. Hierbei wird die Blase darauf trainiert, wieder größere Harnmengen aufzunehmen. Mit der Zeit verlängern sich die Zeiträume zwischen zwei Toilettengängen. Die Dauer der Therapie kann bis zu drei Monaten betragen; im Anschluss sind die meisten Betroffenen jedoch dann beschwerdefrei.

Medikamentöse lässt sich die Nykturie mit Acetylcholin, bei Frauen Östrogenen und bei Männern mit Alphablockern unterstützend behandeln. Diese Medikamente sollte jedoch nur in Absprache mit einem Arzt eingenommen werden, da eine Eigentherapie kontraindiziert sein kann.

Prävention

Betroffene, die unter nächtlichem Wasserlassen leiden, sollten harntreibende Getränke wie Bier, Kaffee oder Tee vor allem in den Abendstunden meiden.

Auf keinen Fall jedoch sollte bei dem Verdacht auf oder auch einer bestehenden Nykturie die Trinkmenge erheblich reduziert werden, um den Harndrang zu vermindern.

Dies kann zu einer gefährlichen Dehydrierung des Körpers mit entsprechenden Folgeschäden führen.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert