Hüftdysplasie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die wohl bekannteste Form einer Dysplasie ist die Hüftdysplasie. Hierbei handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung im Bereich der Hüftgelenkspfanne, die (unter Umständen) im späteren Leben zu Einschränkungen in der Bewegung oder Beweglichkeit führen kann. Die Häufigkeit einer Hüftdysplasie (Inzidenz) liegt bei drei von 100 Neugeborenen. Drei Prozent: das bedeutet in der Medizin "relativ häufig".

Als Hauptursache gilt ein mangelndes Platzangebot in der Gebärmutter, wodurch der Fetus über einen längeren Zeitraum in anormaler Lage verharrt. Da Knochenbau und Knochenstabilität in dieser Phase noch nicht abgeschlossen sind, kann es zu einer Verformung der Gelenkspfanne kommen, die dann im späteren Verlauf dem Hüftkopf keinen ausreichenden Halt bietet. Es droht die Luxation (Verrenkung, bei der ein Gelenk aus seiner ursprünglichen Position springt). Neben dem zu kleinen Uterus (Gebärmutter) gelten u.a. die Steißlage des Ungeborenen, Bluthochdruck bei der Mutter, hormonelle Faktoren, eine genetische Veranlagung, Erkrankungen von Muskeln oder Nerven beim Fetus sowie eine Mangelversorgung mit Fruchtwasser als begünstigende Faktoren.

Auch nach der Geburt kann es zu einer Hüftdysplasie kommen. Die Knochen eines Neugeborenen befinden sich weiter im Aufbau, sie weisen noch keine ausreichende Stabilität und Festigkeit auf. Es ist von Vorteil, dass das Baby seine gewohnten Körperpositionen (wie im Uterus) einnehmen kann. Häufiges Strecken der Beine in den ersten Monaten nach Geburt begünstigt die Fehlstellung.

In über 60 Prozent liegt eine einseitige Hüftluxation vor. Sie führt dazu, dass das Kind die betroffene Extremität nicht "normal" (physiologisch) bewegen oder abspreizen kann. Das Gelenk ist instabil, was sich in hörbaren Geräuschen bei Bewegung äußert (Ortolani-Zeichen). Unter Berücksichtigung der physiologischen Haltung des Kleinkindes bildet sich die Dysplasie in über 80 Prozent der Fälle eigenständig zurück. Bleiben die Beine jedoch weiterhin vorwiegend gestreckt, kann es zu einer weiteren Ausprägung der Hüftdysplasie kommen. Hierbei ist auch das umgebende Muskelgewebe betroffen, welches sich z.T. verkürzt und so keinen ausreichenden Schutz und Halt im Bereich des Gelenkes bietet. Das Luxationsrisiko ist hier sehr hoch (Barlow-Zeichen = hörbares Herausspringen des Hüftkopfes aus der Pfanne).

Je frühzeitiger die Diagnose Hüftgelenksdysplasie gestellt wird, desto besser ist dies für die weitere Entwicklung des Kleinkindes. Aus verschiedenen Gründen kann es aber dazu kommen, dass sich die Hüftgelenkspfanne mit weiterer Entwicklung nicht physiologisch ausbildet. Neben der Luxationsgefahr und deutlichen Einschränkungen im Bewegungsablauf treten hierbei meist auch schwere Schmerzen auf. Unter Umständen muss die betroffene Extremität über einen längeren Zeitraum ruhiggestellt werden (z.B. mittels speziellem Verband oder einem sogenannten Gipstutor). Im schwersten Fall ist die Korrektur durch eine Operation angezeigt (meist im Erwachsenenalter).

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 23.04.2015 aktualisiert