Wirbelversteifung hilft selten: Ursachen, Verlauf, Diagnose Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Eine Wirbelsäulenversteifung gilt bei gravierenden Rückenproblemen als Ultima Ratio. In manchen Fällen ist die Operation unabdingbar, jedoch stehen die Risiken oft nicht im vernünftigen Verhältnis zu den Erfolgsaussichten. So kritisieren sogar einige Neurochirurgen, dass der schwerwiegende Eingriff heute zu schnell erfolgt. Denn bei vielen Patienten stellt sich eine Verschlimmerung der Schmerzen ein!  Und das ist ja eigentlich etwas, was die Patienten los werden wollten.

Bei der „Sponylodese“, wie Mediziner die Wirbelsäulenversteifung nennen, werden mindestens zwei Wirbel miteinander verblockt. Oft zwingt eine Stahl-Konstruktion sogar ganze Abschnitte der Wirbelsäule in eine starre Form. Dabei treibt der Chirurg Schrauben in die Wirbelkörper. So entstehen Halterungen für Stahlschienen, die jede Bewegung des gelenkigen Knochen-Systems verhindern. Die Bandscheiben müssen zwischen den verblockten Wirbel entfernt und durch Abstandshalter ersetzt werden. Diese Operation ist unumkehrbar, sodass die Patienten mit dem Ergebnis leben müssen. Leider kommt es viel zu oft vor, dass keine Linderung der Rückenschmerzen, sondern sogar deren Verstärkung eintritt. Meistens geschieht das einige Jahre nach der Operation, weil die freien Bereiche der Wirbelsäule unter den Folgen einer Überbelastung leiden. Besonders anfällig für solche Verschleißerscheinungen sind die Facettengelenke. Die kleinen Verbindungen der Wirbelkörper über die Wirbelfortsätze nutzen sich ober- oder unterhalb des verblockten Segmentes stark ab und verursachen immense Schmerzen.

Wegen dieser Risiken sollte eine Spondylodese nur bei streng definierten Indikationen erfolgen. Wirbel-Frakturen können oft nur mit der operativen Fixierung behandelt werden. Ein Hauptgrund für eine Verblockung einzelner oder mehrerer Wirbel ist die Pseudospondylolisthesis oder Wirbelgleiten. Die extremen Schmerzen und auch Lähmungserscheinungen sowie Sensibilitäts-Störungen rechtfertigen die Operation. In fast jedem Fall, in dem das Rückenmark oder dessen Spinalnerven eingeklemmt oder gequetscht sind, gibt es meistens keine Alternative zur Spondylodese. Denn hier muss eine irreversible Schädigung der Nerven unbedingt verhindert werden.

Bei einigen Konstellationen ist jedoch die teilweise Erhaltung der Beweglichkeit denkbar. Ob diese Methode die Heilungs-Chancen erheblich verbessert, ist durch Studien nicht gesichert. Dr. Oliver Heese von den HELIOS Kliniken Schwerin betont, dass vor einer Spondylodese alle Möglichkeiten der konservativen Therapie ausgeschöpft sein sollten. Geeignete physiotherapeutische Maßnahmen zur Stärkung der Rückenmuskulatur stabilisieren die Wirbelsäule auf ganz natürliche Weise. Bis zu 80 % aller Rücken-Patienten könne so geholfen werden, meint der Schweriner Neurochirurg. Bei leichten Verschleißerscheinungen sei eine Operation nie gerechtfertigt. Heese mahnt an, dass das gesetzliche Abrechnungs-System Operationen höher vergüte als andere Behandlungen. Daraus ergäbe sich der Trend zu immer mehr und vielfach unnötigen und riskanten Operationen. Die Spondylodese sei dafür eines der besten Beispiele.

Heeses Hamburger Kollege, Dr. Jens Lohmann von der Schön Klinik, argumentiert in dieselbe Richtung. Er meint, dass die Vergütungen für die Physiotherapien unbedingt aufgestockt werden müssen. Kritisch sei aber auch, dass ungeduldige Patienten selber auf die Operation drängten. Sie fürchteten aus ihrer Lage heraus die Anstrengungen der Physiotherapie.

Dr. Heese hält dagegen und rät grundsätzlich zur Einholung einer Zweitmeinung. Vorsicht sei auch geboten, wenn ein Arzt die Spondylosdese als absolut alternativlos darstelle. Vergessen werde auch, dass es direkte Kontraindikationen für die Wirbelsäulenversteifung gäbe. Bei Osteoporose solle niemals eine Verblockung der Wirbel vorgenommen werden. Denn die Schrauben können leicht herausbrechen, was zu schwerwiegenden Komplikationen führen könne, warnt der Neurochirurg. Der NDR berichtete im Februar 2015 detailliert über Thema.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 08.05.2016 aktualisiert