Psychische Erkrankungen: Ursachen, Entstehung und
Therapie
Seit dem Burnout des Skispringers Sven Hannawald und dem Tod des Fußballspielers Robert Enke sind
psychische Erkrankungen ins öffentliche Bewusstsein gedrungen.
In diesem Beitrag versuche ich einen Überblick über die verschiedenen psychischen Störungen zu geben,
sowie eine Abgrenzung.
von: René Gräber, Heilpraktiker und Gesundheitspädagoge
Durch die neu geweckte Offenheit werden heute deutlich mehr psychische Erkrankungen diagnostiziert und behandelt
als noch vor ein paar Jahren. Dennoch ist die Dunkelziffer nach wie vor groß.
Nach seriösen Schätzungen leiden mehr als ein Viertel der Deutschen mindestens einmal in ihrem Leben an einer
psychischen Störung.
Die am weitesten verbreitete psychische Erkrankung ist die Depression. Sie äußert sich nicht nur in Niedergeschlagenheit und
Lebensüberdruss bis hin zu Selbstmordgedanken, sondern häufig auch in einer starken Antriebslosigkeit, so dass
manchmal selbst kleinste Alltagstätigkeiten nicht mehr erledigt werden können.
Begleitet werden Depressionen sehr oft von Schlafstörungen und Essstörungen. Die Ursachen für eine Depression
sind sehr vielfältig. Neben negativen Erlebnissen in der Kindheit und Jugend können beispielsweise auch eine akute
Überlastungssituation oder ein Ungleichgewicht im Hirnstoffwechsel den Krankheitsausbruch auslösen. Selbst eine
genetische Ursache wird heute nicht mehr ausgeschlossen.
Durch die Medienberichterstattung ist das Burnout-Syndrom eine
der bekanntesten psychischen Erkrankungen. Diese Krankheit zeichnet sich besonders dadurch aus, dass sich die
Betroffenen leer, emotional ausgelaugt und körperlich ausgebrannt fühlen. Betroffen sind davon meist Menschen, die
sich besonders in ihrem Beruf engagieren. Meist führen jahrelanger Stress verbunden mit geringer Anerkennung der
eigenen Leistung zu einem Burnout-Syndrom. Deshalb erkranken auch überdurchschnittlich häufig Lehrer, Ärzte und in
anderen sozialen berufen Tätige daran. Es kann aber grundsätzlich jeder davon betroffen sein.
Auch das Gegenteil von übergroßem Stress, nämlich ständige Unterforderung und Langeweile, kann krank machen.
Diese Boreout-Syndrom genannte Erkrankung ähnelt in den Symptomen stark dem Burnout.
Sehr weit verbreitet sind auch Angststörungen und Zwangsstörungen, bei denen
die Betroffenen auf an sich harmlose Dinge mit Panik bzw. dem Drang, bestimmte Handlungen zu wiederholen,
reagieren. Die Ursachen für diese Art der Erkrankung sind noch weitgehend unbekannt.
Eine häufig missverstandene psychische Erkrankung ist die Schizophrenie. Dabei kommt es
entgegen der Volksmeinung nicht zu einer Persönlichkeitsspaltung. Die Betroffenen verlieren nach und nach innerlich
wie äußerlich den Kontakt zur Realität. Dies kann bis zur lähmungsähnlichen Bewegungslosigkeit gehen. Ähnlich wie
bei der Depression spielen bei der Entstehung mehrere Faktoren eine Rolle. Es deutet aber darauf hin, dass die
genetische Vorbelastung einen großen Anteil daran hat.
Die Wahrnehmung von sich selbst als unterschiedliche Personen wird Multiple
Persönlichkeitsstörung genannt. Diese Diagnose ist aber in der Medizin sehr umstritten, zumal sie meist in
Kombination mit anderen Symptomfeldern auftritt. Als Auslöser für die Abspaltung einzelner Persönlichkeitsteile
gelten Traumata in der Kindheit und Jugend, wie sie z.B. bei sexuellem Missbrauch auftreten.

Ebenfalls zu den psychischen Erkrankungen zählen die verschiedenen Essstörungen. Neben der
bekannten Magersucht sind dies vor allem die Bulimie und das sogenannte Binge Eating.
Bei letzterem kommt es bei ansonstem normalem Essverhalten immer wieder zu unkontrollierbaren Essanfällen. Da dabei
häufig sehr kalorienhaltige Lebensmittel verzehrt werden, macht sich diese Erkrankung in einer deutlichen
Gewichtszunahme bemerkbar. Auch bei der Bulimie kommt es zu diesen Phasen des übermäßigen Verzehrs. Allerdings
führen die daran Erkrankten danach künstlich Erbrechen herbei, so dass das Gewicht meist unauffällig ist. Wie bei
der Magersucht liegen die Ursachen der Bulimie in einer gestörten Selbstwahrnehmung. Die Gründe für das erst
relativ spät beschriebene Binge-Eating-Syndrom sind noch weitgehend unbekannt.
Die im Allgemeinen am schwierigsten zu behandelnde psychische Störung ist das
Borderline-Syndrom. Für dieses sind eine große emotionale Instabilität, starke
Stimmungsschwankungen und häufig wechselnde Beziehungen typisch. Auch Selbstverletzungen und andere
selbstgefährdende Handlungen sind klassische Symptome einer Borderline-Störung. Je nach Ausprägung sind die Grenzen
zur Depression bzw. zur Schizophrenie fließend. Bei dem Hintergrund dieser Erkrankung handelt es sich meist um
massive Traumata durch sexuellen Missbrauch oder körperliche Gewalt im Kindesalter.

|