Diabetes Insipidus: Ursachen, Verlauf, Diagnose und
Therapie
Der Diabetes insipidus beschreibt eine durch Hormonmangel verursachte Erkrankung, bei der die
paarigen Nieren das Wasser nicht mehr zurückhalten und ungefiltert ausscheiden. Hauptkennzeichen sind eine sehr
hohe Urinausscheidung sowie ein andauerndes Durstgefühl, wodurch es zu weiteren Störungen und
Funktionsbeeinträchtigungen des Organismus kommt. In Deutschland leiden ungefähr 6000 Menschen an einem Diabetes
insipidus.
Der Diabetes insipidus wird auch als Wasserharnruhr bezeichnet.
Unter physiologischen Bedingungen sind die Nieren in der Lage, den Harn durch Wasserrückresorption zu
konzentrieren. Harnpflichtige Substanzen (z.B. Giftstoffe, Medikamente) werden abfiltriert, das lebensnotwendige
Wasser wird gereinigt in den Kreislauf zurückgeführt. Bei der Erkrankung ist dieser Prozess gestört, der Betroffene
scheidet sehr große Mengen Urin aus, die durch stetige Flüssigkeitsaufnahmen ausgeglichen werden müssen, um ein
Austrocknen des Körpers zu verhindern.
Die Hormonstörung kann sich in zwei voneinander getrennten Bereichen bemerkbar
machen:
Beim hauptsächlich auftretenden Diabetes insipidus centralis ist die Produktion des Hormons ADH
(Antidiuretisches Hormon) im Hypophysenhinterlappen des Gehirns gestört. Wesentlich seltener zeigt sich eine
Reaktionsstörung in der Niere selbst. Beim Diabetes insipidus renalis reagiert diese nicht auf das ausgeschüttete
Hormon.
Die Ursachen für diese Variante des Diabetes sind noch nicht vollständig
geklärt.
Bei ca. einem Prozent der Betroffenen lässt sich ein genetischer Defekt nachweisen, bei zwei Dritteln der
Erkrankungsfälle ist der Diabetes nicht als isolierte Störung zu betrachten. Daneben beeinflussen unter anderem
Tumoren des Gehirns, eine Meningitis (Hirnhautentzündung), Operationen im Kopfbereich oder auch verschiedene
Hirnerkrankungen die Hormonproduktion. Die renale Form kann durch Vergiftungen (z.B. durch Medikamentenabusus),
durch einen erhöhten Alkoholkonsum, durch Nierenkrankheiten (z.B. Pyelonephritis) oder eine
Schwangerschaft ausgelöst werden.
Symptome des Diabetes Insipidus
Die Klinik des Diabetes insipidus variiert, zeigt aber als Leitsymptome die erhöhte Urinausscheidung und das starke Durstgefühl.
Die Störung kann akut auftreten oder sich langsam entwickeln. Dabei kommt es zu täglichen Urinausscheidungen von
bis zu 20 Litern pro Tag.
Der Urin ist sehr hell und stark verdünnt. Betroffene entwickeln ein stetiges Durstgefühl, vor allem nachts.
Hieraus resultieren Schlafstörungen, Müdigkeit,
Stimmungsschwankungen, leichte Erregbarkeit (Reizbarkeit) und körperliche Schwäche. Durch die hohen Ausscheidungen gehen dem Körper
lebenswichtige Elektrolyte und Mineralien verloren, Natrium und Kalium verbleiben dagegen in zu hohen Mengen, es
entwickeln sich ein Juckreiz der Haut und vermehrte
Krämpfe (z.B. durch Magnesiummangel) in Waden oder Zehen.
Der gesamte Organismus sowie der Kreislauf geraten zunehmend in Unordnung. Die Haut wirkt trocken und dünn,
Schleimhäute werden rissig. Bei einem länger andauernden Prozess werden auch Nägel und Haare in Mitleidenschaft
gezogen (sie werden brüchig). Im Magen-Darm-Bereich kann es zu einer Verstopfung (Obstipation) kommen, hier fehlt das normalerweise
zugeführte Wasser, um den Stuhl geschmeidig zu machen.
Der Organismus versucht, alle Reserven zu mobilisieren, um physiologische Prozesse aufrecht erhalten zu können.
In selteneren Fällen kann auch die Herztätigkeit
beeinträchtigt werden. Ein verschobener Elektrolyt- und Mineralienhaushalt (vor allem durch vermehrten Verbleib von
Natrium im Organismus) führt zu Herzrhythmusstörungen und
einem schwankenden Blutdruck.
Die Diagnose ist meist schnell gestellt. Die Leitsymptome veranlassen den Arzt, vor allem den Urin (Zusammensetzung, untypische Bestandteile,
Osmolarität), die Urinmengen und das Blut (z.B. Elektrolyte,
Mineralien, Entzündungswerte) zu untersuchen. Die normale Urinausscheidung liegt zwischen einem und zwei Liter,
Werte oberhalb von drei Litern können als pathologisch angesehen werden.
Zum Ausschluss eines Diabetes
mellitus (der ebenfalls die Urinausscheidung beeinflusst) wird der Urin auf seinen Zuckergehalt hin untersucht
(zusätzlich erfolgt ein Hormontest mit zugeführtem ADH). Zum Ausschluss einer psychischen Störung werden während
eines stationären Aufenthaltes verschiedene Tests durchgeführt. Bei gesicherten Ergebnissen werden auch bildgebende
Verfahren (Sonographie, MRT) genutzt, z.B. zum Nachweis eines Tumors.

Therapie
Wesentliches Kriterium einer Therapie des Diabetes insipidus ist vor allem die Stabilisierung des Kreislaufs
(Elektrolyt- und Mineraliensubstitution). Daneben richtet sich die Behandlung nach der diagnostizierten Form oder
der auslösenden Grunderkrankung. Tumoren werden, sofern möglich, operativ entfernt oder bestrahlt.
Zum Teil lässt sich ein ADH-Mangel medikamentös behandeln. Eine bilanzierte
Flüssigkeitsaufnahme sowie eine salzarme Diät während der Therapie unterstützen die Regulationsprozesse.
In der Regel lässt sich die Erkrankung gut behandeln und kann ohne bleibende Schäden ausheilen. Die Prognose ist
dabei jedoch abhängig von einer möglichen Grunderkrankung. Bei Vorliegen einer tumorösen Entartung sinkt die
Heilungswahrscheinlichkeit. Und auch die langsame Austrocknung des Organismus (durch Flüssigkeitsmangel) führt zu
einer Lebensverkürzung (drohendes Koma).
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