Gicht - Hyperurikämie: Ursachen, Verlauf, Diagnose Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Als Gicht bezeichnet man eine Störung des Purinstoffwechsels mit wiederkehrenden Anfällen von akuter Arthritis, die chronisch oder deformierend werden kann.

Die klassische Gicht ist eine erbliche Störung, die sekundäre tritt hauptsächlich bei Störungen der Blutbildung, nach Einnahme bestimmter Arzneimittel und beim Nierenversagen auf. Bei beiden Formen treten das klinische Bild der Gelenkschmerzen und das Ansprechen auf die Therapie gleichermaßen auf. Gicht tritt meistens in den mittleren Lebensjahren auf, kann aber in jedem Lebensalter einsetzen. Männer erkranken ca. 19 mal häufiger als Frauen.

Pathophysiologie

Als Pathophysiologie werden in der Medizin Abweichungen der Körperfunktionen unter krankhaften Veränderungen bezeichnet und gleichzeitig welche Funktionsmechanismen die krankhaften Veränderungen bedingen.
 
Die Harnsäurewerte im Serum von Gichtkranken liegen gewöhnlich über 6 mg% (Normal ist ein Wert zwischen - mg%. Bei Isotopenuntersuchungen mit radioaktiv markiertem Glyzin zeigte sich, dass diese krankhafte Erhöhung weitgehend auf einer Überproduktion von Harnsäure beruht.

Symptome

Der akute Gichtanfall tritt meist ohne vorangehende Symptome auf oder kann durch geringfügige Traumen ausgelöst werden (beispielsweise durch schlecht sitzende Schuhe, Alkoholabusus, übermäßiges Essen, chirurgische Maßnahmen, Infektionen oder Behandlungen mit Penicillin, Insulin oder Diuretika. Akute Gelenkschmerzen, die oft nachts einsetzen, bilden gewöhnlich das erste Symptom, andere Zeichen einer akuten Entzündung folgen, und es kommt zu einer hochgradigen entzündlichen Reaktion mit ausgeprägter Schwellung und starken Schmerzen.

Die Schmerzen werden von Betroffenen oft als qualvoll, drückend und pulsierend beschrieben. Die Haut ist gespannt, heiß, glänzend und dunkel- bis purpurrot verfärbt. Das Großzehengrundgelenk ist am häufigsten befallen, oft aber auch die Mittelfußgelenke, die Knöchel, sowie die Kniegelenke, Handgelenke und Ellenbogengelenke.

Die ersten Anfälle betreffen meist nur ein Gelenk, später können zwei oder mehrere gleichzeitig beteiligt sein. Die Allgemeinreaktionen bestehen bei der Gicht in Fieber, Tachykardie (Überschreitung der altersüblichen physiologischen Herzfrequenz) Schüttelfrost, allgemeinem Krankheitsgefühl und Leukozytose (Erhöhung der Anzahl der weißen Blutkörperchen).

Die ersten Anfälle dauern gewöhnlich nur wenige Tage, später können sie wochenlang anhalten. In der Regel kommt es zu einer völligen Rückbildung der lokalen Veränderungen und die Gelenkfunktion normalisiert sich wieder. Die Länge der anfallsfreien Intervalle variiert sehr stark, jedoch verkürzt sie sich mit fortschreitender Krankheit meistens. Schließlich kann es zu mehreren Anfällen im Jahr kommen, wobei jeder Anfall wochenlang anhalten kann.
 
Die chronische Gicht führt bei unzureichender Behandlung nach zahlreichen Anfällen im Laufe der Jahre zu einer dauernden Deformierung mit Einschränkungen der Beweglichkeit, wobei oft viele Gelenke an Händen und/oder Füßen betroffen sind; in Einzelfällen werden auch die Gelenke der Schultern befallen. In fortgeschritten Fällen können Hautfisteln mit Verbindung zu Harnsäureablagerungen bestehen und kreidige Massen entstehen. Auch im Stadium der chronischen Deformierung kann es jederzeit zum Ausbruch akuter Gelenksanfälle wie im vorangehenden Stadium kommen.

Diagnostik

Hinweise, die an eine erbliche Veranlagung denken lassen, sind (1) Gicht in der Familienanamnese und (2) der Abgang eines Uratsteins (Harnsäuresteins) mit dem Urin. Der Harnsäurespiegel des Serums sollte vom Hausarzt bei jedem Patienten bestimmt werden, der einen solchen Stein ausscheidet. Immer wieder auftretende Anfälle von akuten Gelenkschmerzen mit symptomfreien Intervallen bei Patienten, denen sonst nichts fehlt, sind sehr verdächtig.

Eine Erhöhung der Serumharnsäure ist symptomatisch, kann aber auch bei einer Niereninsuffizienz, Blutkrankheiten, Bleivergiftungen, Unterernährung, gewissen akuten Infekten und einer Schwangerschaftsvergiftung vorkommen. Auch die Therapie mit bestimmten Medikamenten können ähnliche Symptome auslösen.
Um die Krankheit genau diagnostizieren zu können, werden Verdachtspatienten therapeutische Dosen von Colchicin verabreicht. Schlägt dieses Medikament an, spricht dies für eine Gichterkrankung.

Prognose

Eine Gichterkrankung ist chronisch. Schulmedizinisch wird versucht das Fortschreiten / Wiederauftreten der Gicht durch die Einnahme bestimmter Wirkstoffe (Probenecid oder Sulfinpyrazon) einzudämmen.

Je jünger ein Betroffener ist, desto größer ist seine Neigung zu anatomischen Veränderungen. Bei Betroffenen, bei denen der erste Gichtanfall erst nach dem 50. Lebensjahr auftritt, finden sich nur selten ausgedehnte Gelenkveränderungen.

Die Prognose der Veränderungen der Nieren ist noch unsicherer. Da die Veränderung der Nieren eine größere Bedrohung des Lebens darstellt als die Gelenkbeteiligung, sollte die Nierenbeteiligung sorgfältig und regelmäßig überprüft werden. In besonderem Maße hängen die Aussichten für eine erfolgreiche Beherrschung der Gicht davon ab, wie genau sich der Betroffene an seine täglichen Vorschriften hält, vor allem im Bereich der Ernährung.

Da im Intervall meist keine Symptome auftreten, fällt es vielen Betroffenen schwer, sich auch in dieser Zeit an die ärztlichen Vorgaben zu halten. Wer seine Ernährung nicht umstellen möchte (Purinfrei), muss halte einige Medikamente einnehmen – und diese können halt auch unangenehme Wirkungen haben.

Therapie

In einem akuten Anfall, wenn bei der ersten Attacke die Diagnose Gicht noch nicht feststeht, ist Colchicin das Mittel der Wahl. Gewöhnlich beginnen die Schmerzen 12 Stunden nach der ersten Einnahme abzunehmen und hören nach 24 bis 48 Stunden ganz auf.
Bei eindeutiger Gicht haben Phenylbutazon und Indometacin bei der Behandlung akuter Anfälle eine sehr günstige Wirkung gezeigt. Neben der spezifischen, medikamentösen Behandlung sind Bettruhe, die reichliche Aufnahme von Flüssigkeit und eine reizlose Kost angezeigt. Nach dem Ausbruch der akuten Erscheinungen sollten die betroffenen Gelenke so schnell wie möglich ruhiggestellt werden.

Selbsthilfe

In der intervallfreien Zeit sollte die Purinfreie Kost weiter eingehalten werden und Alkohol nur in sehr geringen Maßen genossen werden. Alkohol beeinflusst den Harnsäurespiegel negativ. Bier ist eigentlich erst Recht tabu, da es auch noch Purine enthält. Trinken sollten Sie pro Tag stattdessen mindestens 2 Liter Flüssigkeit: Dabei gerne auch entsprechende Heiltees.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 03.09.2013 aktualisiert