Hyperparathyreoidismus -
Die Nebenschilddrüsen-Überfunktion: Ursachen, Verlauf, Diagnose und Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die der Rückseite der Schilddrüse (Glandula thyreoidea) angelagerten vier Nebenschilddrüsen (Glandulae parathyroideae, Epithelkörperchen) dienen durch Bildung des Parathormons (PTH, Parathyrin) der Regulierung des Calcium- und Phosphathaushaltes im Blut.

Störungen der Regulationsprozesse können unter anderem durch Überfuktion (Hyperparathyreoidismus) oder Unterfunktion (Hypoparathyreoidismus) der kleinen Drüsen entstehen.

Die Überfunktion der Nebenschilddrüsen wird in primär und sekundär unterteilt. Der primäre Hyperparathyreoidismus (pHPT) entsteht zu über 80 Prozent durch ein solitäres Adenom in einem der vier Epithelkörperchen, zu ca. 15 Prozent durch mehrere Adenome und zu drei bis fünf Prozent durch ein Karzinom.

Sehr selten ist der familiär bedingte Hyperparathyreoidismus, bei dem bereits für das Neugeborene Lebensgefahr für die weitere Entwicklung besteht. Hier muss frühzeitig operiert werden. Daneben findet sich das Wermer-Syndrom, bei dem es durch verschiedene Tumoren (z.B. der Bauchspeicheldrüse, Akromegalie der Hypophyse) zu multiplen endokrinen Neoplasien kommt.
Die Überfunktion führt vor allem zu einem vermehrten Angebot an Calcium (= Hyperkalzämie), bedingt durch die vermehrte Ausschüttung von Parathormon. Zusätzlich werden alle Strukturen angeregt, übermäßig Kalzium zu resorbieren (z.B. im Bereich des Darms und des Skeletts). In einer Urinuntersuchung lassen sich erhöhte Werte von Phosphat und Calcium nachweisen.

Bei 50 bis 70 Prozent der Betroffenen entwickeln sich Nierensteine (Nephrolithiasis). Die Ablagerungen des Calciums im Knochen können zu Knochenschmerzen und rheumatischen Erscheinungen führen. Auch steigt das Frakturrisiko (= Ostitis fibrosa generalisata zystica). Im Bereich des Magen-Darm-Traktes entwickeln sich vermehrt peptische Gastroduodenalulzera, die aufbrechen und bluten können. Auch Bauchspeicheldrüse (Verkalkung) und Gallenblase (Steinbildung) werden in Mitleidenschaft gezogen.

Ein andauerndes Überangebot an Calcium verursacht zudem einen hierfür typischen Symptomkomplex, bei dem es zu Polyurie (vermehrte Harnausscheidung), Hypokaliämie, Polydipsie (gesteigertes Durstgefühl), Übelkeit, Erbrechen, Gewichtverlust, allgemeiner körperlicher Schwäche sowie Muskel- und Reflexschwäche kommt.

Betroffene wirken antriebsarm, depressiv verstimmt und konzentrationsgestört. In seltenen Fällen wirkt sich die Hyperkalzämie auch auf den Herzrhythmus -ggfs. Herzrhythmusstörungen aus, der unregelmäßig wird.

Auch können sich schmerzhafte Verdickungen der Haut entwickeln, die als Kalkgicht (Calcinosis cutis) zusammengefasst werden. In Korium (Lederhaut) und Subkutis lagern sich Calciumphosphat und Kalksalzkristalle ab.
Komplikationen entstehen, wenn die Polyurie in eine Oligurie (Urinmengen unter 500 Milliliter pro Tag) oder Anurie (völliger Harnverhalt) umschlägt. Hier drohen Bewusstseinseintrübungen bis hin zum komatösen Zustand.

Das Labor gibt rasch Aufschluss über die bestehende Überfunktion der Nebenschilddrüse. Zusätzlich erfolgen Röntgen, Knochenbiopsie und Urinauswertung. Zur Lokalisierung eines Tumors dient die Sonographie (Ultraschall) des Halses, eventuell auch eine CT.

Das überaktive Gewebe muss operativ entfernt werden. Dabei erfolgt immer eine Begutachtung aller vier Epithelkörperchen. Zusätzlich werden medikamentöse Maßnahmen zur Senkung des Calciums und des Parathormons gewählt. Bei Entfernung aller vier Nebenschilddrüsen hat sich die Autotransplantation von gesunden Gewebefragmenten in den Unterarm als erfolgreiche Methode bewährt. Hierdurch bleibt ein gewisser Prozentsatz an Hormonen erhalten.

Die Prognose bei frühzeitiger Entdeckung und Entfernung ist sehr gut. Hierbei heilen auch bereits entstandene Knochenläsionen und Organbeeinträchtigungen aus.

Zu den sekundären Formen zählen der renale Hyperparathyreoidismus (entwickelt sich im Rahmen einer terminalen Niereninsuffizienz, es kommt zu diffusen oder lokalen Knochenschmerzen, Wirbelkörperveränderungen, Reizungen von Nervenwurzeln, zerebralen Störungen, Hautreizungen und Verkalkungen verschiedener Organe, zusätzlich wird der Knochen poröser, er frakturiert leicht) sowie der intestinale Hyperparathyreoidismus (entsteht durch Malabsorption / Maldigestion, Kalziummangelernährung, führt zu starken Knochenschmerzen und dem klinischen Bild einer Osteomalazie).

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 19.07.2012 aktualisiert