Geschwollene Beine - Ursachen, Symptome und Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Viele Menschen kennen das. Nach einem arbeitsreichen Tag, langem Stehen oder bei großer Hitze fühlen sich ihre Beine an, als wären sie aus Beton. Das Gewebe wirkt dick, teigig, geschwollen, die Gliedmaßen sind träge und schwer.

Dieses Beschwerdebild wird allgemein mit dem Begriff geschwollene Beine beschrieben. Die Entstehungsgründe sind sehr unterschiedlich und können auf eine Erkrankung des Gefäßsystems oder innerer Organe hindeuten. Daher sollte man dem Symptom immer Beachtung schenken und es ggf. medizinisch abklären lassen.

Geschwollene Beine entwickeln sich durch Austritt von Flüssigkeit in das umliegende Gewebe. Dies kann aus den Blutgefäßen (Wasser) oder dem Lymphsystem (Lymphflüssigkeit) stammen. Das Wasser lagert sich an prädestinierten Stellen ab, so vor allem in den Unterschenkeln oder Füßen, da diese beim stehenden Menschen die körperfernsten Körperteile darstellen. Die Wasseransammlungen (Ödeme) können daneben auch das gesamte Bein bis hoch zur Hüfte betreffen. Zum Teil ist nur ein Bein geschwollen, zum Teil sind es beide Beine. Das mit der Flüssigkeit gefüllte Gewebe wirkt schwammig, bei Druck auf die Hautoberfläche bleibt eine Delle zurück, die sich in den meisten Fällen nur langsam wieder zurückbildet.

Die Ansammlung von Flüssigkeit in den Beinen ist meist auf eine unzureichende Zirkulation des Blutes zurückzuführen. Das Blut wird dabei nur unzureichend zum Herzen rücktransportiert. Es entwickelt sich ein Stau, wodurch sich der Druck innerhalb der Blut- oder Lymphgefäße erhöht. Wasser wird ins umliegende Gewebe herausgepresst und bildet dort ein Ödem. Das Phänomen, welches sich vor allem bei Menschen mit stehender Tätigkeit oder auch nach langem Sitzen präsentiert, bessert sich in der Regel, sobald die betroffene Person sich hinlegt oder die Beine hochlagert.

Das Symptom der geschwollenen Beine kann jeden Menschen betreffen. Neue Studien belegen, dass ca. jede fünfte Frau und jeder sechste Mann an einer Form von geschwollenen Beinen leidet. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Nicht immer liegt eine Erkrankung vor. Die Beschwerden können aber Anhaltspunkt für eine Venenschwäche im Bereich der Beine sein oder aber auf eine Störung des Herzmuskels hindeuten.

Um einer möglichen Ursache auf den Grund gehen zu können, muss das in Erscheinung tretende Symptom genau beschrieben werden. Tritt die Schwellung nur an einem Bein auf oder sind beide Beine betroffen? Ist das gesamte Bein verändert oder ist die Flüssigkeitsansammlung lokal begrenzt (zum Beispiel nur an den Fußknöcheln)? Zu welchem Zeitpunkt treten die Beschwerden in Erscheinung (zum Beispiel abends), bilden sich die Ödeme rasch (innerhalb weniger Minuten oder Stunden) oder ist die Schwellung über Tage zunehmend? Wie sieht das Hautbild aus (rosig durchblutet oder livide verfärbt)?

Neben diesen Faktoren ist das genaue Beschwerdebild von Bedeutung. Flüssigkeitsansammlungen in Geweben müssen nicht immer einhergehen mit Schmerzen oder Empfindlichkeitsstörungen. Je genauer dies beschrieben werden kann, desto rascher kann zum Beispiel eine Diagnosestellung erfolgen. Zu den durch geschwollene Beine verursachten Beschwerden zählen unter anderem schwere oder müde Beine, ein Spannungsgefühl oder auch eine Überwärmung der geschwollenen Region. Daneben können ein Kribbeln, Schmerzen oder gegenteilig auch Taubheitsgefühl, Gangschwierigkeiten bis hin zu nächtlichen Wadenkrämpfen in Erscheinung treten.

Bei der Suche nach einer medizinisch relevanten Ursache sollte man immer den Allgemeinzustand der betroffenen Person berücksichtigen. Sowohl das Lebensalter als auch eine genetische Veranlagung können bei der Entstehung eine Rolle spielen. Zusätzlich begünstigende Faktoren sind zum Beispiel eine mangelnde Bewegung, Übergewicht, Rauchen, langes Stehen auf einer Stelle, eine sitzende Tätigkeit (da die in den Kniekehlen verlaufenden Gefäße hierdurch abgeklemmt werden) sowie die Schwangerschaft.

Geschwollenen Beinen sollte man immer Aufmerksamkeit schenken, auch wenn unter Umständen keine ernste Ursache zugrunde liegt. Alarmierend ist vor allem das rasche, akute Anschwellen eines oder beider Gliedmaßen. Kommen dabei noch Beschwerden wie zum Beispiel Herzrasen, Atemnot, Brustschmerzen oder auch Kreislaufprobleme dazu, sollte der Zustand schnellstmöglich ärztlich abgeklärt werden.

Ursachen für geschwollene Beine können, neben den begünstigenden Faktoren, die Herzinsuffizienz (Herzschwäche), ein Herzklappenfehler, verschiedenste Venenleiden (Varizen, Thrombose, Venenschwäche), Entzündungen der Gefäßstrukturen (zum Beispiel Phlebitis), Entzündungen von im Bein gelegenen Strukturen (zum Beispiel Zysten im Bereich der Kniegelenkskapsel = Baker-Zyste), das Lymphödem, eine Leberzirrhose (auch verursacht durch hohen Alkoholkonsum), die Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion), Erkrankungen der Niere, Allergien (zum Beispiel durch Insektenstiche, Cremes oder Duschgel verursacht), bakterielle Hautentzündungen (zum Beispiel Wundrose), ein Eiweißmangel (zum Beispiel bei ständigem Erbrechen), bestimmte Medikamente (zum Beispiel Hormonpräparate, Kortison oder den Wasserhaushalt regulierende Präparate), der Übergang in die Wechseljahre (durch Hormonveränderungen), Diabetes mellitus, bestimmte Formen der Arthritis, Tumoren (sehr selten), eine ungesunde Lebensweise oder auch der Allgemeinzustand nach einem Schlaganfall (Schwellungen entstehen bedingt durch die anhaltende Muskellähmung) sein.

Während Varizen (Krampfadern) meist unmittelbar auffallen, sind die meisten anderen Ursachen nicht auf den ersten Blick erkennbar. Der behandelnde Arzt tastet zunächst die betroffene Region ab (Palpation). Auch die Auskultation (Abhören) von Gefäßen ist möglich. Hautveränderungen (zum Beispiel Farbunterschiede im Bereich der Schwellung, Wasseraustritt, offene Stellen = Ulcus cruris) können weitere Anhaltspunkte geben.

Mit dem Ultraschallverfahren Duplex-Sonographie wird der Blutstrom in den Venen kontrolliert. Die Kontrastmittelgabe erlaubt die Darstellung tieferer Gefäßstrukturen mit einer Röntgenaufnahme. Das Labor kann wichtige Aufschlüsse liefern, zum Beispiel durch im Blutplasma enthaltene D-Dimer-Werte, die bei einer Venenthrombose erhöht sind. Je nach Vermutung stehen dem Arzt weitere Untersuchungsmethoden (zum Beispiel EKG, CT, MRT, Biopsie) zur Verfügung.

Die sich anschließende Behandlung ist abhängig von der gestellten Diagnose. Betroffene Personen können daneben auch selbst tätig werden, um den Heilungsprozess zu unterstützen. Neben der Meidung von Noxen (Nikotin und Alkohol) können eine Gewichtsreduzierung, die gesunde Ernährung, eine ausreichende tägliche Bewegung (zum Beispiel durch Spaziergänge, regelmäßiges Aufstehen und Bewegen der Beine bei sitzenden Tätigkeiten) sowie das Tragen von Kompressionsstrümpfen (auch Anti-Thrombose-Strümpfe genannt) der Schwellung von Beinen entgegenwirken. Auch kalte Beinaufgüsse und das regelmäßige Hochlagern der unteren Extremitäten können positive Ergebnisse erzielen. Die Maßnahmen ersetzen keinesfalls die medizinische Therapie bei ernsten inneren Erkrankungen, dienen jedoch in jedem Fall dem Genesungsprozess.

 

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 12.11.2015 aktualisiert