Herzklopfen oder Herzrasen - Symptome, Ursachen und
Behandlung
Herzrasen (medizinisch Tachykardie) ist definiert durch eine Herzfrequenz von
über 90 Schlägen pro Minute (manche Autoren sprechen auch erst ab 100 Schlägen pro Minuten von einer manifesten
Tachykardie), ab 150 Schlägen pro Minuten spricht man von einer ausgeprägten Tachykardie, welche in der Regel
überwachungs- und behandlungsbedürftig ist.
Herzrasen kann eine eigenständige Krankheit darstellen, aber meist ist sie ein Symptom von Gemütszuständen oder
anderen Krankheiten. Je nach Ursache tritt das Herzrasen phasenweise (paroxysmal) oder durchgehen auf, fließende
Übergänge sind ebenfalls möglich.
Symptome
Typischerweise klagen die Betroffenen über ein starkes Herzklopfen (medizinisch als
Palpitation bezeichnet), der gefühlte Herzschlag kann bis in die Halsschlagader oder sogar bis in
den Kopf zu spüren sein. Ist der Puls dabei unregelmäßig (arrhythmisch) oder liegen vereinzelt Extraschläge vor, so
kommt es zu einem spürbaren Herzstolpern, so als ob das Herz kurz aussetzt. Häufig kommt es zu vegetativen
Begleiterscheinungen, unter anderem zu Schweiß-ausbrüchen, Schwindel, Benommenheit,
Übelkeit und zu starker Unruhe.
Bei längerer Arrhythmie oder bei größeren Pausen zwischen zwei Herzaktionen kann es zu einer Bewusstlosigkeit
oder zu neurologischen Ausfällen (hier vor allem Sehstörungen und Sprachstörungen)
kommen, welche durch eine Minderdurchblutung des Gehirns auftreten. Prinzipiell sollte jede Tachykardie ärztlich
gesehen werden, welche nicht unmittelbar zu erklären ist (z.B. ist ein schneller Puls beim Sport natürlich völlig
normal).
Anamnese
In vielen Fällen kann schon eine ärztliche Befragung (die Anamnese) eine mögliche Ursache aufdecken. Zu Beginn
wird der Arzt das Herz abhören (zu können z.B. Herzklappen-Erkrankungen (siehe auch: Herzkrankheiten) oder bestimmte Herzrhythmusstörungen durch
spezielle Geräuschphänomene erkannt werden), Puls und Blutdruck messen. Ergänzend kann ein EKG, besser noch eine
Langzeit-EKG über 24 Stunden, das Herzrasen dokumentieren und spezifische Herzrhythmusstörungen aufdecken.
Aber auch Blutuntersuchungen gehören zu der diagnostischen Basis.
Im Verlauf ist ggf. eine Bildgebung sinnvoll, wegweisend sind vor allem ein Röntgenbild des Brustkorbs (z.B. mit
der Frage nach Herzvergrößerungen oder Lungenveränderungen) und das Ultraschall vom Herzen (so genannte
Echokardiographie mit Darstellung der Klappen, des Herzmuskels und der Auswurfleistung des Herzens).
Die Therapie ist grundsätzlich abhängig von der Ursache, allerdings können kleine Manöver durch eine Aktivierung
des hemmenden Parasympathikus die Herzfrequenz senken. Klassische Beispiele sind das Trinken eines sehr kalten
Wassers, der Druck auf den Karotissinus (durch Kompression auf die Halsschlagader wird dem Körper ein plötzlicher
Blutdruckanstieg vorgetäuscht und so eine Vagusreizung ausgelöst), das Legen eines kalten Waschlappens in den
Nacken oder das Valsalva-Manöver, welches auch zum Druckausgleich des Ohres bei Erkältung oder im Flugzeug
durchgeführt wird (dabei wird die Nase zugehalten und gegen den Widerstand schnell ausgeatmet).

Ursachen sowie Therapie
und Behandlungsmöglichkeiten
Da das Herz durch viele Faktoren beeinflusst wird, sind auch die Ursachen für Herzrasen und Herzklopfen
vielfältig. Die Steuerung der Herzfrequenz erfolgt über das vegetative Nervensystem (der Sympathikus erhöht die
Frequenz, um unsere Muskeln vermehrt mit Sauerstoff zu versorgen und um uns so auf einen Kampf oder die Flucht
("fight or flight") vorzubereiten, der Parasympathikus ist der entsprechende Gegenspieler), verschiedene
Kreislaufparameter (so wird z.B. bei einem niedrigen Blutdruck durch eine
Frequenzerhöhung das Herzminutenvolumen annähernd konstant gehalten), übergeordnete Gehirnfunktionen und durch
verschiedene Hormone.
Liegen keine zusätzlichen oder ursächlichen organisch bedingten Herzrhythmusstörungen vor oder
ist die schnelle Frequenz vom Körper sogar gewollt (so genannte Bedarfstachykardie), so handelt es sich in der
Regel um eine reine Sinustachykardie. Dabei wird der schnelle Rhythmus direkt von den Schrittmacherzellen im Vorhof
vorgegeben, die Frequenz ist ganz regelmäßig und das EKG von der Morphologie her unauffällig. Meistens sind
Herzklopfen und Herzrasen völlig harmlos. Jeder erlebt dies im Laufe seines Lebens, z.B. im Rahmen von starken
Gefühlsregungen. So lösen Angst, Aufregung (z.B. Lampenfieber oder Prüfungsangst) und Stress situative Tachykardien
und Palpitationen aus.
Ebenso sind starke positive Gefühle (z.B. Euphorie, Vorfreude oder Verliebtsein) dazu in der Lage. Ebenfalls
völlig physiologisch ist der erhöhte Herzschlag bei körperlicher Betätigung, aber auch bei Babys und Kleinkindern
ist die Ruhefrequenz über 90-100 Schlägen pro Minute. In der Regel halten diese Tachykardieformen nur kurz an bzw.
sind direkt an die Ursache zeitlich gekoppelt. Ist der Auslöser vorbei, normalisiert sich auch die Frequenz. Doch
ebenfalls häufig ist das Herzrasen ein Ausdruck einer organischen Erkrankung am Herzen. Der schnelle Puls wird dabei klinisch
in eine harmlosere supraventrikuläre (also aus dem Vorhof entspringende) und eine potenziell gefährliche
ventrikuläre (also von den Herzkammern ausgehende) Tachykardie unterteilt.
Die supraventrikulären Tachykardien werden meist im Übergang von dem Vorhof zu der Kammer (in dem so genannten
AV-Knoten) gebremst, da dort nicht jede Erregung weitergeleitet wird. Die häufigste Herzrhythmusstörung aus dem
Vorhof ist das Vorhofflimmern. Dabei kontrahiert sich dort der Herzmuskel völlig unkoordiniert. Da die Erregungen
nur sporadisch vom Vorhof in die Kammer übertreten können, resultiert eine absolute Arrhythmie mit meist schneller
Überleitung.
Zum Vorhofflimmern kommt es zum Beispiel bei der koronaren Herzkrankheit, bei Herzklappenerkrankungen (z.B.
Verengungen oder Insuffizienzen) oder bei
Herzmuskelerkrankungen
(z.B. Entzündungen oder Kardiomyopathien).
Meist reicht therapeutisch eine Frequenzkontrolle (durch einen Betablocker oder Digitalis) aus, ggf. muss
elektrisch kardiovertiert werden (Neupolung durch einen Elektroschock mit dem Defibrillator) oder eine
intensivierte antiarrhythmische Therapie ergänzt werden.
Da sich durch den gestörten Blutfluss im Vorhof Thromben bilden können, welche auf Wanderschaft gehen und dann
einen Schlaganfall
auslösen können, sollte der Betroffene mit ASS oder bei hohem Risikoprofil mit Marcumar blutverdünnend behandelt
werden. Deutlich seltener sind Vorhofflattern (oft im Wechsel mit Vorhofflimmern) und die paroxysmalen (also
anfallsartig mit plötzlichem Beginn und Ende auftretenden) Tachykardien ursächlich. Letztere werden in der Regel
durch eine zusätzliche (akzessorische) Leitungsbahn zwischen Vorhof und Kammer verursacht, über die es zu einer
kreisenden Erregung kommt.
Typische Beispiele sind das Wolff-Parkinson-White-Syndrom mit Präexzitation und die
AV-nodale-Reentry-Tachykardie.
Die ventrikulären Tachykardien gehen meist mit einer gestörten Auswurfleistung des Blutes einher, was sie
letztendlich auch so gefährlich macht. Die Maximalvariante ist das Kammerflimmern, bei dem die Herzkammern nur noch
asynchron zucken. Es entspricht klinisch einem funktionellen Herzstillstand und erfordert eine sofortige Therapie.
Wenn möglich sollte direkt defibrilliert werden, um das Herz umzupolen (mit der Hoffnung, dass das Herz mit einem
Sinusrhythmus wieder einsteigt). Sonst muss eine manuelle (durch Beatmung und Thoraxkompressionen im 2:30-Wechsel)
und medikamentöse Reanimation erfolgen.
Seltenere ventrikuläre Rhythmusstörungen sind die Torsades de pointes-Tachykardie und das
Kammerflattern. Davon abzugrenzen sind einzelne Extraschläge (Extrasystolen), welche völlig harmlos sind und bei
jedem Menschen in unterschiedlicher Anzahl auftreten. Oft geben diese jedoch Anlass zu einem Arztbesuch, da sie als
beängstigendes Herzstolpern empfunden werden können. Treten allerdings zwei (Couplet) oder drei (Triplet)
Extrasystolen in Folge auf, sollte dies als Warnarrhythmie beurteilt werden, da sie schließlich in Salven (mehr als
vier Extrasystolen in Folge) und letztendlich ins Kammerflimmern übergehen können.
Anhaltende ventrikuläre Tachykardien sollten mit einem AICD (automatic implantable cardioverter defibrillator,
also einem Herzschrittmacher mit eingebautem Defibrillator) oder medikamentös mit z.B. Amiodaron therapiert werden,
um einem potenziell tödlichen Kammerflimmern vorzubeugen.
Auch können Kreislaufregulationsstörungen zu Herzrasen und Herzklopfen führen. Nahezu Jedem ist das Herzrasen
bei zu niedrigem Blutdruck bekannt. Um das effektive Blutvolumen konstant zu halten, resultiert eine
kompensatorische Steigerung der Herzfrequenz.
Typische Beispiele für eine hypotone Tachykardie sind das Herzjagen bei zu schnellem Aufstehen
(Orthostase), bei Blutver-lusten, Exsikkose (Austrocknung) oder bei Herzschwäche (z.B. durch
eine koronare Herzkrankheit oder bei einer ausgeprägten Lungenembolie). Aber auch ein erhöhter Blutdruck kann mit einer Tachykardie einhergehen.
Bei einer Blutarmut
(Anämie, z.B. bei einem
Eisenmangel, Knochenmarks-Krankheiten oder chronischen Blutungen) fehlen die Sauerstoffträger im Blut, so dass
durch eine gewollte Tachykardie die erhöhte Umverteilungsgeschwindigkeit den Sauerstoffmangel zu kompensieren
versucht. Aber auch eine starke Hitzeeinwirkung geht mit Herzrasen und Herzklopfen einher, da sich die Gefäße
weiten und das Blut in der Peripherie versackt (z.B. bei einem Sonnenstich oder Hitzschlag). Wieder versucht der
Körper durch Sympathikus-aktivierung die Herzfrequenz zu steigern, um die Defizite auszugleichen.
Medikamente und Genussmittel sind ebenfalls häufig ursächlich oder können eine Tachykardieneigung verstärken. So
sind Koffein bzw. Teein und Nikotin typische Stimulanzien des zentralen Nervensystems.
Klassische Beispiele für Medikamente, welche ein Herzrasen und Herzklopfen auslösen können, sind die
Schilddrüsenhormone (L-Thyroxin), blutdrucksenkende Medikamente (vor allem Calciumantargonisten und Diuretika),
Asthma bzw. COPD
herapeutika (diese stimulieren meist entweder den Sympathikus bzw. hemmen den Parasympathikus oder wirken zentral
ähnlich dem Koffein) und abschwellende Nasentropfen (enthalten ebenfalls Sympathikusstimulanzien und wirken bei
massiver Anwendung auch systemisch).
Auch im Rahmen von Entzündungen ist ein Herzrasen typisch. Allein das Fieber aktiviert
den Stoffwechsel entsprechend. Zusätzlich sinkt durch eine Weitstellung der Gefäße der Blutdruck, was die
Tachykardieneigung noch verstärkt. Bei der Maximalvariante einer Entzündung, der Blutvergiftung bzw. Sepsis, kann
es durch die Kreislaufbelastung bis zu einem Schockzustand kommen. Ganz ähnlich ist der Pathomechanismus in puncto
Herzrasen bei der systemischen Allergie. Herzrasen kann aber auch durch Hormon- und Stoffwechselstörungen entstehen. So wird z.B. bei
einer Unterzuckerung der Sympathikus aktiviert, da dadurch auch blutzuckersteigernde Hormone ausgeschüttet
werden.
Ebenfalls häufig ist eine Tachykardie im Rahmen einer Schilddrüsenüberfunktion (z.B.
bei einer disseminierten Autonomie, einem hormonproduzierenden Adenom und einer Autoimmunkrankheit mit
Hormonproduktion, dem so genannten Morbus Basedow), da die Schilddrüsenhormone stoffwechselanregend wirken.
Therapeutisch kann die Schilddrüse durch Medikamente, Bestrahlung oder operativ gebremst werden. Ebenfalls sind
Herzstolpern und Herzrasen typische Begleiterscheinungen in den Wechseljahren und in der Schwangerschaft.
Nicht selten sind ebenfalls psychiatrische Krankheiten für eine Tachykardie verantwortlich und sollten immer
differentialdiagnostisch berücksichtigt werden. Allerdings darf die Diagnose nur gestellt werden, wenn organische
Ursache hinreichend ausgeschlossen worden sind. Klassische Beispiele sind die generalisierte Angststörung, die
spezifische Phobie (z.B. eine Agora- oder Spinnenphobie) und das Burnout-Syndrom mit stressbedingter
Sympathikusaktivierung. Therapeutisch kommen unter anderem Expositionstraining, Psychotherapie und Psychopharmaka zum Einsatz.
Seltener sind Tumore ursächlich für einen beschleunigten
Herzschlag. Der Tumor (dies gilt vor allem für bösartige Neubildungen) aktiviert den Grundumsatz und allgemein den
Stoffwechsel des Körpers. Selten kann die Geschwulst auch Hormone oder Neurotransmitter produzieren und
ausschütten, welche dann direkt zu einer Tachykardie führen (z.B. Katecholamine bei dem Phäochromozytom oder
Serotonin bei dem Karzinoid-Tumor).
Wird trotz ausführlicher Untersuchung keine Ursache gefunden, so spricht man von einer idiopathischen
Tachykardie.

|