Blutzuckerwerte - Verständlich Erklärt

Erfahrungen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Blutzuckerwerte zeigen den Glukosegehalt im Blut an. Diese können im Vollblut oder im Rahmen der Selbstkontrolle kapillar (Ohrläppchen oder Fingerbeere) bestimmt werden.

 

Der Blut-Glucose-Wert: der aktuelle Zucker-Status

Die Blutzuckerwerte sollten nüchtern zwischen 70 und 99 mg/dl liegen (beim Säugling sind die Normalwerte etwas niedriger und erreichen im Laufe des Lebens Erwachsenenwerte). Die Einheit mg/dl ist immer noch gebräuchlich, obwohl die international gültige Einheit Millimol pro Liter (mmol/l) bereits 2010 eingeführt wurde. Normspanne ist hier 3,3 bis 6,1 mmol/l.

Nach dem Essen sollte der Wert auf maximal 160 mg/dl ansteigen. Alles darüber kann für eine gestörte Glukosetoleranz oder sogar einen Diabetes mellitus sprechen. Ebenso sind aber auch Unterzuckerungen möglich. Dabei ist jeder Wert unter 40 mg/dl und Werte zwischen 40 und 50 mg/dl mit entsprechenden Symptomen definierend.

Der HbA1c-Wert: das Blutzucker-Langzeitgedächtnis

Ein spezieller Wert - das HbA1c - spiegelt das "Blutzucker-Langzeitgedächtnis" über circa drei Monate wieder.

Es wird ein Teil des Hämoglobins gemessen, welches durch erhöhte Blutglukosespiegel "gezuckert" wurde.

Glucose bindet sich spontan an Hämoglobin, und zwar umso mehr, je höher der Blutzucker steigt. Die roten Blutkörperchen, die das Hämoglobin enthalten, leben 3 Monate, bevor sie wieder abgebaut werden. Solange halten sie die Glucose und dokumentieren so den durchschnittlichen Blutzucker. Der HbA1c hat  spezielle Bedeutung für die Diagnose des Diabetes Typ 2. Normal ist ein Langzeitzucker von 6 % glykierten Hämoglobins am gesamten Hämoglobin.

Das frühere Behandlungsziel war die Senkung des HbA1c auf den Normwert. Heute geht der Trend unter Diabetologen zunehmend dahin, nur bei jungen Patienten eine so strenge Kontrolle des Langzeitzuckers durchzuführen. Hintergrund ist die Überlegung, dass sich Spätfolgen beim Diabetes erst nach Jahrzehnten einstellen. Wer in späteren Lebensjahren erkrankt, wird die Folgeerkrankungen gewöhnlich nicht mehr erleiden müssen.

Die konsequente Senkung des Blutzuckers kann bei Senioren hingegen andere Komplikationen hervorrufen. So ist die Sturzgefahr bei einer ungewollten Unterzuckerung sehr hoch und kann schwere Verletzungen nach sich ziehen. Zudem kann der Zuckermangel Herz-Rhythmus-Störungen induzieren, die einen Herzinfarkt auslösen können. Für die älteren Patienten mit Diabetes Typ 2 ist aktuellen Richtlinien zufolge ein Zielwert von 7,5 % bis 8 % anzustreben. Bei Diabetikern über 70 Jahren soll der HbA1c überhaupt nicht mehr beeinflusst werden.

Der moderne Therapie-Ansatz fordert eine individuelle Herangehensweise an die Einstellung des Blutzuckers. Der starre, pauschal geltende Wert, wird dem Lebensstil, der gesundheitlichen Konstitution, der Ernährung uns anderen Faktoren nicht gerecht.      

Überzuckerung (Hyperglykämie)

Überzuckerung (Hyperglykämie): Typisches Symptom ist ein vermehrter Harndrang (Polyurie) bis hin zur Austrocknung. Daraus resultiert oft ein sehr starker Durst (Polydipsie). Dies kommt daher, dass der Zucker nach Überschreiten der Nierenschwelle (ca. 180 mg/dl) über den Urin ausgeschieden wird. Glucose ist stark osmotisch wirksam und nimmt daher viel freies Wasser mit. Wird die alternative Energiegewinnung aus Fetten im Rahmen eines Diabetes mellitus angekurbelt (Ketonbildung), kann es zu Übelkeit, Erbrechen bis hin zum Koma kommen, da der Körper übersäuert (Azidose). Die sauren Valenzen werden über die Atmung abgegeben, daraus ergibt sich die typische tiefe Kussmaul-Atmung.

Die häufigste Ursache für einen zu hohen Blutzuckerspiegel ist der Diabetes mellitus. Es handelt sich um eine Krankheit, die mit einem Insulinmangel einhergeht. Insulin wird aber benötigt, um die Glucose in die Zellen zu verschieben. So entstehen hohe Glucosespiegel im Blut.

Nüchternwerte über 110 mg/dl und Werte von über 140 mg/dl nach dem Essen gelten als verdächtig, jeder gemessene Wert über 200 mg/dl ist beweisend für einen Diabetes mellitus. Auch Stresshormone (vor allem Glukocorticoide) erhöhen den Blutzuckerspiegel, um dem Körper Energie bereitzustellen. Bei bestimmten Stoffwechselerkrankungen oder im Rahmen von massivem Stress (z.B. Trauma, Krankheit, nach Operationen und psychischer Stress) kann es zu einer überschießenden Reaktion kommen.

Eine typische Stoffwechselerkrankung ist der Morbus Cushing, bei dem isoliert Cortison vermehrt produziert wird. Ähnlich wirkt entsprechend eine Cortisontherapie oberhalb der "Cushing-Schwelle".

Seltene Ursachen sind ein ausgeprägter Chrom-Mangel und Vergiftungen (z.B. Pentachlorphenol aus Holzschutzmitteln).

Unterzuckerung (Hypoglykämie)

Unterzuckerung (Hypoglykämie): In der Regel beginnt eine Unterzuckerung mit Unruhe - teilweise mit Aggressionen, Heißhunger und Schweißausbrüchen.

Kompensatorisch steigt der Blutdruck, die Atem- und Herzfrequenz durch Stresshormonausschüttung an. Sinkt der Blutzuckerspiegel weiter ab, so kommt es zu Verwirrtheit, Lähmungen, Krampfanfälle bis hin zum Koma. Eine Unterzuckerung wird von dem Körper wesentlich schlechter toleriert, als ein zuviel an Glucose in der Blutbahn. Meist kommt es im Rahmen einer Diabetestherapie zur Hypoglykämie. Vor allem wenn der Spritz-Ess-Abstand verlängert wurde, eine Mahlzeit bei unveränderter Therapie ausgelassen wurde, allgemein bei vermehrter sportlicher Betätigung und unter der Behandlung mit langwirksamen Insulinen oder Sulfonylharnstoffen (diese Form der Unterzuckerung tritt bevorzugt nachts oder in Zeiten mit reduzierter Nahrungsaufnahme auf).

Auch können Lebensmittel mit hohem glykämischen Index (z.B. Süßigkeiten) reaktiv eine vermehrte Insulinausschüttung auslösen und so zu einer postprandialen Unterzuckerung führen. Dies kann gesunde Personen betreffen, aber auch bevorzugt Menschen in der Vorphase eines Diabetes mellitus.

Einige Medikamente haben eine Hypoglykämie in ihrem Nebenwirkungsprofil. Neben den Diabetesmedikamenten ist eine Unterzuckerung bei Einnahme von ASS, Beta-Blockern, einigen Antibiotika (Sulfonamide, Chinolone) und Malariamedikamenten möglich. Auch Alkohol kann zu einer Unterzuckerung führen, da im Prinzip der Alkoholabbau die Leber so stark beschäftigt, dass diese nicht mehr der Blutzuckerregulation (im Sinne einer Glucoseneubildung und –mobilisation) nachkommen kann.

Eine Sonderform ist die Hypoglykämie beim Neugeborenen. Diese tritt vor allem bei Kindern von zuckerkranken Müttern auf. Das Kind war während der Schwangerschaft an erhöhte Blutzuckerspiegel angepasst und hatte entsprechend vor der Geburt hohe Insulinspiegel. Fällt nun die hohe Glukosezufuhr durch die Mutter weg, wirkt das Insulin weiter und es kommt zur Hypoglykämie.

Seltene Ursachen sind Malabsorptionssyndrome (z.B. bei Zöliakie oder Morbus Crohn, die Insulinausschüttung wird durch den Nahrungsreiz getriggert, aber eine Resorption der Kohlenhydrate bleibt aus. Es kommt zu einer Unterzuckerung, die immer kurz nach der Nahrungsaufnahme auftritt.), das Insulinom (ein insulinproduzierender Tumor in der Bauchspeicheldrüse) oder der Morbus Addison (Nebenniereninsuffizienz mit daraus resultierendem Mangel an Glukocorticoiden).

weitere Themen sind: Eiweißwerte im Blut - Bilirubinwerte - Cortisolwerte

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Dieser Beitrag wurde letztmalig am 03.06.2019 aktualisiert

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