Kleines Blutbild - Verständlich Erklärt

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Das kleine Blutbild zeigt Werte der im Blut enthaltenen Zellen und Zellbestandteile an. Unter dem Mikroskop zählt ein Labor-Mitarbeiter die Roten Blutkörperchen (Erythrozyten), die Weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten).

Dazu dient eine Zählkammer, die in kleinste Quadrate eingeteilt ist. Die Zahl der Zellen kann in diesen Einheiten ermittelt und hochgerechnet werden. Daneben wird die Gesamtmenge der festen, zellulären Bestandteile des Blutes bestimmt (Hämatokrit). Durch Zentrifugation bilden die Blutzellen ein Sediment, dessen Volumen gemessen wird. Für diese Untersuchungen wird die Blutgerinnung mit dem Agens EDTA unterbunden (Antikoagulation).

Der Hämatokrit sagt aus, wie viel Prozent vom Blut-Volumen aus Zellen bestehen. Norm-Wert ist bei Männern die Spanne zwischen 43 % und 49 % und bei Frauen zwischen 37 % und 48 %. Liegt der Hämatokrit darüber, kann die Ursache eine Austrocknung, Medikamenten-Missbrauch (Doping) oder eine Lungenkrankheit sein. Niedrigere Werte sind bedingt durch eine gestörte Blutbildung oder Niereninsuffizienz. Möglich ist daneben eine zu hohe Gabe von Kochsalz- Infusionen.

Die Zahl der Erythrozyten bei gesunden Menschen beträgt bei Männern 4,3 bis 5,7 Millionen Zellen pro µl Blut (µl oder Mikroliter entspricht 0,001 ml oder Milliliter) und bei Frauen 3,9 bis 5,3 Millionen Zellen pro µl. Zu geringe Werte liefern erste Anhaltspunkte für eine Anämie. Es kann auch eine Hyperhydratation vorliegen, bei der sich zu viel Wasser im Körper angereichert hat und das Blut verdünnt. Umgekehrt kann eine Dehydratation (Austrocknung) die Zahl der Erythrozyten pro Volumen-Einheit erhöhen.

Die Erythrozyten nehmen in den Lungen Sauerstoff auf, den sie zu den Geweben transportieren. Das Atmosphären-Gas lagert sich im roten Blutfarbstoff Hämoglobin ( https://www.yamedo.de/blutwerte/haemoglobinwert.html) an. Der Gehalt des Pigmentes in den Roten Blutkörperchen spielt eine wichtige Rolle bei der Diagnose von Krankheiten.

Deshalb gehört auch die Bestimmung der Hämoglobin-Konzentration zum kleinen Blutbild dazu. Der Wert lässt darauf zurückschließen, wie viel Hämoglobin die Roten Blutkörperchen enthalten. Im Norm-Bereich sind dies bei Männern 13 bis 18 g/dl (Gramm pro Deziliter) oder 8,3 bis 10,5 mmol/l (Millimol ist ein Tausendstel Mol, eine in der Chemie gebräuchliche Einheit, die sich auf die Zahl der Moleküle bezieht).

Der Norm-Wert des Hämoglobins bei Frauen beträgt 12 bis 16 g/dl oder 74, bis 99 mmol/l. Ein zu geringer Wert des Hämoglobins zeigt ebenfalls eine Anämie an, also die nicht ausreichende Versorgung der Organe mit Sauerstoff. Auch können eine Exsikose (Austrocknung), ein Eisen- oder Vitaminmangel (B12 oder Folsäure) sowie chronische Erkrankungen vorliegen. Daneben können einige Tumore die Ursache sein. Erhöhte Hämoglobin-Werte deuten manchmal auf Lungenerkrankungen hin. 

Der Wert MCH (Mittleres Corpuskuläres Hämoglobin) gibt das durchschnittliche Hämoglobin-Gewicht in einem Roten Blutkörperchen an. Rechnerisch ergibt sich der Parameter aus der Hämoglobin-Konzentration des Blutes zur Erythrozyten-Zahl. Der Norm-Wert beträgt 28 bis 33 Picogramm/Zelle (1 Picogramm ist 1 Millionstel Mikrogramm). Ein erhöhter MCH-Wert zeigt einen Vitaminmangel (B12 oder Folsäure) an, bei erniedrigten Werten muss der Arzt nach Tumoren und Infektionen suchen. Daneben kann ein Eisenmangel für zu wenig Hämoglobin in den Roten Blutkörperchen verantwortlich sein.

Der Laborwert MCV beschreibt das durchschnittliche Volumen der einzelnen Roten Blutkörperchen. Der Parameter ergibt sich aus dem Verhältnis vom Hämatokrit-Wert zur Erythrozyten-Zahl. Der Normalwert ist zwischen 80 fl bis 97 fl angesiedelt (1 fl oder Femtoliter entspricht einem Milliardstel Mikroliter). Werte unter dieser Spanne sprechen für Eisenmangel oder erworbene sowie genetisch bedingte Anämie. Daneben kann auch ein Vitamin B6-Mangel sowie eine Unterversorgung mit Kupfer verantwortlich sein. Ein zu hoher MCV-Wert ist ein Indiz für Tumor-Erkrankungen, Vergiftungen (auch chronischer Alkohol-Abusus) sowie Vitamin B12- oder Folsäuremangel.

Die mittlere corpuskuläre Hämoglobinkonzentration (MCHC, Mean Cellular Hemoglobin Concentration) beschreibt die Hämoglobin-Konzentration im Erythrozyten. Der Parameter ist rechnerisch das Verhältnis der Hämoglobin-Konzentration im Blut zum Hämatokrit-Wert. Ein gesunder MCHC bewegt sich zwischen 31 bis 36 g/dl (Gramm pro Deziliter). Dies ist ein guter Näherungswert, denn 96 % des Hämatokrits bestehen aus Roten Blutkörperchen.

MCH und MCHC betrachtet der Mediziner immer im Zusammenhang. Dabei berücksichtigt er auch, in welchem Bereich der MCV liegt. Abweichungen vom MCHC zeigen je nach MCH und MCV Nieren- und Leberstörungen bei Alkoholismus oder Krebs, Infektionen, Verdauungs-Problemen sowie Eisenmangel an. 

Die Zahl der Leukozyten sagt etwas über den Staus des Immunsystems sowie über Entzündungen aus. Der Norm-Wert liegt bei 4.000 bis 10.000 Zellen pro µl Blut. Zu hohe Werte treten bei Infektionen und anderen schweren Grunderkrankungen wie Leukämie auf. Zu niedrige Werte sind ein Hinweis auf ein geschwächtes Immunsystem, Autoimmun- oder Knochenmarkerkrankungen, Virus-Befall sowie Medikamenten-Nebenwirkungen. Bei Auffälligkeiten erstellt der Arzt zur genaueren Diagnose ein großes Blutbild. Damit können die einzelnen Typen der Leukozyten ermittelt werden.

Die Thrombozyten haben die Aufgabe, die Gefäße bei Verletzungen durch Blutgerinnung (Koagulation) zu verschließen. Die Norm liegt bei 150.000 bis 350.000 Zellen pro µl Blut. Liegt die Zahl drüber, hat in der Vorgeschichte ein Blutverlust oder eine Infektion stattgefunden. Ein niedriger Thrombozyten-Wert ist ein Indiz für Vitamin-Mangel (B12 oder Folsäure), Infektionen, Allergien, Blutgerinnungsstörungen, eine vergrößerte Milz oder Medikamenten-Nebenwirkungen.

Eine wichtige Kennzahl ist daneben das Mittlere Thrombozyten-Volumen (MPV, (Mean Platelet Volume) das mit der Durchfluss-Zytometrie bestimmt wird. Das automatisierte Verfahren beruht auf dem Einsatz der Laser-Technik. Erhöhte Zell-Volumina sind ein Anzeichen für Herzinfarkt, Diabetes, chronischen Sauerstoffmangel (Hypoxie), Infektionen oder erblich bedingte Vergrößerung der Blutplättchen (Makrothrombozytose).  Ein zu niedriges MPV indiziert Niereninsuffizienz, Knochenmarkerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder eine HIV-Infektion. Ursache können auch bestimmte Krebs-Formen der blutbildenden Systeme und einige Erbkrankheiten sein.  

Die Erythrozyten-Verteilungsbreite (EVB oder RDW, Red Blood Cell Distribution Width) zeigt die Volumenverteilung der Roten Blutkörperchen und gibt an, wie viel Prozent der Zellen vom durchschnittlichen Volumen der untersuchten Probe abweichen. Errechnet wird der Parameter aus dem Verhältnis der Standard-Abweichung des Erythrozyten-Volumens zum MCV-Wert. Zur Bestimmung wird die Durchfluss-Zytometrie verwendet. Die Angabe erfolgt in Prozent und schwankt im Norm-Bereich zwischen 11,4 % bis 14,5 %. Dies bedeutet, dass 11,4 % bis 14,5 % aller Roten Blutkörperchen der Probe von der Durchschnittsgröße abweichen. Eine erhöhte EVB indiziert Anämien verschiedenster Genese oder Erkrankungen des Knochenmarks. Niedrigere Werte deuten nicht auf Krankheiten hin.

All diese Blutwerte werden zur genaueren Diagnose einer Anämie, Infektionen, Krebs und diverser innere Krankheiten verwendet, wobei sie immer gemeinsam betrachtet werden.

weitere Themen: Bilirubin - Blutdruckwerte - Nierenwerte - Urinuntersuchung - Cystatin C - FSH Blutwerte

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 04.04.2018 aktualisiert

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