Gesichtsdiagnose – Krankheiten aus dem Gesicht „lesen“

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Krankheiten aus dem Gesicht erkennen?

Das lernt eigentlich jeder Arzt und jeder Heilpraktiker. In der klassischen Medizin (Schulmedizin) gelten bestimmte Dinge im Gesicht des Patienten als hinweisgebend: Blaue Lippen deuten auf eine starke Unterversorgung mit Sauerstoff hin. Hier ist in erster Linie an Herzerkrankungen oder Lungenerkrankungen zu denken. Ist das Weiße im Auge bei Patienten gelblich, könnte eine Entzündung der Leber die Ursache sein. Geschwollene Augenlider weisen auf eine Nierenproblematik hin.

Soweit erst einmal die „klassische“ Gesichtsdiagnose. Darüber hinaus gibt es aber noch wesentlich mehr zu interpretieren. Und hier hat die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) einiges zu bieten. Hier spricht man allerdings eher von einer „Antlitzdiagnose“.

Antlitzdiagnose nach TCM – was Ihr Gesicht über Sie aussagt

„Schau mir in die Augen und ich sage dir, was dir fehlt.“ So oder ähnlich könnte man den grundsätzlichen Gedanken der Gesichtsdiagnose in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) beschreiben. Nur dass es neben der Augenpartie noch viele weitere Bereiche im Gesicht gibt, die etwas über Ihre Gesundheit aussagen können.

Die Gesichtsdiagnose in der TCM

Schon in der Antike haben Mediziner am Gesicht ihrer Patienten gesundheitliche Probleme abgelesen. Und noch heute ist diese Diagnoseform in der Traditionellen Chinesischen Medizin wichtig. Kein Wunder: Augen und Gesicht gelten einerseits als Spiegel der Seele. Hier kann man erkennen, wie es jemandem in psychischer Hinsicht geht. Andererseits spiegeln sich im Gesicht aber auch körperliche Prozesse wider. Bestimmte Gesichtsregionen sind Organen im Körper zugeordnet. So gehört zum Beispiel die Nase- und Wangenpartie zum Lungen- und Herz-/Kreislaufsystem. Die Haare haben ihre Entsprechung in den Darmzotten. Die untere Gesichtspartie ist den Genitalien, dem Dickdarm, den Nieren und der Blase zugeordnet. Und die Nasenwurzel zwischen den Augenbrauen hat eine Verbindung zum Nervensystem. Erfahrene Therapeuten können deshalb schon am Gesicht erkennen, wo es beim Patienten Probleme geben könnte.

Definiert sind die Zeichen der Antlitz-Diagnose in der TCM über die  Merkmale Ying (Säfte, alles Biologische) und Yang (Lebens-Energie) sowie das Chi (Kraftströme im Körper) und dem Shen (Psyche) 

Das sagt Ihre Gesichtsfarbe über Sie aus

Zum Beispiel gibt die Gesichtsfarbe dem TCM-Therapeuten wichtige Hinweise. Blässe spricht für einen Blutmangel oder eine Tendenz zur Kälte. Beides liefert einen Hinweis auf chronische Erkrankungen oder einen ungesunden Lebenswandel. Treten andere Symptome wie permanente Müdigkeit und zu niedriger Blutdruck hinzu, besteht Verdacht auf einen Leberblutmangel. Hier muss dringen mit vitaminreicher Kost und einem verbesserten Lebensstil gegengesteuert werden. 

Rote Flecken zeigen dagegen eine starke Hitze und einen Yin-Mangel an. Diese „entleerte Hitze“ unterscheidet sich von der „Überfüllungs-Hitze“, die bei einem gleichmäßig und vollständig rot gefärbten Gesicht vorliegt. Dies zeigt ein dominierendes, überschießendes Yang an. Trotzdem gelten in beiden Fällen ähnliche Empfehlungen. Genussgifte, gebratenes Fleisch und scharfe Speisewürzen sollen am besten ganz weggelassen und statt dessen Gedünstetes und Obst verzehrt werden.       
Eine gelbliche Gesichtsfarbe deutet auf Probleme mit dem Gastrointestinal-Trakt  oder der Milz hin. Die TCM sieht hier das Element „Erde“ beeinträchtig.

Bei einer mangelhaften Funktion der Leber färbt sich das Gesicht leicht grünlich. Das Chi des zentralen Stoffwechsel-Organs ist teilweise blockiert. Eine Linderung verschaffen Entspannungsübungen und milde Lebensmittel. Einige Gewürze und Tees unterstützen die Leber. Geeignet sind etwa Orangenblüten, Kurkuma, Löwenzahn und Jasmin.   

Und schwärzliche Haut (zum Beispiel bei tiefen Augenringen) deutet auf ein starkes Ungleichgewicht hin, oft in den Nieren. Deren Chi ist der Ursprung unserer Körper-Energie (Yang) und der organischen Säfte (Ying). Ist die Region um die Augen angeschwollen, dominiert das Ying, treten die Augen ungewöhnlich zurück, ist das Yang übermächtig. Dann ist speziell das Nieren-Chi beeinträchtig. Bei diesen Symptomen ist eine ruhigere Lebensgestaltung angezeigt. Eine Anregung des Ying erfolgt mit einer stark mineralhaltigen Ernährung (wechselnde Cerealien, Gemüse). Gewürzt werden soll nur sehr milde. Das Yang wird gestärkt durch eine rein vegetarische Ernährung sowie durch leichte sportliche Aktivität.

Auch der Zustand der Augen ist beachtenswert. Sind sie gerötet, zeigen sie erhöhte Hitze der Leber an. Trockene Augen stehen für ein Defizit des Leber-Blutes.

Pickel sind bekanntlich auch Hinweise auf gesundheitliche Störungen. In der TCM signalisieren sie, wenn sie auf den Wangen in Erscheinung treten, einen Überschuss an Feuchtigkeit in Magen und Lunge. Rötliche Pickel deuten auf feuchte Hitze hin.   

Das sagen Mund und Lippen über Sie aus

Nicht nur die Farbe der Haut, auch die der Lippen ist aussagekräftig: Sehr rote Lippen sind zwar ansprechend, können aber bedeuten, dass nach der traditionellen Lehre zu viel Hitze  im Magen zu finden ist. Gibt es Probleme im Blut-System, verfärben sich die Lippen dagegen eher bläulich oder lilafarben. Dann können zusätzlich Schmerzen auftreten. Sind die Lippen blass, kann entweder Kälte oder ein Blut-Defizit die Ursache sein, das dann durch gleichzeitig vorliegende Schlaflosigkeit und Nervosität angezeigt wird.   

Auch die Form der Lippen kann dem Therapeuten/der Therapeutin Hinweise geben: Schmallippigkeit deutet auf eine schwache Verdauung hin, ein großer, breiter Mund dagegen auf eine starke Verdauungs-Effektivität. Bei einer stark wulstigen Unterlippe weiß der Diagnostiker, dass der Feuchtigkeitsgehalt des Darmes zu hoch ist. An blassen Lippen erkennt der Heiler ein Blut-Defizit, hervorgerufen durch ein geschwächtes Milz-Chi.   

Risse und Trockenheit der Lippen können mit einem Mangel der Körpersäfte im Verdauungs-Apparat zusammenhängen. Ratsam sind hier stark wasserhaltige Lebensmittel wie Suppen oder Obst.

Das sagen Ihre Falten über Sie aus

Dass Falten auf unterschiedliche Weise entstehen und etwas über das Gemüt eines Menschen aussagen, wissen wir eigentlich alle: Feine Falten um den Mund deuten oft darauf hin, dass wir es mit einem verbissenen Menschen zu tun haben. Falten um die Augen heißen nicht umsonst „Lachfältchen“, und die zerfurchte Stirn bezeichnen wir als „Sorgenfalten“. Die TCM kann aus den Falten aber noch deutlich mehr herauslesen. Dysbalancen zwischen Ying, Yang und dem Chi sind umso stärker, desto tiefer die Falten gefurcht sind. Gesundheitliche Probleme sind schwerer, wenn die Falten der beiden Gesichtshälften ungleichseitig verteilt sind.

Höhere Symmetrie zeigt hier eine stabile Psyche (Shen) an. 
Horizontale Falten auf der Stirn, den Wangen oder zwischen den Augen deuten auf einen Yang-Mangel hin. Wärmezufuhr ist hier zuträglich, durch schützende Kleidung und durch heiße Tees. Vertikale Falten sprechen für einen Yin-Mangel, der einer Erhöhung der Flüssigkeitsaufnahme bedarf. Ungerade, plötzlich abknickende Falten stehen für ein gehemmtes Chi. Eine Beruhigung der Psyche ist hier erforderlich.

Je nachdem, wo die Falten liegen, gibt es Entsprechungen zu verschiedenen Organen, und die Tiefe und Form der Falten gibt weitere Hinweise. Vertikale Zwischenaugenfalten deuten auf Leber-Galle-Probleme hin. Falten derselben Ausrichtung auf den Wangen indizieren Lungenkrankheiten mit einem geschwächten Lungen-Ying. Trockene Hitze und ein gestörtes Nieren-Ying liegen vor, wenn über der Oberlippe vertikale Fältchen erscheinen. Falten an den Stirnecken sind bei Männern ein Symptom für Prostata-Krankheiten.

Grundsätzlich kann man die Gesichts-Regionen direkt einem Körperabschnitt zuordnen. Kopf, Lunge und Herz haben ihre Entsprechung in der Stirn- und Augen-Partie. So deutet eine blasse Stirn auf Lungenstörungen hin. Der Bereich um die Nase repräsentiert den Magen und Oberbauch. Große Ohren zeigen kräftige, weiche Ohren dagegen empfindliche Nieren an. Die Region von hier ab bis zum Kinn ist Zeigerort für die Gegebenheiten der Unterleibs-Organe. Ein schwacher Unterkiefer zeigt dem Therapeuten, dass ein Problem mit den Nieren besteht.

Achtung: Die Gesichtsdiagnose sollte nicht überbewertet werden!

Ein erfahrener Therapeut/eine erfahrene Therapeutin kann aus dem Gesicht viele wichtige Anhaltspunkte erkennen, die er oder sie genauer anschauen sollte.

Als alleinige Diagnose reicht diese Methode aber meist nicht aus. Und: Man braucht viel Hintergrundwissen und Erfahrung, um die Antlitzdiagnose richtig anwenden zu können. Wer sich nur oberflächlich sein Wissen anliest, neigt schnell dazu, falsche Schlüsse zu ziehen. Wenn Sie genauer wissen wollen, was aus Ihrem Gesicht herauszulesen ist, sollten Sie sich daher an einen TCM-Therapeuten mit Erfahrung in diesem Bereich wenden.