Protonenpumpenhemmer

  • Folgenden Bericht ausDochcheck-Load wollte ich Euch nicht vorenthalten!

    Gruß Gabriele

    PPI: Ich sage 5 Mal Nein

    Sie verkaufen sich bestens, obwohl die Einnahme selten sinnvoll ist: Richtig, es geht um Protonenpumpeninhibitoren. Fünf Gründe, warum man auf PPI getrost verzichten kann.

    Der Magenschutz oder besser gesagt, der Umgang mit ihm, bereitet mir Magenschmerzen. Manche Menschen benötigen Säureblocker, sehr viele Menschen brauchen sie nicht, nehmen sie aber trotzdem. Letzteres schadet dem Körper oft mehr, als es ihm hilft. Mittlerweile häufen sich die Argumente gegen den Einsatz von Protonenpumpenhemmern. Hier meine fünf triftigsten Gründe gegen PPI.

    1. Mehr Allergien

    Starten wir mit der neuesten Erkenntnis über Protonenpumeninhibitoren. Galateja Jordakieva von der Universität Wien hat kürzlich Daten aus Krankenversicherungsakten analysiert. Sie fand eine Assoziation zwischen der Verordnung von PPI und der späteren Verschreibung von Antiallergika. Erhielten Patienten ein ärztlich verordnetes Magenschutzmittel, war die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht, dass sie in den Folgejahren auch ein antiallergisches Pharmakon erhalten.

    Dass die Uni in einer Meldung schreibt, „Magenschutz-Medikamente können Allergien auslösen“, ist mutig. Bekanntlich zeigen Kohorten keine Kausalität. „Die Studie kann aufgrund ihres Designs und der Datenlage keine Aussage treffen, ob Säurehemmung das Entstehen von Allergien begünstigt“, kontert die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Biochemisch lässt sich zumindest eine Hypothese aufstellen. Die Magensäure denaturiert Fremdproteine aus der Nahrung. Ohne solche Mechanismen gelangen potenzielle Allergene weiter in Richtung Darm. Der Sensibilisierung wird Tür und Tor geöffnet.

    2. Tablette statt Umdenken

    Wer unter saurem Aufstoßen oder Sodbrennen leidet, greift oft zur Tablette, anstatt den eigenen Lebensstil zu überdenken. Alkohol, Nikotin, fettreiches Essen, Übergewicht und wenig Bewegung sind die klassischen Faktoren, die mit der Entstehung von Sodbrennen zusammenhängen. Aus wissenschaftlicher Sicht spricht viel dafür, die Abgabe einzuschränken. Dank des OTC-Switches muss man aber nicht einmal mehr zum Arzt, um gegen die Beschwerden Säureblocker einzunehmen. Und sollten Apotheker oder PTAs allzu intensiv nachfragen, bestellt man die gewünschte Arznei eben online.

    3. Mehr Clostridium-difficile-Infektionen

    Ähnliche Vermutungen wie Jordakieva zum Wirkmechanismus von PPI hat Raseen Tariq von der Mayo Clinic in Rochester bei Infektionen formuliert. Er fand heraus, dass Protonenpumpenhemmer mit einem signifikant erhöhten Risiko für wiederkehrende Clostridium-difficile-Infektionen in Verbindung stehen. Basis war eine Metaanalyse von 16 Studien mit 7.703 Patienten. „Es kann sinnvoll sein, Säureblocker bei Patienten mit C-difficile-Infektion abzusetzen“, schreibt Tariq. Gleichzeitig rät er, den unnötigen Gebrauch dieser Medikamente einzuschränken, damit es zu weniger Infektionen und letztlich auch zu weniger Kosten komme.

    4. Vitamin B12-Mangel

    Magensäure schützt nicht nur vor Bakterien. Sie ist auch erforderlich, um Vitamin B12 aus Nahrungsproteinen abzuspalten. Der so genannte Intrinsic Factor ist ein Glykoprotein, das mit dem aus der Nahrung aufgenommenen Vitamin B12 einen Komplex bildet und dadurch seine Resorption ermöglicht. Und die pH-abhängige Resorption über den Intrinsic Factor wird unter PPI ebenfalls beeinträchtigt.

    Das ist nicht neu. Ergebnisse einer großen Kohortenstudie erschienen Ende 2013. Jameson R. Lam vom Versicherungskonzern Kaiser Permanente in Oakland wertete elektronische Patientenakten aus. Er verglich 25.956 Patienten, bei denen ein Vitamin-B12-Mangel diagnostiziert wurde mit 184.199 Patienten ohne Defizite. Unter Säureblockern war die Wahrscheinlichkeit für einen Vitamin-B12-Mangel deutlich erhöht.

    5. Frakturen

    Zuletzt möchte ich auf das Thema Frakturen eingehen. Auch bei der Resorption von Calcium und/oder D-Vitaminen scheint Magensäure von Bedeutung zu sein, vermuten Forscher. Als alternativer Mechanismus wird die Beeinflussung von Osteoklasten (den abbauenden Zellen im Knochen) erörtert. Wie dem auch sei, Ergebnisse aus methodisch hochwertigen Kohortenstudien lassen sich nicht ignorieren. Deshalb hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Firmen vor Jahren aufgefordert, folgenden Warnhinweis in Packungsbeilagen zu ergänzen: „Häufigkeit (gelegentlich): Fraktur der Hüfte, des Handgelenks oder der Wirbelsäule“.

    Einschränken statt Verteufeln

    Bleibt als Fazit: PPI werden mit unterschiedlichen Nebenwirkungen in Verbindung gebracht. Mal ist die Datenlage besser, mal schlechter. Und Pillen sind keine Drops. Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass Säureblocker die Gastroenterologie revolutioniert haben. Das Skalpell bleibt meist im Schrank: Magengeschwüre lassen sich in den meisten Fällen medikamentös behandeln – inklusive Helicobacter-pylori-Eradikation, falls erforderlich. Magenteilresektionen sind kaum noch erforderlich. Für Patienten bleibt als Rat, PPI nicht länger als zwei Monate ohne gesicherte Diagnose einzunehmen.

    Trotzdem ist der Umgang mit PPI problematisch. Zwischen 2008 (1,6 Milliarden definierte Tagesdosen, DDD) und 2017 (3,7 Milliarden DDD) landeten Protonenpumpenhemmer immer häufiger auf ärztlichen Rezepten. Alle Zahlen beziehen sich auf den GKV-Bereich und sind im Arzneiverordnungs-Report 2018 [Paywall] nachzulesen. Was die Sache nicht besser macht: Seit Mitte 2009 ist Omeprazol auch ohne Verordnung erhältlich.


    Bildquelle: Pawel Czerwiński, unsplash

    © Copyright 08.08.2019 (*)(*)(*)(*)(*) 5 (2 Bewertungen)

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    Alle angeführten Informationen können klarerweise nicht immer und unter allen Umständen Allgemeingültigkeit haben, vielmehr müssen auch individuelle Gegebenheiten (erücksichtigt werden. Es macht grundsätzlich Sinn, auch Querverweisen und Quellenangaben zu folgen und Informationen querzuchecken, denn oftmals handelt es sich hier im Forum um persönliche Meinungen, nicht um Fakten


    Mit lieben Grüßen Gabriele


    "Die Mikrobe ist Nichts, das Milieu Alles!" (Béchamp)

  • Protonen-Pumpen-Hemmer werden als "lebensgefährlich" erkannt!

    Diesen Artikel auf DocCheck-load wollte ich Euch nicht vorenthalten.

    Vielleiht wird die SM doch noch klug!!

    Die tödliche Seite der PPIs

    Unter der Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren ist das Mortalitätsrisiko insgesamt um 23 Prozent erhöht, wie eine Studie zeigt. Warum verschreiben Ärzte sie trotzdem viel zu oft und bei falschen Indikationen?

    Als Protonenpumpenhemmer (PPIs) erstmalig die FDA‑Zulassung erhielten, waren sie eigentlich für eine Einnahmedauer von bis zu max. 6 Wochen konzipiert. Doch viele Patienten nehmen die Medikamente länger ein. Warum ist die Langzeit-Einnahme problematisch?

    Es gibt diverse Konstellationen, bei denen PPIs angezeigt und hilfreich sind, beispielsweise als Magenschutz während einer Stoßtherapie mit hochdosierten Steroiden oder im Rahmen einer kurzfristigen Einnahme von NSAR, etwa nach einer Operation.

    In diesem Beitrag soll es nicht um ihren zweifelsohne vorhandenen Nutzen gehen, sondern um die noch immer zu wenig präsente Thematik ihres unspezifischen, breiten und vor allem langfristigen Einsatzes. Wir wollen anhand aktueller Studiendaten nachvollziehen, warum dieser problematisch ist.

    Signifikanter Zusammenhang zwischen Mortalität und PPIs

    Eine Bandbreite von Studien deutet auf eine Assoziation zwischen der Einnahme von PPIs und einem erhöhten Risiko für verschiedene Erkrankungen hin:1

    • Eine Reihe von Untersuchungen zeigten ein signifikantes Risiko für eine akute interstitielle Nephritis2,3,4
    • In aktuellen Arbeiten wurde auch ein Zusammenhang zu einem 30 –50 % höheren Risiko für Entwicklung chronischer sowie terminaler Niereninsuffizienz deutlich5,6,7
    • Daten einer großen prospektiven Studie aus Deutschland legen ein um 44 % erhöhtes Demenzrisiko nahe8
    • Mehrere Berichte wiesen auf das seltene, aber potentiell letale Risiko einer Hypomagnesiämie unter PPI‑Anwendern hin9,10,11
    • PPI‑Einnahme ist mit 70 % häufigerem Auftreten und Rezidiven von (für viele Patienten kritischen) Clostridium difficile-Infektionen assoziiert12
    • Etliche Beobachtungsstudien konnten zudem ein um 44 % erhöhtes Risiko für osteoporotische Frakturen bei PPI‑Behandelten nachweisen, u. a. Hüft- und Wirbelsäulenfrakturen13,14
    • Langzeit-Einnahme geht mit einer Verschlechterung gastrischer Atrophie und (auch nach Helicobacter-Eradikationstherapie) mit einem mehr als doppelt so hohen Risiko für Magenkrebs einher15
    • Möglicherweise ziehen PPIs eine Reduzierung von Stickstoffmonoxid (NO) in den Gefäßen nach sich, was zu endothelialer Dysfunktion beitragen könnte. Hier sind noch weitere Studien vonnöten, aber eine sehr große, retrospektive Arbeit der Universität Stanford stellte eine Erhöhung des Myokardinfarkt-Risikos um 16 –21 % fest (verglichen wurden nur Patienten, die an Sodbrennen litten, untereinander, mit vs. ohne PPIs)16

    [Blockierte Grafik: https://dccdn.de/www.doccheck.com/data/92/ha/wp/nn/l7/j3/zitat-ppi1_original.jpg]Die möglichen, mit einer PPI‑Einnahme assoziierten Komplikationen sind also ernst zu nehmen und jede von ihnen bringt bereits einzeln einen Anstieg der Mortalität mit sich.

    „Diese Substanzklasse ist möglicherweise nicht so sicher wie wir denken“, sagt Dr. Nicholas Leeper, Professor für Gefäßchirurgie an der Universität Stanford und Hauptautor der o.g. Studie zum Herzinfarkt-Risiko.16

    So verwundert das Ergebnis einer Längsschnittstudie wenig, die einer großen Kohorte von Personen, bei denen erstmalig säurehemmende Medikamente angesetzt worden waren, über knapp 6 Jahre folgte: unter PPIs war das Mortalitätsrisikos insgesamt um 23 % erhöht (HR 1,23; KI 1.22 –1.24).

    Der Anstieg betraf insbesondere Patienten ohne dokumentierte medizinische Indikation für PPIs und das Sterberisiko nahm mit der PPI‑Expositionsdauer zu.1 Der Zusammenhang blieb über mehrere Analysen und unter Berücksichtigung verschiedener epidemiologischer und statistischer Charakteristika stabil. Die Arbeit reproduzierte damit die Ergebnisse einer weniger aktuellen Kohorte aus einer Zeit, in der PPIs deutlich seltener eingesetzt wurden.17

    Ergebnisse wie diese sollen nicht von medizinisch notwendigen Verschreibungen abhalten, sondern vielmehr deutlich machen, warum der Einsatz auf relativ klar umrissene Indikationen beschränkt erfolgen und die Notwendigkeit der Weiterführung der Medikation engmaschig überprüft werden sollte.

    Die Autoren bemerken vor allem kritisch, dass PPIs von Millionen von Menschen für Indikationen und Zeiträume eingenommen werden, für die sie nie getestet oder zugelassen wurden. In manchen Ländern sind sie freiverkäuflich erhältlich, werden oft über-verordnet oder inadäquat während Krankenhausaufenthalten angesetzt und selten abgesetzt.1,18,19,20,21 Studien schätzen, dass 53–69 % der PPI‑Verordnungen ohne geeignete Indikation erfolgen, sodass der realistisch zu erwartende Nutzen die Risiken möglicherweise nicht rechtfertigt.18,22

    Was die Protonenpumpenblockade im Körper bewirkt

    Das sorgfältig sauer geregelte Magenmillieu „desinfiziert“ normalerweise die Nahrung als Erstes. Eine langanhaltende Blockade der Säureproduktion führt zur Überwucherung des Gastrointestinaltraktes (GIT) mit Bakterien und Pilzen, die dort in der Zusammensetzung nicht hin gehören sowie zur Störung der hydrolytischen Verdauung von Proteinen und u. a. zur Beeinträchtigung der Fähigkeit, lebenswichtige Nährstoffe und Vitamine aufzunehmen (Paradebeispiel: Vitamin‑B12-Mangel nach langjähriger PPI‑Einnahme).23

    Wissenschaftler der Universität Stanford betonen jedoch, dass man sich vor allem Folgendes vor Augen führen muss: PPIs hemmen Protonenpumpen unspezifisch, nicht nur in den Parietalzellen des Magens. Die Säureproduktion in unseren Zellen hängt mit einem spezifischen Prozess zusammen, der der Bereinigung von nicht mehr benötigten Endprodukten des Metabolismus dient.

    Ohne die Säurebildung kommt es zu einer Anhäufung von Toxinen, was zur Entwicklung der eingangs dargelegten Störungen beitragen könnte. „Ich glaube, wir haben jetzt eine rauchende Pistole“, meint Dr. John Cooke, PhD, Leiter der Forschungsabteilung für kardiovaskuläre Erkrankungen am Houston Methodist Hospital.24

    Die Evidenzlage ist noch weit von einem detaillierten und übereinstimmenden Verständnis entfernt, aber neuere experimentelle Daten weisen in die Richtung, dass PPIs die Acidifikation in den Lysosomen hemmen, was die Protein-Homöostase (das Gleichgewicht zwischen Synthese, Faltung und kontrolliertem Abbau) empfindlich stört und zu gesteigertem oxidativen Stress, Endothel-Dysfunktion, Telomer-Verkürzung und beschleunigter Seneszenz in menschlichen Endothelzellen führt.1,25


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    Alle angeführten Informationen können klarerweise nicht immer und unter allen Umständen Allgemeingültigkeit haben, vielmehr müssen auch individuelle Gegebenheiten (erücksichtigt werden. Es macht grundsätzlich Sinn, auch Querverweisen und Quellenangaben zu folgen und Informationen querzuchecken, denn oftmals handelt es sich hier im Forum um persönliche Meinungen, nicht um Fakten


    Mit lieben Grüßen Gabriele


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