Leber-Galle-Tropfen

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Fettreiche Ernährung, zu viel Alkohol und eine ungesunde Lebensweise schaden der Gesundheit - das ist bekannt. Wenn dann beispielsweise Leber und Galle nicht mehr richtig funktionieren, kann die Verdauung stark eingeschränkt werden; so stellt eine beschädigte Leber weniger Gallenflüssigkeit her, die für die Verdauung von Fetten jedoch lebensnotwendig ist.

Die Folge: Krampfartige Beschwerden, Völlegefühl oder Blähungen. Um Leber und Galle wieder zu stärken, die Produktion der Verdauungssäfte anzuregen und Beschwerden zu lindern, stehen heute unterschiedliche Leber-Galle-Tropfen zur Verfügung.

Leber- und Gallestärkende Stoffe - Wirkprofil und Studienlage

1. Lebermittel Mariendistel

Zu den klassischen Lebermitteln gehört die Mariendistel. Das in der Pflanze enthaltene Silymarin bewirkt laut aktueller Studienlage eine Regeneration des Lebergewebes. [1] Zudem konnte eine Antidot-Wirkung nachgewiesen werden; als klassisches "Gegengift" (zum Beispiel von Alkohol) sorgt eine Zubereitung mit Mariendistel dafür, dass sich das Silymarin an die Proteine und Zellmembranen bindet und auf diese Weise den Giftstoff verdrängt. [2] Insgesamt gelten Mariendistel-Präparate als sehr gut verträglich; in einer Studie mit 998 Teilnehmern zeigten lediglich 1-2% der Patienten Nebenwirkungen. Hierzu zählten vor allem vorübergehende Magen-Darm-Beschwerden, zum Beispiel Durchfall, Blähungen und Völlegefühl. [3]

2. Bittermittel als Gallentherapeutika

Während die Mariendistel ihr Wirkungen überwiegend im Bereich der Leber entfaltet, sind so genannte "Bittermittel" an der Galle wirksam. Sie regen die Sekretion des Magens und der Galle an, so dass im Anschluss die Verdauung insgesamt besser funktioniert. Als Bittermittel werden unterschiedliche Pflanzen eingesetzt, deren Stärkegrade sich teilweise eklatant voneinander unterscheiden; Wermut- und Tausendgüldenkraut gehören zu den Bitterstoffen, die einen mittleren Bitterwert aufweisen. Arzneimittel, die Bitterstoffe enthalten, dürfen aufgrund ihrer Steigerung der Magen- und Gallensäfte nur kurzfristig angewendet werden, wobei Patienten mit Magen- und Zwölffingerdarmgeschwür komplett auf die Einnahme verzichten müssen. [4]

3. Gallenstärkende Artischocke

Als Gallentherapeutika stehen nicht nur Medikamente zur Verfügung, die die Verdauungssäfte anregen, sondern auch insgesamt gallenstärkende Mittel. Hierzu gehören beispielsweise Extrakte aus Artischocken, Schöllkraut oder Löwenzahn; diese verstärken den Gallenfluss, wobei Artischocke zusätzlich eine milde Intensivierung der Gallensekretion präsentiert. [5] Die Wirkung der Artischocke konnte überdies - im Gegensatz zu den anderen Heilpflanzen dieser Wirkstoffgruppe - in Doppelblindstudien nachgewiesen werden. [6]

4. Heilpflanzen gegen Begleiterscheinungen von Leber- und Gallebeschwerden

In vielen Leber- und Gallemedikamenten sind neben den organspezifischen Inhaltsstoffen auch Pflanzen und Kräuter (bzw. die aus ihnen gewonnen ätherischen Öle) enthalten, die bei möglichen Begleiterscheinungen helfen. Gegen Krämpfe, Übelkeit, Völlegefühl und Blähungen werden beispielsweise Kümmel, Pfefferminze, Anis, Fenchel, Melisse und Angelika eingesetzt. [4]

Vor allem die Wirkstoffe aus der Pfefferminze wirken bei krampfartigen Beschwerden sowohl im Bereich der Gallenblase und -wege als auch im Magen und Darm. Allerdings kann die Einnahme von minzehaltigen Arzneimitteln mit Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Durchfall einhergehen; bei vorliegendem Verschluss der Gallenwege sowie beim Gallenblasenentzündungen oder schweren Leberschäden darf die Einnahme grundsätzlich nicht erfolgen. [7]

Leber- und Gallemittel im Vergleich

Die Hepar-Hevert Lebertropfen gehören zu den bekanntesten Arzneimitteln in diesem Bereich. Sie liegen zwar definitionsgemäß als homöopathisches Medikament vor, enthalten die einzelnen Pflanzenauszüge jedoch unverdünnt bzw. in einer hohen, biochemisch nachweisbaren Konzentration. Neben der leberstärkenden Mariendistel sind zusätzlich Schöllkraut und Löwenzahn enthalten, die sich positiv auf die Funktion der Galle auswirken. Der Schwerpunkt der Wirkung liegt hier in der allgemein stärkenden Funktion; es sind keine Heilpflanzen enthalten, die bei starken Krämpfen oder gegen Übelkeit und Völlegefühl helfen. Auch wird auf klassische Bitterstoffe verzichtet, die eine Sekretion der Verdauungssäfte anregen. So ist das Medikament sehr gut auch für die langfristige Einnahme zu empfehlen; in diesem Fall werden bis zu dreimal täglich 5 Tropfen in Wasser eingenommen.

Vorsicht: In seltenen Fällen kann es nach der Einnahme von schöllkrauthaltigen Medikamenten zu einer vorübergehenden Gelbsucht kommen. [8]

Wenn der Schwerpunkt auf die Linderung krampfartiger Beschwerden sowie auf die Förderung der Verdauungssäfte gelegt werden soll, eignen sich besonders gut die Leber-Galle-Kräutertropfen von Salus. Das Medikament enthält zwei unterschiedliche Bitterstoffe mittlerer Stärke (Wermutkraut und Tausendgüldenkraut), die zu einer Intensivierung der Gallensaft- und Magensekretion führen, sowie Anis, Fenchel und Pfefferminze gegen Krämpfe und Bähungen. [9] Allgemein organstärkende Inhaltsstoffe sind hingegen nicht enthalten.

Erhältlich sind auch Arzneimttel, die mehrere therapeutische Schwerpunkte miteinander kombinieren. Das homöopathische Medikament Galloselect enthält beispielsweise neben der leberstärkenden Mariendistel die beiden Gallemittel Löwenzahn und Schöllkraut sowie die krampflösende Kamille in biochemisch nachweisbaren Konzentrationen. Die Tropfen werden deshalb zur Regeneration von Leberzellen genauso eingesetzt wie zur Beruhigung von Krämpfen im Gallenbereich. [10]

Fazit

Die unterschiedlichen Leber- und Galletropfen sollten je nach vorliegendem Beschwerdebild individuell ausgewählt werden. So ist beispielsweise die Zugabe von krampflösenden oder blähungstreibenden Inhaltsstoffen unnötig, wenn keine derartigen Begleiterscheinungen vorliegen.

Zusätzlich sollte der Patient die Wirkung des Medikaments unterstützen, indem er seine Lebensweise entsprechend anpasst; hierzu gehören zum Beispiel eine gesunde Ernährung (mehrere Mahlzeiten am Tag, gründliches Kauen, wenig Fleisch und Alkohol) sowie die gezielte Unterstützung der Organfunktionen (zum Beispiel mit Hilfe von Leberwickeln).

Im Zusammenspiel mit einer gesunden Lebensweise kann sich so die Wirkung des ausgesuchten Medikamentes am besten entfalten.


Quellen:
[1] Lucerna, M.I., Andrade, R.J., et al., Effects of silymarin MZ-80 on oxidative stress in patients with alcoholic cirrhosis, Int. J. Pharmacol. Therap40 (2002) 2-8.

[2] Saller, R., Meier, R., Brignoli, R., The use of silymarin in the treatment of liver disease, Drugs 61 (2001) 2035-63.

[3] Schuppan, D., Strösser, W., et al., Verminderung der Fibrosierungsaktivität durch Legalon bei chronischen Lebererkrankungen,. Z. Allg. Med. 74 /1998) 577-584.

[4] Schulz, V., Hänsel, R. Rationale Phytotherapie, Ratgeber für Ärzte und Apotheker, 5. Auflage, Springer Berlin Heidelberg New York ( 2003) 240-311.

[5] Glatzel, H., Hackenberg, K., Röntgenuntersuchungen der Wirkungen von Bittermitteln auf die Verdauungsorgane, Planta Med 15 (1967) 223-232.

[6] Kirchhoff, R., Beckers, C.H., er al., Increase in choleresis by means of artichoke extract, Phytomedicine 1 (1994) 107-115.

[7] Pittler, M.H., Ernst, E., Peppermint oil for irritable bowel syndrome: a critical review and metaanalysis, The American Journal of Gastroenterology 93 (1998) 1131-1135.

[8] hevert.com/market-de/de/arzneimittel/arzneimittel_von_a-z/produkt/hepar-hevert-lebertropfen

[9] salus.de/de/marken/salus/salus/leber-galle-kraeutertropfen-n-01001584/

[10] dreluso.de/index.php/produkte/stoffwechsel/galloselect-tropfen

 

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