Niereninsuffizienz: Ursachen, Verlauf, Diagnose Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Niereninsuffizienz beschreibt einen für den Organismus lebensbedrohlichen Zustand, bei dem die Leistung (glomeruläre Filtrationsrate – GLF) der Nieren stark herabgesetzt ist bzw. völlig aussetzt (= Nierenversagen). Hierdurch kommt es rasch zu einer Anreicherung mit Giftstoffen im Körper, durch die weitere Schäden, häufig mit letalen Folgen, entstehen.



Die gesunde Niere dient, neben der Produktion einiger Hormone (auch für die Blutbildung zuständige), vor allem der Entgiftung und der Homöostase, der Konstant-Haltung des inneren Milieus. Bei der Entgiftung werden für den Organismus schädliche Stoffe (harnpflichtige Substanzen) aus dem Blut herausgefiltert und mit dem Urin ausgeschieden. Bei der erkrankten Niere ist diese Funktion gestört. Die schädlichen Substanzen werden nicht ausgeschieden sondern lagern sich im Blut an, wodurch eine Urämie (Blutvergiftung durch harnpflichtige Substanzen) entsteht.

Die Niereninsuffizienz zeigt sich zum einen akut oder entwickelt sich chronisch im Verlauf bestimmter Störungen oder Erkrankungen. Während die akute Insuffizienz durch geeignete Therapien vollständig reversibel sein kann, führt die chronische Niereninsuffizienz immer zu bleibenden Schäden. Unbehandelt führen beide Formen (durch Nierenversagen) zum Tod. In Westeuropa zeigt sich ein Nierenversagen bei ca. einem von 10.000 Menschen, die Zahl ist ansteigend. Untersuchungen zeigen, dass etwa 10 % aller Menschen unter einer (meist chronischen) Niereninsuffizienz leiden.

Akute Niereninsuffizienz

Bei der akuten Niereninsuffizienz kommt es innerhalb weniger Stunden zu einer Verschlechterung der Funktion. Zu Beginn kann dies vom Organismus gut kompensiert werden. Sind mehr als 60 Prozent des Nierengewebes in Mitleidenschaft gezogen, reduziert sich die Leistung der Niere drastisch und führt zu akuten Problemen. Hauptursache für ein akutes Nierenversagen ist eine gestörte Durchblutung (Durchblutungsstörungen), wobei der Mediziner zwischen prärenaler, renaler und postrenaler Störung unterscheidet. Prärenale Durchblutungsstörungen zeigen sich unter anderem im Rahmen großer Operationen oder bei Unfällen (hoher Blutverlust), durch den Einfluss bestimmter Medikamente oder auch als Folge einer Blutvergiftung (Sepsis). Renale Schäden entstehen vor allem durch Entzündungen des Nierengewebes, Infektionen mit Bakterien oder Viren sowie durch bestimmte Medikamente. Postrenale Störungen betreffen den Harnabfluss. Dieser kann z.B. durch Tumoren, Nierensteine oder eine vergrößerte Prostata beim Mann beeinträchtigt sein.

Die Klinik der akuten Niereninsuffizienz weist zu Beginn unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Leistungsschwäche, Konzentrationsstörungen, Unwohlsein und Übelkeit auf (Stadium I). Im raschen Verlauf (Stadium II und III) reduziert sich die Urinausscheidung auf meist weniger als 500 Milliliter in 24 Stunden (= Oligurie), kann aber auch vollständig aussetzen (= Anurie). Das nicht ausgeschiedene Wasser lagert sich im Körper ab, es entstehen Ödeme an den Extremitäten (vor allem an den Beinen) und später auch im Bauchraum und im Lungenbereich. Hierdurch ist das tägliche Leben drastisch eingeschränkt, es zeigen sich Luftnot, Bewegungseinschränkungen und evtl. auch Schmerzen durch den Druck des eingelagerten Wassers auf Organe. Zeitgleich kommt es zu einer Verschiebung im Mineralien- und Elektrolythaushalt des Körpers, der steigende Kaliumwert im Blut kann zu Herzrhythmusstörungen führen.

Chronische Niereninsuffizienz

Die chronische Niereninsuffizienz ist ein langwieriger Prozess, der über Monate bis Jahre zu einer zunehmenden Verschlechterung der Nierenfunktion führt. Unbehandelt kommt es zu einem totalen Nierenversagen. Während die akute Form vor allem die Filterung von Giftstoffen einschränkt, führt die chronische Niereninsuffizienz durch den langsamen Verlauf zusätzlich zu einer Einschränkung der Hormon- und Blutbildung. Hierdurch zeigen sich ein veränderter Knochenstoffwechsel, Blutdruck, Vitamin- und Hormonhaushalt sowie eine gestörte Blutgerinnung.

Chronische Einschränkungen der Nieren sind Folgen verschiedener Krankheiten und Störungen des Organismus. Hauptverursacher ist Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), der für ca. ein Drittel aller chronischen Fälle verantwortlich ist. Daneben können auch Hypertonie (Bluthochdruck, ca. 22 Prozent), Infektionen bzw. Entzündungen (z.B. Pyelonephritis, Glomerulonephritis, je ca. zehn Prozent), Zystennieren (ca. fünf Prozent), Schmerzmittelabusus und Tumoren der Nieren zu einer chronischen Insuffizienz führen.

Daneben können chronische oder akute Vergiftungen zur Niereninsuffizienz führen. In Betracht kommen hierbei Insektizide, Fungizide und Herbizide, insbesondere die Organochlor-Verbindungen. Darauf weisen Untersuchungen aus Ländern der sogenannten Dritten Welt hin. Dort erkranken häufig Menschen an Niereninsuffzienz, die durch ihre Arbeit in der Landwirtschaft intensiven Kontakt mit den Pestiziden haben. Doch Belastungen mit den Toxinen können auch bei einer schlechten Ernährung verstärkt auftreten und so die Entstehung der Niereninsuffizienz fördern. Ebenso schädigen Schwermetalle die Nieren, die dann in ihrer Funktion nachlassen. Viele Menschen schaden ihren Nieren, weil sie zu wenig trinken. Auch dies kann die Organ-Schwäche verursachen.   

Die Klinik der chronischen Niereninsuffizienz ist vor allem abhängig von der Primärerkrankung. Neben den hierfür typischen Symptomen kommt es im meist fortgeschrittenen Stadium zu einer Vielzahl von Anzeichen und Störungen, die denen der akuten Form sehr ähneln. Dazu zählen andauernde Müdigkeit, Schlafstörungen, Leistungs- und Konzentrationsschwäche, Oligurie, Ödeme und Hypertonie die Brustschmerzen zur Folge haben kann. Auch Magen-Darmbeschwerden in Gestalt von Übelkeit, Erbrechen und Verstopfung machen dem Patienten zu schaffen.

Zusätzlich entstehen durch Mineralienverschiebung und verändertem Knochenstoffwechsel Knochenschmerzen, Muskelschwäche, Eiweißabbau (auch im Urin sichtbar durch Schaumauflagen - Urinuntersuchungen), Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, eine vermehrte Wasseransammlung im Bauchraum, braungelb gefärbte Haut sowie ein starker Juckreiz derselben. Bei beiden Formen ist der Urin stark konzentriert und dunkelgelb bis rotbraun verfärbt. Zusätzlich kann er einen unterschiedlichen Geruch aufweisen (z.B. süßlich bei Diabetes mellitus).

Die besondere Gefahr der Niereninsuffizienz liegt im vollständigen Versagen der Funktion. Ohne sofortige Behandlung führt dies zum Tod. Und auch mit geeigneter Therapie zeigt sich oft im Verlauf ein letaler Ausgang (bei bis zu 60 Prozent der Erkrankungsfälle).

Diagnose

Bei der Diagnostik wird neben den Blutwerten auch die Nierenfunktion (Nierenwerte) überprüft. Dazu dienen unter anderem Ausscheidungsmenge und Zusammensetzung des Urins (Urinuntersuchung). Entscheidende Indizien für die Niereninsuffzienz sind die Konzentrationen der End-Produkte aus dem Protein-Abbau. Dies sind Harnstoff und Harnsäure, aber auch das Kreatinin aus dem Muskel-Stoffwechsel. Daneben sind auch die Elektrolyte erhöht, wie dies in hohen Blut-Konzentrationen von Kalium, Kalzium und Natrium zum Ausdruck kommt. Daneben wird eine BGA (Blutgas-Analyse) durchgeführt, die den pH-Wert liefert. Der Parameter zeigt, ob die Nieren den Säure-Base-Haushalt noch kontrollieren können.

Zusätzlich können Ultraschall, Röntgen oder Probebiopsien genutzt werden. Auch erfolgt die Untersuchung auf evtl. auslösende Grunderkrankungen.

Therapie

Die schulmedizinische Therapie richtet sich zum einen nach der Erkrankungsursache, zum anderen nach der vorliegenden Form.

Nierenschädigende Medikamente werden unverzüglich abgesetzt, die Primärerkrankung behandelt, bzw. deren Auswirkungen soweit möglich reduziert. Dazu zählen Aspirin, Diclofenac, Ibuprofen und Paracetamol. 

Bei einer akuten Niereninsuffizienz unterstützen Diuretika (harntreibende Medikamente) die Urinausscheidung. Daneben können lipidsenkende und blutdruckregulierende Mittel eingesetzt werden. Dem Knochenabbau entgegen wirken Vitamin-D-Präparate. Weitere Vitamin-Supplementationen sind sinnvoll.

Vitamin E empfiehlt sich im weit fortgeschrittenen Stadium und Vitamin B6 kann entzündliche Prozesse unterdrücken. Daneben können die Vitamine Vitamine Coenzym Q, A, C helfen. Zusätzlich dient eine ausgewogene, eiweiß- und phosphatarme Diät der Behandlung. Achten sollten die Patienten auch auf die ausreichende Zufuhr der antiinflammatorischen Omega-3-Fettsäuren. Unterstützt werden können die Nieren auch mit den Spuren-Elementen Eisen, Selen und Zink. Entsprechende Gaben sollten allerdings vorsichtig erfolgen. Empfohlen wird auch die Aminosäure Methionin.

Angezeigt ist auch eine salzarme Ernährung, darin sind sich Schulmedizin und Naturheilkundler einig. Denn Salz bindet Wasser, fördert die Ödem-Bildung und reduziert die Ausscheidung von Elektrolyten und Stoffwechselend-Produkten.
Zeigen die unterschiedlichen Maßnahmen keine Wirkung oder schreitet der Prozess weiter fort, werden oft eine Dialyse oder eine Nierentransplantation zum Einsatz kommen, um lebensbedrohliche Schäden abwenden zu können.

Bedingt durch die verschiedenen Grunderkrankungen (vor allem Diabetes mellitus) dient die Therapie (besonders der der chronischen Form) hauptsächlich einer Verbesserung der Lebensqualität.

Einmal zugrundegegangenes Nierengewebe kann sich nicht regenerieren. Und auch eine Nierentransplantation bedeutet für den Betroffenen ein weiteres Leben, das vor allem durch die Einnahme verschiedener Medikamente (zum Schutz vor Abstoßung) gekennzeichnet ist.

In vielen Fällen kommt trotz der Maßnahmen im Verlauf zu einem vorzeitigen Lebensende. Hier liegen die Gründe in durch die Erkrankung zusätzlich verursachten Organstörungen, z.B. des Herzens und des Gefäßsystems.

Verwandte Themen sind: Herzerkrankungen und Gefäßerkrankungen - Nephrotisches Syndrom - Glomerulonephritis - Nierensteine - Nierenbeckenentzündung - Anurie - Blasenentzündung

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 11.07.2018 aktualisiert